25.02.2026 | Regionalverband Bayerisch Schwaben

Sprachvielfalt leben – Zukunft gestalten

Internationaler Tag der Muttersprache am 21. Februar

Am 21. Februar wird weltweit der Internationale Tag der Muttersprache begangen. Die UNESCO rief diesen Aktionstag ins Leben, um die sprachliche Vielfalt zu schützen und das Bewusstsein für die Bedeutung der Erstsprache zu stärken. Für die Johanniter in Bayerisch Schwaben ist dieser Tag weit mehr als ein symbolischer Anlass. Er unterstreicht den fachlichen Anspruch, Sprachbildung professionell, wertschätzend und zukunftsorientiert auch in den Kindertageseinrichtungen umzusetzen.

„Sprache ist der Schlüssel zur Welt und zur eigenen Identität“, erklärt Beate Winterholler, Sachgebietsleitung Kindereinrichtungen der Johanniter in Bayerisch Schwaben. „Kinder, die in ihrer Muttersprache gestärkt werden, entwickeln Sicherheit. Diese Sicherheit ist die Grundlage dafür, auch die deutsche Sprache erfolgreich zu erwerben.“

In einer vielfältigen Gesellschaft gehört Mehrsprachigkeit längst zum Alltag vieler Familien. Die Johanniter-Kitas verstehen diese Vielfalt nicht als Herausforderung, sondern als pädagogische Chance. Fachlich fundierte Sprachbildung ist deshalb ein zentraler Bestandteil der täglichen Arbeit. In allen Einrichtungen wird Sprache bewusst und gezielt gefördert – alltagsintegriert, systematisch beobachtet und individuell begleitet.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Eine stabile Erstsprache erleichtert das Lernen weiterer Sprachen. Kinder, die ihre Muttersprache sicher beherrschen, verfügen über ein tragfähiges Fundament für den Erwerb der deutschen Sprache.

Genau hier setzen die Johanniter an. „Wir sehen Mehrsprachigkeit als Ressource“, betont Winterholler. „Unser Ziel ist es, Kinder sprachlich ganzheitlich zu stärken, in ihrer Erstsprache ebenso wie im Deutschen.“

In der Praxis bedeutet das, Sprachförderung nicht isoliert, sondern eingebettet in den Alltag zu gestalten. Gespräche beim gemeinsamen Frühstück, dialogisches Vorlesen, Rollenspiele, Singen, Forschen und Entdecken – all diese Situationen werden bewusst genutzt, um Wortschatz, Grammatikverständnis und Ausdrucksfähigkeit zu erweitern. Die Fachkräfte greifen Äußerungen der Kinder sensibel auf, modellieren Sprache korrekt zurück und regen zum Weiterdenken an. So entstehen Lernprozesse, die nachhaltig wirken.

Ein besonderer Mehrwert liegt in der sprachlichen und kulturellen Vielfalt der Teams. Viele Mitarbeitende bringen eigene Mehrsprachigkeit mit und fungieren als Brückenbauer zwischen Familien, Kulturen und Sprachen. Kinder erleben dadurch Wertschätzung für ihre Herkunftssprache und erfahren gleichzeitig eine sichere Begleitung beim Erwerb der deutschen Sprache. Diese Haltung stärkt nicht nur die sprachliche Kompetenz, sondern auch das Selbstbewusstsein.

Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern spielt eine zentrale Rolle. Die Johanniter beraten Familien aktiv zum Thema mehrsprachiges Aufwachsen und geben praxisnahe Impulse. Eltern werden ermutigt, in der Sprache mit ihrem Kind zu sprechen, in der sie sich emotional und sprachlich am sichersten fühlen. Entscheidend sei nicht Perfektion, sondern ein lebendiger, zugewandter Austausch. Vorlesen, gemeinsames Erzählen und bewusste Gesprächszeiten im Alltag unterstützen die Sprachentwicklung nachhaltig.

Darüber hinaus investieren die Johanniter kontinuierlich in die fachliche Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden. Fortbildungen im Bereich Sprachentwicklung, interkulturelle Pädagogik und alltagsintegrierte Sprachbildung sichern die hohe Qualität in allen 35 Einrichtungen. Beobachtung und Dokumentation der Sprachentwicklung gehören ebenso selbstverständlich dazu wie eine enge Abstimmung im Team.

Die Kita ist für viele Kinder der erste Bildungsort außerhalb der Familie und oft der erste intensive Kontakt mit der deutschen Sprache. Umso wichtiger ist es, dass Kinder sich dort mit ihrer gesamten sprachlichen Identität willkommen fühlen. „Wenn Kinder erleben, dass ihre Sprache wertgeschätzt wird, entwickeln sie Vertrauen in sich selbst und in ihre Umgebung“, so Winterholler. „Dieses Vertrauen ist die Basis für erfolgreiche Bildungsprozesse.“

Der Internationale Tag der Muttersprache erinnert daran, wie wertvoll sprachliche Vielfalt für unsere Gesellschaft ist und eine starke Sprache bedeutet starke Kinder.