„Diagnose Multiple Sklerose: Jetzt erst recht!“
30. Mai: Welt-MS-Tag 2026
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Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Allein in Deutschland leben schätzungsweise über 280.000 Menschen mit der Diagnose, weltweit sind es mehr als 2,8 Millionen. Da die Erkrankung individuell sehr unterschiedlich verläuft, bleibt sie oft schwer greifbar. Was alle Betroffene jedoch verbindet, ist der Moment, der vieles verändert: die Diagnose. Genau hier setzt der diesjährige Welt-MS Tag am 30. Mai an. Unter dem Motto „Diagnose MS: Jetzt erst recht!“ rückt er diesen Wendepunkt bewusst in den Mittelpunkt. Ein Anlass, den auch die Johanniter-Kliniken nutzen, um über die Erkrankung, individuelle Behandlungsmöglichkeiten und die Begleitung von Menschen mit MS zu informieren.
MS – die Erkrankung der „tausend Gesichter“
„Multiple Sklerose beruht auf einer chronischen Entzündung und Degeneration der Nerven in Gehirn und Rückenmark. Aktuell weiß man, dass eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer MS ist. Da sich allerdings rund 90 Prozent der Weltbevölkerung im Laufe des Lebens mit dem Virus infizieren, ist MS als seltene Nebenwirkung der Infektion anzusehen. Hierbei geht man davon aus, dass es bei manchen Menschen zu einer veränderten Immunantwort auf die EBV-Infektion kommt, die dazu führt, dass eigene Immunzellen, die Nervenhüllen angreifen und schädigen. Die Folge: diffuse Symptome, wie z. B. Sehstörungen, Erschöpfung, Konzentrations- und Gehstörungen“, erläutert Dr. Florian Wolf, Leiter der MS-Projektgruppe im zertifizierten MS-Zentrum der Johanniter-Klinik Godeshöhe in Bonn. Als weitere begünstigende Faktoren für die Entwicklung einer MS werden derzeit u. a. Vitamin-D-Mangel, Rauchen und Übergewicht diskutiert – sie alle fördern entzündliche Prozesse im Körper. „Da die Schädigungen der Nervenhüllen überall in Gehirn und Rückenmark stattfinden können und somit ganz unterschiedliche Symptome auslösen, wird die MS als Erkrankung der ‚tausend Gesichter‘ bezeichnet“, so der Experte weiter.
Perspektiven für Betroffene
Für viele Betroffene liegt der Zeitpunkt der Erstdiagnose im jungen Erwachsenenalter und trifft sie meist in einer besonders aktiven Lebensphase: Ausbildung, Studium, Familienplanung oder auch bereits Verantwortung für kleine Kinder. „Was eine Person in dieser Situation braucht, kann natürlich sehr unterschiedlich sein. Oftmals hilft es aber, aufzuzeigen, welche Dinge man selbst in die Hand nehmen kann, um gut mit der Erkrankung umgehen zu können. Hier spielen Maßnahmen, die den Lebensstil betreffen, wie z. B. die Ernährung und körperliche Aktivität, eine wichtige Rolle. Ebenso der Austausch mit Betroffenen kann hilfreich sein“, erklärt Dr. Florian Wolf.
Insbesondere mit Blick auf die medizinisch-therapeutische Ebene skizziert der Experte ein positives Bild: „Die Zahl der zugelassenen Medikamente zur Behandlung der MS steigt kontinuierlich, weshalb es für Betroffene immer mehr Optionen gibt und eine an das individuelle Risikoprofil angepasste Medikation verschrieben werden kann.“ Besonders wichtig sei zudem, eine möglichst frühe und sichere Diagnose, denn „die Effekte der Immuntherapeutika auf die entzündlichen Prozesse scheinen umso größer zu sein, je früher sie im Krankheitsverlauf eingenommen werden.“
Was die Behandlung in einem zertifizierten MS-Zentrum besonders macht
Als eine von deutschlandweit 19 Kliniken ist die Johanniter-Klinik Godeshöhe bereits seit 2012 durchgängig von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG Bund e. V.) als MS-Rehabilitationszentrum zertifiziert. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: umfangreiche und individuell ausgerichtete rehabilitative Diagnostik und Behandlungskonzepte, spezialisierte neurologisch-psychiatrisch-psychologische Expertise eines hochspezialisierten multiprofessionellen Rehabilitationsteams sowie eine Betreuung, die auf allen Ebenen höchsten Qualitätsstandards entspricht. Hierzu zählen neben gezielten Behandlungsmöglichkeiten, z. B. von Blasenfunktionsstörungen, auch besondere Angebote, wie eine spezielle Trainingsgruppe für MS-Betroffene. Hinzu kommen spezifische Vorträge und Austauschmöglichkeiten zu den Themen Medikation, Fatigue, Kognition und Bewegung. „Die Teilnahme am deutschlandweiten MS-Register-Forschungsprojekt (msfp) der DMSG hat zu einer noch engeren interdisziplinären Zusammenarbeit in unserem Team geführt“, bestätigt Dr. Florian Wolf.
Mit Blick auf das diesjährige Motto des Welt-MS-Tags fügt er hinzu: „‚Diagnose MS: Jetzt erst recht!‘ ist vor allem eine Ermutigung dazu, aktiv am Leben teilzunehmen. Das bedeutet nicht, dass alles genauso laufen muss, wie vor der Erkrankung, sondern vielmehr, dass es immer wieder auch andere und neue Wege gibt, bestimmte Dinge zu erreichen oder zu ermöglichen.“