09.02.2026 | Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen - Campus Hannover

Leitungswechsel der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen

Nach 25 Jahren prägender Arbeit übergibt Kersten Enke die Führung an Natalie-Reyes Castellanos-Herr

Nach mehr als 25 Jahren an der Spitze der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen übergab Kersten Enke zum 1. Februar 2026 die Leitung an seine bisherige Stellvertreterin Natalie-Reyes Castellanos-Herr. Beide bereiteten diesen Wechsel rund drei Jahre gemeinsam vor – mit dem Ziel, die Kontinuität und Qualität in Führung und Ausbildung sowie in der Kooperation mit Partnern und Verbänden sicherzustellen.

Kersten Enke ist der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) seit seinem 16. Lebensjahr verbunden – zunächst ehrenamtlich. Als examinierter Krankenpfleger, Lehrrettungsassistent und Diplom-Gesundheitslehrer absolvierte er unterschiedliche Bereiche bei den Johannitern: „Während meines Lehramt-Studiums war ich an meinem Studienort Osnabrück bereits als Lehrrettungsassistent bei den Johannitern aktiv. Ab 1993 habe ich dann mit zwei Kollegen, einem Faxgerät und einem PC die damalige Johanniter-Schule in Ronnenberg (Region Hannover) aufgebaut“, erinnert er sich. Heute firmiert die Bildungseinrichtung, deren Leitung Enke im Juli 2000 übernahm, als Johanniter-Akademie in Hannover-Vahrenwald und hat weitere Standorte in Oldenburg, Einbeck und Elsfleth.
Die Laufbahn des 66-Jährigen blieb überwiegend frei von Zweifeln: „Meine Motivation, Strukturen bei der JUH weiter zu entwickeln, war immer groß. Nur gelegentlich kollidierte das mit dem Tempo der Vorgesetzen – damals fehlte nur noch eine Briefmarke bei der Bewerbung für eine Stelle als Gymnasiallehrer“, so Enke. „Aber meine vielen Johanniter-Momente haben überwogen.“ Neben der Ausbildung von Rettungskräften und der Entwicklung neuer Angebote denkt Enke an besondere Begegnungen: „Wenn man sieht, wie sich junge Menschen in ihrer Ausbildung fachlich und persönlich entwickeln, ist das etwas Einzigartiges.“ Besondere Rückmeldungen erreichten ihn etwa aus Krisengebieten: „Ich bekam Feldpostkarten aus dem Kosovo und Afghanistan, in denen sich ehemalige Rettungsassistenten für ihre Ausbildung bedankten – weil sie damit Leben retten konnten.“

Mit Natalie-Reyes Castellanos-Herr übernimmt eine Frau mit umfassender Erfahrung in Pflege und Lehre die Leitung. Die examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin sammelte Berufserfahrung in der Psychiatrie und absolvierte den Master Berufspädagogik im Gesundheitswesen. Nach Lehrtätigkeiten an der Medizinischen Hochschule Hannover prägte sie ab 2021 maßgeblich die curriculare Entwicklung der Johanniter-Pflegeschule. Ihr Fokus: die Verbindung von Menschlichkeit und Fachlichkeit. „Die direkte Arbeit am Menschen hat mich immer am meisten interessiert“, schildert die 35-Jährige. „Schon zu Beginn meines Lehramtsstudiums war mir klar, dass mein Herz für die Pflege schlägt. Dieses Gefühl überwog auch hinsichtlich der Option, einen Medizinstudienplatz anzunehmen.“

In seiner gemeinsamen Übergangsphase legte das Leitungstandem besonderen Wert auf Zusammenarbeit und Kommunikation: „Der Rettungsdienst war mir eher vertraut, aber im Bevölkerungsschutz galt es für mich, viel Neues zu lernen“, betont Castellanos-Herr. „Darüber hinaus verstärken wir das interdisziplinäre Arbeiten, in der Verwaltung ebenso wie in den Schulen – denn auch eine Pflegekraft kann für den Notfall trainiert werden. Ein sorgfältiger Austausch ist in diesen Bereichen entscheidend.“ Darüber hinaus sollen laut Castellanos-Herr die Netzwerke zu Partnern und Verbänden in den Bereichen Pflege, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz gestärkt werden, auch über die Grenzen der Akademie hinaus.

Im Landesverband stößt der Wechsel der Akademieleitung auf volle Unterstützung, unterstreicht Vorstandsmitglied Hannes Wendler: „Mit Kersten Enke verabschieden wir einen Kollegen, der mit seiner Kompetenz und seinem Engagement die Arbeit und den Erfolg der Akademie maßgeblich geprägt und dabei herausragende Qualitätsstandards entwickelt hat. Im Zuge des Leitungswechsels freuen wir uns sehr darüber, dass wir mit Natalie-Reyes Castellanos-Herr eine ausgesprochen geeignete Nachfolgerin für die Aufgabe gewinnen konnten. Der Ausbau des Erfolges der Akademie ist ihr ebenso wichtig wie eine konsequente Förderung ihres zukünftigen Teams. Wir möchten beiden Leitungen daher unseren großen Dank aussprechen und wünschen Ihnen für den jeweiligen neuen Lebensabschnitt alles erdenklich Gute.“

Kersten Enke sieht seinem Ruhestand mit gemischten Gefühlen entgegen: „Der Abschied fällt schon schwer, auch wenn ich mich auf mehr persönliche Freizeit freue. Aber ich hatte immer große Gestaltungsspielräume und bin für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, sehr dankbar. Natürlich stehe ich den Johannitern weiterhin beratend zur Verfügung und auch im Ehrenamt bleibe ich als Präsident des Bundesverbands für Bildung im Rettungswesen (BVBRW) und im Lions-Club aktiv.“

Vollendet wurde die offizielle Amtsübergabe mit der traditionellen Aus- und Einsegnung der beiden Führungskräfte. Der entsprechende Gottesdienst, geleitet durch Inge Matern, Landespfarrerin der JUH, fand am (heutigen) Freitag, 6. Februar in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover statt.