04.09.2026 | Johanniter-Krankenhaus Bonn

Lipödem: Operative Behandlung zeigt deutliche Vorteile gegenüber konservativer Therapie

Johanniter-Kliniken Bonn bringen Expertise in große deutschlandweite Studie ein

Eine Liposuktion kann die Beschwerden von Frauen mit Lipödem deutlich stärker reduzieren als eine alleinige konservative Therapie. Das bestätigt die jetzt veröffentlichte LIPLEG-Studie (LIP - Liposuktion, LEG – Bein), an der die Abteilung für Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische & Handchirurgie der Johanniter-Kliniken Bonn unter Leitung von Chefarzt Dr. Kay-Hendrik Busch als einer von elf Standorten in Deutschland maßgeblich mitgewirkt hat.

Im Rahmen der groß angelegten Studie wurden insgesamt 410 Patientinnen im Stadium I bis III des Lipödems untersucht. Die Ergebnisse liefern erstmals belastbare Daten, die zeigen, dass die Liposuktion, umgangssprachlich auch Fettabsaugung genannt, der bisherigen Standardtherapie in zentralen Punkten deutlich überlegen sein kann.

Was ist ein Lipödem?
Das Lipödem ist eine chronische, schmerzhalte Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Typisch sind Fettansammlungen insbesondere an Beinen und teilweise Armen, Druckschmerzen sowie eine erhöhte Neigung zu Hämatomen. Die bislang etablierte Standardtherapie setzt vor allem auf eine komplexe Entstauungstherapie mit Lymphdrainage, Kompression und Bewegung. Sie kann Beschwerden lindern, muss jedoch dauerhaft angewendet werden und führt häufig nur zu begrenzter Schmerzentlastung. Bei der Liposuktion hingegen handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, bei dem krankhaft vermehrtes Fettgewebe gezielt abgesaugt wird.

LIPLEG-Studie: Liposuktion bei Lipödem wird unter bestimmten Voraussetzungen Kassenleistung
Initiiert und finanziert wurde die LIPLEG-Studie vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung erfolgte durch das Zentrum für Klinische Studien (ZKS) der Uniklinik Köln sowie das Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik der Universität zu Köln. Auch die Hautklinik des Klinikums Darmstadt war als Sponsor und Studienleitung beteiligt. Noch vor Abschluss der Studie entschied der G-BA 2025, die Liposuktion bei Lipödem unter definierten Voraussetzungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufzunehmen. Damit wurde die operative Behandlung erstmals reguläre Kassenleistung.

Schmerzverbesserung durch Liposuktion rund 26-mal wahrscheinlicher als bei Standardtherapie
In der Studie erhielten alle Teilnehmerinnen zunächst über mehrere Monate hinweg konservative Therapie. Anschließend wurden sie nach dem Zufallsprinzip entweder weiterhin konservativ oder mittels Liposuktion behandelt. Auch im Waldkrankenhaus in Bonn wurden Patientinnen in die Studie aufgenommen und über den Untersuchungszeitraum begleitet. Nach zwölf Monaten zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Gruppen: 68,4 Prozent der operierten Patientinnen erreichten eine klinisch relevante Schmerzreduktion von mindestens zwei Punkten auf einer zehnstufigen Skala – gegenüber 7,6 Prozent der konservativ behandelten Patientinnen. Damit war eine relevante Schmerzverbesserung nach Liposuktion rund 26-mal wahrscheinlicher. Auch die Lebensqualität verbesserte sich deutlich.

„Mit unserer Beteiligung an der LIPLEG-Studie konnten wir entscheidend dazu beitragen, eine wichtige Frage in der Behandlung des Lipödems wissenschaftlich fundiert zu beantworten“, sagt Dr. Kay-Hendrik Busch, Chefarzt der Abteilung für Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische & Handchirurgie an den Johanniter-Kliniken Bonn. „Die Ergebnisse zeigen erstmals, dass eine Liposuktion bei der überwiegenden Mehrzahl der Patientinnen zu einer deutlichen, klinisch relevanten Schmerzreduktion führen kann. Damit können wir heute besser beurteilen, für wen der Eingriff eine sinnvolle Therapieoption ist und eine spürbare Verbesserung bringen kann. Dass die Liposuktion inzwischen unter definierten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, eröffnet betroffenen Frauen zudem einen deutlich besseren Zugang zu dieser Behandlung.“ 

Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen
Trotz der entscheidenden Vorteile der Liposuktion müssen die mit dem chirurgischen Eingriff verbundenen Risiken klar benannt werden: Unerwünschte Ergebnisse traten nach einer Liposuktion häufiger auf als unter alleiniger konservativer Therapie. Darunter waren auch Komplikationen, die ausschließlich in der operativ behandelten Gruppe beobachtet wurden. „Eine sorgfältige individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung bleibt daher auch weiterhin entscheidend“, so Dr. Kay-Hendrik Busch. 

Langzeitergebnisse bleiben im Blick
Neben der nun vorliegenden 12-Monats-Auswertung laufen derzeit zudem Langzeitbeobachtungen über insgesamt 36 Monate. Dabei soll insbesondere untersucht werden, wie nachhaltig die gezielten Verbesserungen sind und welche möglichen Spätkomplikationen auftreten können.