16.09.2026 | Ortsverband München-Land

Mobile Hausarztpraxis schließt Lücke im Bevölkerungsschutz

Johanniter nehmen neue Einheit in Betrieb – Landkreis München bezuschusst mit 140.000 Euro

Bei Einsätzen des Bevölkerungsschutzes haben die Johanniter im Regionalverband München eine Lücke im Hilfssystem erkannt und nun gemeinsam mit dem Landkreis München geschlossen: die hausärztliche Versorgung in Katastrophenlagen.

Der Landkreis München bezuschusste mit 140.000 Euro die Beschaffung eines Transportfahrzeugs sowie die Ausstattung einer mobilen Hausarztpraxis, die eine hausärztliche Grundversorgung für bis zu 72 Stunden sicherstellt.

Beim 2. Bevölkerungsschutztag des Landkreises München wurde die neue Einheit am 12. September vom Johanniter Standortpfarrer und Militärdekan Jochen Bernhardt eingeweiht – im Beisein des Bundestagsabgeordneten und Staatsministers beim Bundesminister des Auswärtigen, Florian Hahn, von Landrat Christoph Göbel sowie mehrerer Bürgermeister aus dem Landkreis München.

Das Konzept entstand aus den Erfahrungen der Johanniter im Regionalverband München bei Einsätzen des Bevölkerungsschutzes in den vergangenen Jahren. Die örtlichen Einsatzkräfte waren nach dem Hochwasser im Ahrtal und im nördlichen Oberbayern sowie bei Waldbränden in Thüringen im Einsatz; sie halfen auch bei Evakuierungen aufgrund von Fliegerbombenfunden in München. „Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz sind bereits hervorragend aufgestellt, wenn es um die Versorgung von Verunglückten oder akut erkrankten Personen geht. Wenn jedoch eine gewöhnliche hausärztliche Versorgung für Betroffene oder Einsatzkräften benötigt wird, war diese bislang in Katastrophengebieten kaum verfügbar“, berichtet der Johanniter Sachgebietsleiter Sanitätsdienst und Bevölkerungsschutz, Markus Bauer. „Wenn ein Ultraschall zur genaueren Diagnose nötig ist oder Blutdruckmedikamente vergessen wurden oder die betreuenden Ärztinnen und Ärzte nicht erreichbar sind, ist oft eines der ohnehin stark belasteten Krankenhäuser die erste Anlaufstelle. Das bindet Behandlungs- und Transportkapazitäten. Durch unsere neue Einheit können wir innerhalb weniger Stunden eine hausärztliche Versorgung sicherstellen und bis zu 72 Stunden aufrechterhalten.“ Bei einem noch länger andauernden Bedarf kann dann eine von vier in Deutschland verfügbaren mobilen Arztpraxen übernehmen. Diese haben jedoch weite Anfahrtswege aus anderen Bundesländern und längere Vorlaufzeiten. 

Im Aufbau des neu beschafften Iveco Daily mit Ladebordwand befindet sich die wesentliche Ausstattung einer Hausarztpraxis: von der Untersuchungsliege und einem Patientenstuhl zum Blutabnehmen bis hin zu einem Wärme- und einem Kühlschrank, Waschbecken, einem Aufnahmetresen mit Rufsystem bis hin zu medizinischem Equipment zur Wundversorgung und Basismedikamente. Auch Notfallrucksäcke sowie ein Ultraschall und ein modernes EKG zur Diagnostik sind mit an Bord „Im Einsatzfall versuchen wir nach Möglichkeit, bestehende Gebäude zu nutzen. Durch die enge Verzahnung mit unseren Einheiten des Bevölkerungsschutzes wäre es aber auch möglich, die Hausarztpraxis komplett autark in einem Zelt mit eigener Wasser- und Notstromversorgung zu betreiben“, so Markus Bauer.

Das Personal für die mobile Hausarztpraxis stammt aus einem Pool an Ärztinnen und Ärzten, die häufig gemeinsam mit den Johannitern im Einsatz sind, sowie aus dem Kreis der ehrenamtlichen Johanniter Einsatzkräfte.