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29.11.2018 | Johanniter-Hilfsgemeinschaft Hamburg

HerzCaspar: JHG Hamburg gibt Starthilfe für Jugend-Besuchsdienste im Krankenhaus

Der Verein HerzCaspar e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Besuchsdienste in Krankenhäusern von Jugendlichen für Jugendliche zu organisieren. Ein Pilotprojekt startet nun am Kinder-UKE in Hamburg. Die JHG Hamburg unterstützt das Projekt.

Friedrich-Caspar v. Schiller hatte es am eigenen Leib erfahren: Plötzlich herzkrank geworden verbrachte er von 2009 bis 2010 viele Wochen und Monate im Krankenhaus, bis ein Spenderherz gefunden war. Und auch nach der Transplantation standen immer wieder längere Krankenhausaufenthalte an.

Was er dabei vermisste: den Austausch mit Gleichaltrigen. Denn viele Besuchsdienste richten sich entweder an kleinere Kinder – wie etwa die Klinik-Clowns – oder an ältere Menschen, wie die „Grünen Damen“. Doch einfach mal unter Gleichgesinnten sein, über ähnliche Interessen und Themen sprechen und dadurch wieder ein Stück weit am ganz normalen „Alltag“ teilhaben – schließlich kann der Aufenthalt in einem Krankenhaus schnell etwas eintönig werden.  

Diese Idee faszinierte Caspar und er beschloss, sie nach seiner Genesung umzusetzen. Doch leider kam es dazu nicht mehr – Caspar starb im April 2014 im Alter von nur 20 Jahren, da sein Spenderherz plötzlich abgestoßen wurde. Seine Idee jedoch lebte weiter in den Gedanken seiner Familie und Freunde und führte schließlich zur Gründung des Vereins HerzCaspar e.V. im September 2017. Der Verein setzt sich dafür ein, den Krankenhausalltag für Jugendliche und junge Erwachsene abwechslungsreicher zu gestalten. 40 aktive Mitglieder zählt der Verein inzwischen. 

Die JHG Hamburg möchte das Anliegen des Vereins unterstützen und engagiert sich mit einer finanziellen Spende beim weiteren Auf- und Ausbau der Aktivitäten.

Schulung von „HerzCaspar Buddies“

Die Besuchsdienste in Krankenhäusern oder Rehazentren sollen von ehrenamtlichen „HerzCaspar Buddies“ übernommen werden. Im Vordergrund stehe der ganz normale Austausch, um den manchmal deprimierenden Alltag auszublenden, wie Fernanda v. Schiller, die Schwester von Caspar und 1. Vorsitzende des Vereins HerzCaspar, es beschreibt. Das heißt: Brettspielen, das Beibringen gegenseitiger Talente, das Lernen von Musikinstrumenten, das Entdecken gemeinsamer Hobbys oder einfach nur „chillen“.

Die Idee von HerzCaspar stieß bereits auf großes Interesse am UKE Hamburg – dort soll nun das erste Pilotprojekt im Kinder-UKE starten. Dafür stehen bereits 14 „Buddies“ für die Besuchsdienste auf verschiedenen Kinderstationen (Herz, Leber, Niere) in den Startlöchern. Doch bevor es losgeht, braucht es gute Vorbereitung: Ein Psychotherapeut bereitet die „Buddies“ mental auf verschiedene Situationen vor. Zudem gilt es, über Hygienevorschriften aufzuklären. So dürfen etwa keine gebrauchten Spiele mitgebracht werden, um keine Bakterien auf die Stationen einzuschleppen.

Vorgesehen sind feste Termine auf den Stationen, zu denen die HerzCaspar Buddies bei den jungen Patienten vorbeikommen. „Anfangs soll es aber zunächst nur Gruppentreffen geben, erst im nächsten Schritt planen wir auch Eins-zu-eins-Treffen zwischen einem HerzCaspar Buddy und einem Patienten“, erklärt Fernanda v. Schiller.

Kick-Off-Meeting am UKE: erste Besuchstermine geplant

Am 24.11. stand das Kick-Off-Meeting für die HerzCaspar Buddies am UKE Hamburg an. Die 14 jungen Erwachsenen, die bald mit den Besuchen auf den Stationen des Kinder-UKE beginnen werden, lernten sich zunächst einmal untereinander besser kennen, um dann in Kleingruppen über mögliche Herausforderungen und ungewohnte Situationen bei den Patientenbesuchen zu diskutieren. Begleitet wurde diese Vorbereitung durch einen Psychotherapeuten des UKE sowie einer Seelsorgerin. „Im nächsten Schritt werden mit den Stationen nun die Termine für die ersten HerzCaspar-Besuche in den Jugendzimmern vereinbart“, erklärt Fernanda v. Schiller. Sobald die HerzCaspar Buddies alle formalen Voraussetzungen erfüllen – etwa ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis eingereicht haben – wird es voraussichtlich im Dezember noch losgehen.

„Das Herz steht für Empathie, Caspar für Fröhlichkeit“

In den nächsten Monaten soll Schritt für Schritt geschaut werden, wie das Programm in allen Details am besten ausgestaltet werden kann. Dabei setzt der Verein HerzCaspar auch auf Kooperationen: „Wir bekommen inzwischen vermehrt Anfragen für Kooperationen“, sagt Fernanda v. Schiller. So hat sich beispielsweise eine Filiale der Drogeriemarktkette Budnikowsky bereit erklärt, Charity-Partner für HerzCaspar zu werden, zum Beispiel durch eine Spendendose an den Kassen.

Angesichts des eigentlich traurigen Anlasses erinnert Fernanda v. Schiller daran, dass dieses Vorhaben auch sehr viel Erfüllung bringen kann: „Bei HerzCaspar geht es darum, ein Herz für andere zu haben. Das Herz steht für Empathie und Caspar für Fröhlichkeit.“

Die JHG Hamburg freut sich, dieses Projekt unterstützen zu können, so dass dadurch beispielsweise Kosten für die psychologische Schulung gedeckt werden können.

Bericht: Hubertus v. Barby