"In jeder Hinsicht keine Trockenübung"
Erste-Hilfe-Kurs für Biker unter realen Bedingungen
Die Kurve ist eng, der Asphalt nass, und plötzlich ist in einer Hofeinfahrt ein Unfall zu sehen: Das Motorrad liegt am Boden, eine Person ist darunter eingeklemmt, reglos. Die Gruppe aus fünf Bikern hält ein paar Sekunden inne, dann setzt Bewegung ein: Warnwesten raus, jemand sichert die Unfallstelle ab, ein anderer übernimmt den Notruf, der nächste kniet sich zum Unfallopfer und prüft, was zu tun ist. Was hier wie ein echter Unfall wirkt, ist eine der Praxisstationen des Kurses „First Aid Highway" der bergischen Johanniter.
Unfälle passieren nicht nur bei schönem Wetter
Am 13. September haben 15 Motorradfahrer und -fahrerinnen an diesem speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Biker teilgenommen. In drei Gruppen erlebten sie einen Tag, der ihnen alles abverlangte: Es regnete von Anfang bis Ende, die Straßen waren nass, die Visiere manchmal beschlagen. Für den Kurs war das kein Hindernis, sondern ein Gewinn: So ließ sich authentisch trainieren, wie Stress, Witterung und Zeitdruck die eigene Handlungsfähigkeit beeinflussen. Auch Bernd aus Solingen schreckte das Wetter nicht ab, im Gegenteil: „Toll, dass die Johanniter den Kurs trotz des Wetters durchgezogen haben“, lobte er. „Unfälle passieren nicht nur bei schönem Wetter.“
Von der Theorie auf die Straße
Der Kurs startete am Morgen mit einer kompakten Theorieeinheit zu den Erste-Hilfe-Grundlagen mit Fokus auf Motorradunfällen. Hier durften die Johanniter die Räume des Technischen Hilfswerks Hückeswagen nutzen – die befreundete Hilfsorganisation unterstützte das Johanniter-Projekt regelmäßig. Unfallstelle absichern mit dem Motorrad, Helmabnahme, Verletzungen versorgen sowie stabile Seitenlage und Reanimation standen unter anderem auf dem Programm. Anschließend machten sich die drei Gruppen nacheinander auf die Route durch das bergische Land. An mehreren Stationen warteten realistische Szenarien mit täuschend echt geschminkten Mimen als Verletzte, die trotz Regens ausharrten, bis alle Gruppen die Aufgabe absolviert hatten. „Danke, ihr Opfer!“, sagte Heiko aus Wuppertal bei der abschließenden Feedbackrunde mit einem Augenzwinkern, und lobte die realistische Darstellung durch die ehrenamtlichen Helferinnen und Hefer, die einen doch mehr forderte als eine Trockenübung im Seminarraum. An den Stationen machte die kleine Gruppengröße intensives, persönliches Üben möglich. Die Ausbilderinnen und Ausbilder konnten direkt auf Fragen eingehen und gezieltes Feedback geben.
Bestens gewappnet für den Notfall
Trotz des Regenwetters zogen alle Beteiligten ein positives Fazit. Viele berichteten, dass das Trainieren unter realen Bedingungen auf der Straße ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten spürbar gestärkt habe. Jörg aus Wuppertal lobte die schöne Strecke, die gefahren wurde, und die zusammen mit den praktischen Übungen für viele den Spaßfaktor eines Erste-Hilfe-Kurses deutlich erhöht hatte. Dabei empfanden alle die speziell auf Biker zugeschnittenen Kursinhalte als sehr lehrreich, und auch das strukturierte Vorgehen in der Gruppe blieb im Gedächtnis. Denn das ist das Herzstück des „First Aid Highway": Motorradfahrende sollen im Notfall füreinander da sein und helfen können. Damit überbrücken sie entscheidende Minuten, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Kursbuchung
Die bergischen Johanniter bieten den First Aid Highway in der Regel zweimal im Jahr an: Zu Beginn und gegen Ende der Motorradsaison. Sobald die Termine für 2027 feststehen, werden sie unter www.johanniter.de/az-bergischesland veröffentlicht. Die Motorradstaffel des Regionalverbands Bergisches Land ist per E-Mail erreichbar unter motorradstaffel.bergischesland(at)johanniter.de