Ein letzter Rückblick auf ein gutes und anstrengendes Jahr
Regionalverbandsleitung der Johanniter in Weser-Ems diskutiert Zahlen und Pläne für weitere Entwicklung
„2025 war ein echt anstrengendes Jahr. Aber es war auch ein richtig gutes Jahr.“ Wilfried Barysch, Mitglied im Regionalvorstand des Regionalverbandes Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe, musste vor Beginn seines Jahresberichts bei der Tagung der Regionalverbandsleitung einmal kräftig durchatmen. Nicht nur, weil die Aufzählung der umfangreichen Aktivitäten aus 2025 so lang war, sondern auch aus emotionalen Gründen. Für Barysch, der am 31. Dezember dieses Jahres sein Amt als hauptamtliches Vorstandsmitglied abgibt, war es das letzte Mal, dass er den Jahresbericht den Leitungskräften aus den 19 Ortsverbänden wie den Fachbereichen und Bereichen der Regionalgeschäftsstelle vortrug. Insgesamt waren 54 Führungskräfte im Hotel Aselager Mühle in Herzlage im Emsland zusammengekommen und diskutierten in großer Runde und in fachlich spezialisierten Workshops über Pläne und Ideen zur Weiterentwicklung der Organisation. Der Regionalverband Weser-Ems ist mit seinen 19 Ortsverbände und mehr als 150 Betriebsstätten von Emden bis Delmenhorst und von Wilhelmshaven bis Nordhorn in der Grafschaft Bentheim einer der größten der bundesweit 50 Regionalverbände der Johanniter-Unfall-Hilfe. Geführt wird er seit seiner Gründung 1995 von Wilfried Barysch, unterstützt wird er dabei heute von den ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern Dieter Meyer und Markus Wedemeyer.
„Herausragendes Ereignis 2025 war sicherlich die Einführung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen“, berichtete Barysch. In nur drei Monaten von der Erteilung des Zuschlags bis zum Start der ersten Standorte mussten rund 300 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter zahlreiche Gesundheitsfachkräfte sowie Ärzte und Ärztinnen, eingestellt werden. Neue Standorte mussten gefunden, angemietet und hergerichtet, insgesamt 48 Autos neu beschafft werden. „Das war eine echte Herausforderung, die ganzen Fahrzeuge mit dem Fachpersonal und den bei uns angestellten Ärzten auf die Straße zu bringen“, sagte Barysch. „Aber jetzt sind wir damit gut unterwegs, dank der Zusammenführung des bei uns an ganz verschiedenen Stellen vorhandenen Wissens.“ Zum Beispiel seien Erfahrungen aus der Offshore Rettung im telemedizinischen Bereich eingeflossen. Barysch lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit der einzelnen Fachbereiche sowie der Verbände untereinander. Seit Start am 8. Mai 2025 bis 31. Dezember seien im Ärztlichen Bereitschaftsdienst 5183 Einsätze mit 210.097 Kilometer in Weser-Ems gefahren worden.
Auch in anderen Bereichen seien beeindruckende Zahlen erreicht worden. In der Breitenausbildung wurden 36.088 Personen in 2532 Kursen in Erster Hilfe und anderen Kursen geschult. Das sei eine tolle Leistung, obwohl die Breitenausbildung weiterhin tiefrote Zahlen schreibt. Ein Verlust, der bewusst in Kauf genommen wird. „Wir wissen, wie wichtig es ist, die Menschen fit zu machen in Erster Hilfe“, betonte Barysch. Aber auch hier gibt es gute Ansätze die Wirtschaftlichkeit auf gesunde Füße zu stellen. Vieles ist nur möglich durch das große ehrenamtliche Engagement bei den Johannitern. Im vergangenen Jahr sind von den 1922 aktiven Ehrenamtlichen genau 190.216 ehrenamtliche Dienststunden geleistet worden, vor allem bei den 880 Sanitätsdiensten, aber auch in zahlreichen anderen Diensten wie in der Hospizarbeit, dem erweiterten Rettungsdienst, der Flüchtlingshilfe, den Betreuungs- und den Fahrdiensten oder im Katastrophenschutz.
Im hauptamtlichen Bereich wurden 18.429 Einsätze im Rettungsdienst gefahren, 788 Patientinnen und Patienten im Monatsdurchschnitt in der Ambulanten Pflege aufgesucht und Kinder in mittlerweile 17 Kindertagesstätten mit insgesamt 848 Plätzen betreut. Im Bereich Flucht und Migrationsarbeit betreiben die Johanniter aktuell zwölf Einrichtungen mit 3150 Plätzen. „Dieser Bereich ist weiterhin ganz wichtig für die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Fluchtgeschichten“, sagte Helene Frieden, Leiterin der Stabsstelle Integration des Regionalverbandes Weser-Ems und Dienststellenleiterin im Ortsverband Aurich.
