02.06.2026

Etwas aufbauen, das Bestand hat

Kaija Karjalainen ist die neue Standortleiterin der Johanniter des Ortsverbands Lüneburg

Lüneburg. Sie steht vor großen Herausforderungen und packt sie mit ganzer Kraft an. Kaija Karjalainen weiß, was es heißt, eine Geschäftsidee, einen Bereich aufzubauen und zu entwickeln. Bevor sie zur Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) kam, war die Diplom-Kauffrau und Marketing-/Salesmanagerin als Leiterin Geschäftsfeldentwicklung und Interimsleiterin am Standort Harburg bei der quatraCare Gesundheitsakademie gGmbH. „Mir ist es wichtig, etwas aufzubauen, was Bestand hat“, sagt sie. Nachhaltig, mit Qualität und immer in wertschätzendem Umgang mit den Menschen. 

Da kam sie bei den Johannitern im Regionalverband Harz-Heide gerade richtig: Denn seit gut einem Jahr hat die JUH die Beauftragung für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst von der Kassenärztlichen Vereinigung erhalten – für ganz Niedersachsen. Hier handelt es sich nicht um den klassischen Fahrdienst, bei dem die Ärzte in den Praxisschließzeiten zu den Patientinnen und Patienten gefahren werden. Es handelt sich um ein zukunftsorientiertes, innovatives Konzept, das nur in Niedersachsen umgesetzt wird und entsprechend bundesweit Aufsehen erregt. Bedeutend ist, dass unter der Telefonnummer 116 117 eine Einordnung gleich am Anfang vorgenommen und letztlich eine Zuweisung passiert, ob zum Beispiel eine Medizinerin oder ein Mediziner vonnöten ist oder eine Gesundheitsfachkraft wie examinierte Pflegekräfte oder Notfallsanitäterinnen oder Notfallsanitäter für diesen Einsatz besser geeignet sind. „Im Einklang mit Telemedizin und den entsprechenden Fachkräften kann den Anrufenden lösungsorientiert geholfen werden – in Zeiten, wenn die Arztpraxen geschlossen sind, wie Mittwochnachmittags, nachts oder am Wochenende“, sagt Karjalainen, die für den Sektor Lüneburg inklusive dem Standort Uelzen mit für 36 Mitarbeitenden im Schichtbetrieb zuständig ist. „Wir bauen hier etwas auf, das mittel- und langfristig den Rettungsdienst und auch die Notaufnahmen der Kliniken entlasten kann. Es ist spannend, wie die bei uns angestellten Gesundheitsfachkräfte und Ärztinnen und Ärzte zusammen mit unseren Fahrerinnen und Fahrern kombiniert mit telemedizinischer Unterstützung in Stadt und Land ein ineinandergreifendes System installieren – zum Wohle der Menschen.“

Denn das ist der gebürtigen Finnin ebenfalls wichtig: Die Zusammenarbeit untereinander im Team, aber auch die Hauptaufgabe, Menschen zu unterstützen. Deswegen stehen bei ihr gegenseitiger Respekt und ein faires Miteinander an erster Stelle. „Natürlich mit der gehörigen Portion Spaß an der Arbeit,“ lacht Karjalainen, „und ich wünsche mir eine Gesellschaft, die auch Platz für Benachteiligte bietet.“ So setzt sie sich für die Zusammenarbeit bei karitativen Projekten zum Beispiel gemeinsam mit den Grünen Damen und Herren ein. Auch knüpft sie weiter ihr Netzwerk mit den anderen Werken des Johanniterordens wie der Johanniter-Hilfsgemeinschaft. „Wir sind auch dabei einen ehrenamtlichen Bereich aufzubauen und uns mit dem bestehenden Ehrenamt der JUH in Uelzen zu verknüpfen.“

In der Zukunft gibt es viele Stränge, die aufgenommen werden: So entsteht in der Neuen Sülze ein seniorengerechtes „Wohnen mit Service“ der JUH mit etwa 45 Mietwohneinheiten. Der zentrale Ort in Lüneburg soll neuer Lebensmittelpunkt werden, die Innenstadt bereichern und sich auch kulturell einbinden. Außerdem werden Erste-Hilfe-Kurse angeboten – klassische wie auch Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten im Rahmen von Zivilschutz und der Förderung der Resilienz in der Bevölkerung. „Wir möchten unsere Angebote unter anderem im Bereich Jugendhilfe und Ganztagsschule in die Lüneburger Strukturen einbringen können und schauen, wo und wie wir die Stadt Lüneburg unterstützen können,“ sagt Kaija Karjalainen, „denn es ist unser Ziel, organisch, nachhaltig und zukunftsorientiert als Ortsverband zu wachsen. Immer orientiert an den Bedürfnissen der Stadt Lüneburg und den Lüneburgerinnen und Lüneburgern.“

Kaija Karjalainen stammt aus Finnland, hat in Helsinki die Deutsche Schule besucht, ihr Abitur in Hamburg gemacht. Ein Schuljahr in Brasilien erweiterte ihren Horizont in menschlicher wie geografischer Hinsicht und fügte neben ihrer Muttersprache, dem Deutschen und Englischen das Portugiesische hinzu. Nach ihrem Abitur hat sie eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau abgeschlossen. Danach studierte die heute 52-Jährige an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und schloss ihr Betriebswirtschaftsstudium mit Diplom ab. 

Karjalainen hat sich viel für die Johanniter vorgenommen und steckt ihre (Überzeugungs-)Kraft in die Entwicklung des Standortes und in das gesellschaftliche Miteinander. Nur gemeinsam lassen sich die Herausforderungen von heute und morgen stemmen – das ist ihre Grundüberzeugung.