08.03.2026 | Dienststelle Ortsverband Ahlhorn

„Die Arbeit im Rettungsdienst ist wirklich wahnsinnig schön“

Die 34-jährige Alena Kloberdanz ist Fachbereichsleiterin Rettungsdienst in Ahlhorn – ein Bericht zum Weltfrauentag am 8. März

Fachbereichsleiterin Alena Kloberdanz vor der Rettungswache der Johanniter-Unfall-Hilfe Ahlhorn.
Bild: Ann-Kathrin Stapf/Johanniter

Der Rettungsdienst war lange eine Männerdomäne. Doch in den letzten Jahren hat sich ein Wandel vollzogen. Frauen sind keine Exoten mehr auf der Wache und immer mehr junge Frauen begeistern sich für das Retten in Haupt- und Ehrenamt. Am Campus Oldenburg der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen war das Verhältnis der Geschlechter 2025 ausgeglichen. Die Prüfung zum Rettungssanitäter bestanden 30 Frauen und 32 Männer und die Ausbildung als Notfallsanitäter 25 Frauen und 23 Männer. „Ich freue mich über diese positive Entwicklung und mehr Gleichberechtigung im Rettungsdienst“, sagt Wilfried Barysch, Mitglied des Vorstands im Regionalverband Weser-Ems. Akademie-Leitung Sonja Stolle ist von der Motivation der Frauen begeistert, diesen Job zu begehen und dem spürbaren Enthusiasmus. 

Eine dieser jungen Frauen, die für den Rettungsdienst brennt, ist Alena Kloberdanz. Mit gerade einmal 34 Jahren ist sie seit drei Jahren Fachbereichsleitung Rettungsdienst im Ortsverband Ahlhorn der Johanniter-Unfall-Hilfe. Auf dem Weg dorthin, ging sie bis an ihre Grenzen und manchmal darüber hinaus. Trotzdem sagt sie: „Die Arbeit im Rettungsdienst ist wirklich wahnsinnig schön.“ Dabei hatte sie immer den Rückhalt ihres Teams und des Vereins. Dass jemand einer jungen Frau den Job nicht zutraute, hörte sie nie: „Die Leute wissen, wie hart ich gearbeitet habe." Die Fachbereichsleitung ist den Wachenleitungen in Hude und Ahlhorn übergeordnet und vertritt diese bei Krankheitsfällen, arbeitet neue Wachenleitungen ein, stellt die Einhaltung gesetzlicher Vorgabe sicher, beteiligt sich an der Umsetzung medizinischer Standards, ist die Hauptansprechpartnerin für den Träger Rettungsdienst, Unterstützung bei den Kostenträgerverhandlungen, hat die Budgetverantwortung für den Fachbereich, führt gemeinsam mit den Rettungswachenleitern die Personaleinstellung durch und kümmert sich um die Beschaffung von Neufahrzeugen und Gerätschaften. 

Dass Organisation und Führung ihr liegen, war schnell klar. Schon kurz nach dem Ende ihrer Ausbildung zur Rettungsassistentin übernahm sie 2014 organisatorische Aufgaben und bewarb sich auf die Stelle der stellvertretenden Wacheleitung in Ahlhorn, die sie ab Januar 2016 begleitete. Eine spannende Zeit, in die auch der Neubau der heutigen Rettungswache und die Übernahme der Wache in Hude durch die Johanniter fiel. Weil es ab 2017 zwei Wachen gab, wurde der bisherige Ahlhorner Wachenleiter Fachbereichsleitung und Kloberdanz rutschte nach, wodurch sie Ahlhorns Wachenleiterin wurde. Seit 2023 ist sie Fachbereichsleitung für die Rettungswachen Ahlhorn und Hude. Zusätzlich fährt sie circa zwei Mal die Woche aktiv im Rettungsdienst mit - unter anderem als Praxisanleitung. 