Zum hauptamtlichen Bereich gehören auch die Offshore Rettung des Ortsverbandes Stedingen und der Gas- und Brandschutzservice des Ortsverbandes Ahlhorn. Beide Angebote sind einzigartig innerhalb der Johanniter-Unfall-Hilfe und arbeiten sehr erfolgreich. Dabei gab es in der Offshore Rettung im vergangenen Jahr eine bedeutende personelle Veränderung. Nach dem Abschied des langjährigen Leiters Jan Lutz teilen sich zukünftig Phillipp Hoffmann (Finanzen & Organisation) und Alexander Grewen (Personal & Kunden) die Aufgaben. In 2025 stellten die Johanniter auf neun Plattformen und elf Schiffen Notfallsanitäter bereit, dabei wurden 1667 Behandlungen mit 64 ausgeflogenen Patienten durchgeführt und damit wurde ein Meilenstein erreicht: Seit der Gründung der Johanniter-Offshore Rettung 2013 wurden jetzt mehr als 10.000 Behandlungen auf Plattformen und Schiffen durchgeführt. Heute arbeiten im Schichtbetrieb rund um die Uhr 73 Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter auf den Plattformen und Schiffen sowie als rettungsdienstliche Besatzung auf drei Offshore-Rettungshubschraubern. Doch auch wo die Johanniter nicht vor Ort sind, können sie zukünftig helfen: Mit Beginn des Jahres bieten die Johanniter mit dem Cosinus C-Med Alpha eine telemedizinische Lösung für Ersthelferinnen und Ersthelfer Offshore an. Ebenfalls neu eingeführt wurde die Möglichkeit zur Ultraschall-Untersuchungen auf Offshore-Projekten. Dazu wurden die Mitarbeitenden der Offshore Rettung am Campus Elsfleth der Johanniter-Akademie geschult. „Wir können froh sein, dass wir mit unserer Johanniter-Akademie und der eigenen Notfallsanitäterschule unser Fachpersonal selber aus- und fortbilden können“, betonte Barysch.
Die Zahlen belegen dies. Aktuell werden 54 Frauen und Männer am Campus Oldenburg zu Notfallsanitäter und Notfallsanitäterinnen ausgebildet. Zudem gab es im vergangenen Jahr in den verschiedenen Schwerpunkten der Aus- und Fortbildung wie Rettungsdienst, Pflege, Katastrophenschutz und Breitenausbildung insgesamt genau 100 Kurse mit 1123 Teilnehmenden. Weitere 674 Teilnehmende nutzten die neuen digitalen Fortbildungsangebote.
Die erfolgreiche Arbeit in vielen Bereichen schlägt sich auch in den Zahlen nieder. So stieg die Zahl der hauptamtlichen Kräfte in Voll- und Teilzeit im vergangenen Jahr um fast 100 auf jetzt 1386. Davon sind 42 Freiwilligendienstleistende und 48 Auszubildende und Praktikanten. Ebenfalls stark angestiegen ist die Zahl der Mitglieder in der Johanniter Jugend, was Barysch ganz besonders freut. „Es ist meinem ehrenamtlichen Vorstandskollegen Dieter Meyer zu verdanken, dass sich die Jugend so gut entwickelt hat“, betonte er. Der schob das Lob gleich weiter: „Das ist wesentlich der Verdienst der neuen Regionaljugendleitung und den Jugendleitungen in den Ortsverbänden“, betonte Meyer. Dort werde die eigentliche Arbeit gemacht. Er selber wirke nur im Hintergrund. Nach den Lockdowns während der Corona-Zeit war die Zahl der Johanniter-Jugendlichen in Weser-Ems fast auf null gefallen. Heute beteiligen sich wieder 569 Mädchen und Jungen an den Gruppenstunden, 88 mehr als noch Ende 2024. Höhepunkte der Jugendarbeit waren im vergangenen Jahr die Reise einer Jugendgruppe zur Schwesterorganisation St. John Ambulance nach Malta und das Sport- und Spielefest „Johanniter-Spektakel“, organisiert vom Ortsverband Jeverland in Schortens.
Nach dem Rückblick auf 2025 wagte Wilfried Barysch noch einen Blick auf die Planungen für 2026. Auch da stehen zahlreiche Entwicklungen an, vor allem im baulichen Bereich. Der Neubau für die Hausnotrufzentrale und die Offshore Rettung in Elsfleth wird nach einer witterungsbedingten Zwangspause in den jüngsten Wochen weiter Gestalt annehmen, die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant. Zudem soll mit dem Bau der neuen Dienststelle in Edewecht und den neuen Rettungswachen in Osnabrück und Oldenburg begonnen werden. Ebenfalls auf den Zettel steht der Neubau einer fünfzügigen Kita in Bösel im Landkreis Cloppenburg. Zudem wird das Ganztagsschulangebot ausgebaut. „Es wird nie langweilig“, schloss Wilfried Barysch seinen Vortrag. Wie jedes Jahr.