26.03.2026 | Johanniter-Schwesternschaft e.V.

Nach-gedacht: „Hoffe ich, also bin ich“

Ostern als Atem der Hoffnung in unruhigen Zeiten

Foto: privat

Liebe Johanniterinnen und Johaniter,

es tragen nicht die lauten Worten, die uns zur Zeit durch den Alltag begleiten, sondern die stillen Bewegungen des Geistes, wie sie sich einem Lächeln, in einem aufmerksamen Blick, in einer entgegengestreckten Hand zeigen; wenn Gesten mehr zu sagen vermögen, als tausend Worte. Diese Bewegungen des Geistes gleichen einem Atemzug, der uns aufrichtet, ohne dass wir ihn sofort zu spüren bekommen.

Der französiche Philosoph Gabriel Marcel beschrieb den Menschen immer wieder als einen „Wandernden“. Und so trägt ein Buch den Titel „homo viator“, der Mensch, der unterwegs ist. In diesem Buch fand ich einen Satz, der mich seither begleitet:

„Hoffnung ist für die Seele das, was das Atmen für den lebendigen Organismus ist.
Wo Hoffnung fehlt, vertrocknet und verkümmert die Seele.“

Unterwegs zwischen Angst und Vertrauen
Unsere Welt wird immer unruhiger. Kriege und Unsicherheiten prägen unsere Gegenwart, und wir machen die Erfahrung, die den Lebensalltag empfindlichst trifft: Angst vor einer immer unsicherer werdenden Zukunft: Die Gefahr ist sicherer geworden als die Sicherheit. Dies ist nicht nur eine politische oder gesellschaftliche Erfahrung - es ist eine zutiefst persönliche.

Auch, und gerade im Alltag der Pflege begegnet uns diese Spannung: zwischen Stabilisierung und Rückschritt, zwischen Hoffnung und Ernüchterung, zwischen Leben und Abschied. Wir erleben Menschen in ihrer Verletzlichkeit - und oft auch unsere eigene „Homo viator“: unterwegs sein heißt dann auch, nicht alles im Griff zu haben; die Situation, die Arbeit, und letztlich auch uns selbst. Nicht immer zu wissen, wie es weitergeht und dennoch weiterzugehen.

Ostern - die Botschaft des Lebens
Mitten in diese unruhigen Strömungen hinein spricht das Osterwort aus der Offenbarung:
„Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offb. 1,18)
Dieses Wort richtet unseren Blick auf den auferstandenen Jesus Christus. Er ist nicht nur ein Zeuge des Lebens, er ist der Lebendige selbst. Das bedeutet für unseren Alltag mehr, als es auf den ersten Blick scheint: Der auferstandene Christus steht nicht fern unserer Wirklichkeit. Er ist mitten in ihr gegenwärtig - auch dort, wo wir an unverschiebbare Grenzen stoßen, wo Worte fehlen, wo wir Leid aushalten müssen. Dass er die Schlüssel des Todes und der Hölle hält heißt: Nicht das Dunkle behält das letzte Wort, sondern das Wort vom Leben, das von ihm herkommt.

Gerade im Krankenhaus bekommt dieser Glaube eine besondere Tiefe: Wo gestorben wird, wo Abschiede den Alltag prägen, auch die Abschiede von Hoffnungen dem Leben gegenüber, wo wir mit unserer Ohnmacht sind, dort gilt zugleich: Seit Ostern ist dem Tode die letzte macht genommen!

Pflege als Atem des Lebens
Stellen wir uns die Lebenswirklichkeit als einen unruhigen Fluß vor, der durch die Landschaften von Angst, Enttäuschung, Hilflosigkeit und Verletzlichkeit fließt. Gerade dort, mitten in dieser Unruhe, steht die Pflege: als Ufer, das Halt geben möchte, als Begleitung, die nicht weicht, als ruhige Präsenz die trägt. Und zugleich gibt es noch eine tiefere Wirklichkeit: Die Glaubenswirklichkeit von Ostern gleicht einem ruhigen Fluss, der diesen unruhigen Lebensstrom begleitet. Sie nimmt die Ruhe nicht einfach weg. Aber sie durchzieht sie, sie hält sie aus, sie stellt sie in einen größeren Zusammenhang.  

Und was bedeutet diese Glaubenswirklichkeit für unseren Alltag?
Wenn Gespräche stocken und Worte fehlen, bleibt dennoch eine tragende Wirklichkeit. Wenn Heilung nicht mehr möglich ist, bleibt doch Begleitung im Leben. Wenn Kräfte nachlassen, kann ein andere, verlässliche Kraft spürbar werden.

„Hoffe ich, also bin ich.“
Wir leben nicht aus Sicherheit, sondern aus Hoffnung. Das heißt nicht, dass die Angst verschwindet. Aber es heißt: Angst ist nicht das Letzte. Wir gehen unseren Weg als Menschen, die unterwegs sind, und doch getragen. Das heißt gelebtes Vertrauen angesichts des Alltags. 

Ostern lässt uns wieder durchatmen und entzündet 
die Hoffnung neu in unseren Herzen.

Liebe Johanniterinnen und Johanniter,

ich wünsche Ihnen, Ihren Familien sowie Ihren Freundeskreisen gesegnete und frohe Ostern:
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.

Bernd Kollmetz, Seelsorger und Pastor i.R.