Als sie anfing, gab es noch etwas weniger Frauen im Rettungsdienst. Und auch einen Spruch musste sie sich manchmal anhören. Allerdings immer nur außerhalb: „In Ahlhorn waren wir damals schon weiter." Das eigene Team war bereits gemischt, mit etwa einem Drittel Frauen. Denn das bietet Vorteile, sagt Kloberdanz. Die Erfahrung zeigt, dass je nach kulturellem Background Frauen lieber von Frauen behandelt werden. Hier setzt sich Kloberdanz aber auch für die Akzeptanz der männlichen Kollegen ein. Gerade in Ahlhorn gibt es viele Nationalitäten und die Vielfalt auch bei dem Rettungspersonal abzubilden, erleichtert die Arbeit. Weitere Beobachtungen sind, dass jüngere Frauen lieber von weiblichen Einsatzkräften betreut werden und dass es Frauen besser gelingt, zu deeskalieren, wenn Patienten aggressiv sein sollten. Kloberdanz schätzt bei gemischten Teams auch, dass es verschiedene Blickwinkel gibt und so mehr Aspekte betrachtet werden, was die Versorgung der Erkrankten verbessert. 

Die Sprüche, die Kloberdanz früher bei Einsätzen hörte, bezogen sich unter anderem auf ihre körperliche Kraft. Im Alltag muss die zierliche Frau auch schon mal mit einer zweiten Kollegin schwerere Menschen transportieren. Kloberdanz erklärt: „Auch wenn eine gewisse Sportlichkeit und gute Kondition wichtig sind, entscheidend ist die Technik. Außerdem gibt es mittlerweile gute Gadgets, elektrische Hilfsmittel.“

Bei ihren eigenen Auswahlverfahren spielen Geschlecht, sexuelle Orientierung oder kultureller Hintergrund keine Rolle. Entscheidend, ist was die Person kann und wie sie sich präsentiert.

 

In den Rettungsdienst kam Kloberdanz eher zufällig. Eigentlich wollte sie die Wartezeit auf den Medizin-Studienplatz überbrücken und zahlte die Ausbildung zur Rettungsassistentin aus eigener Tasche. Ihren ersten Kontakt mit dem Rettungsdienst hatte sie 2007 bei einem Schul-Praktikum in der ambulanten Pflege im Ortsverband Ahlhorn. Seit 2009 ist sie ehrenamtlich Teil der Johanniter-Unfall-Hilfe im selben Ortsverband und absolvierte hier die Lehrgänge zur Sanitätshelferin und zur Rettungssanitäterin sowie die Ausbildung zur Rettungsassistentin, bevor sie im Zuge der Gesetzesänderung 2013 in den folgenden Jahren zur Notfallsanitäterin qualifiziert wurde.

 

2016 hätte sie ihr Studium beginnen können und lehnte ab: „Ich sah die Aufstiegschancen bei den Johannitern und was hier geleistet wird.“ Was sie heute wie damals im Schul-Praktikum begeistert, ist, wie die Rettungskräfte von 0 auf 100 umschalten können: „Als Außenstehender kann man sich kaum vorstellen, was für eine Mammutaufgabe wir hier leisten. Egal, ob Pandemie oder glatte Straßen – wir sind immer zur Stelle. Die Arbeit im Rettungsdienst ist wirklich wahnsinnig schön, trotz der Belastungen. Jeder, der mit Herzblut dabei ist, wird es nicht bereuen. Ich habe es nie bereut und bin stolz auf alle Kolleginnen und Kollegen an unseren Wachen, die täglich alles für ihre Patientinnen und Patienten geben.“

 

Sowohl die Rettungswache Ahlhorn mit zwei Fahrzeugen als auch die Wache in Hude mit einem Fahrzeug verbuchen pro Monat etwas 160 Einsätze. Am Standort Ahlhorn gibt es ein Volumen von 16 Vollzeitstellen, die sich auf Mitarbeitende in Voll- und Teilzeit verteilen und in Hude ein Volumen von 10 Vollzeitstellen, die sich auf Mitarbeitende in Voll- und Teilzeit aufteilen.