Johanniterschwester Stefanie von Fallois
Ihre Arbeit in der Delfintherapie
Berufliche Entwicklung und Erfahrungen in der Delfintherapie
Von 1984 bis 1987 gehörte ich gemeinsam mit vielen engagierten Kolleginnen zur Gruppe der „Johnnyschwestern“. In dieser Zeit erlebten wir gemeinsam eine einzigartige Ausbildung in Bonn, die viele von uns auch heute noch, über vier Jahrzehnte später, über nationale Grenzen hinweg miteinander verbindet.
Nach meiner Ausbildung und mehreren Jahren Berufserfahrung als Krankenschwester entschied ich mich, ein Psychologiestudium in Berlin zu beginnen. Dies führte mich zu meiner ersten beruflichen Tätigkeit mit autistischen Jugendlichen. Wegweisend für meine spätere berufliche Laufbahn war eine kurze TV-Dokumentation über Delfintherapie in Florida, die mich während der Abschlussphase meines Studiums nachhaltig beeindruckte. Spontan entschloss ich mich, mich bei Dolphin Aid Düsseldorf für ein Praktikum zu bewerben. Diese Organisation unterstützte deutsche Familien, die an einer Delfintherapie in Florida teilnehmen wollten.
Im Jahr 1997, kurz nach dem Abschluss meines Studiums, ergab sich die Gelegenheit, als ehrenamtliche Begleiterin für vier Wochen Familien zur Delfintherapie nach Miami zu begleiten. Während dieser Zeit hatte ich die Chance, Dr. Nathanson, den Gründer der Delfintherapie, sowie zahlreiche weitere Therapeuten kennenzulernen. Diese Erfahrung war für mich sowohl beruflich als auch persönlich wegweisend und zutiefst berührend. Ich durfte erstaunliche Fortschritte beobachten, die behinderte Kinder in der Begegnung mit den Delfinen machten.
Im Jahr 2000 zogen mein amerikanischer Ehemann und ich nach Miami, was mich erneut mit der Delfintherapie in Kontakt brachte. Nach einem spontanen Besuch des Delfinzentrums, das mittlerweile nach Key Largo umgezogen war, hatte ich das grosse Glück, dass gerade eine deutschsprachige Therapeutin gesucht wurde. Bereits im Januar 2001 trat ich meinen Traumjob an.
Fortan fuhr ich täglich von Miami nach Key Largo, wo ich mit Kindern aus aller Welt arbeitete. Dr. Nathansons Forschung zeigte, dass drei wesentliche Faktoren die Motivation von Kindern fördern: Musik, Tiere und Wasser. Während die Delfine und das Wasser bereits zwei dieser Faktoren abdeckten, wurde Musiktherapie als ergänzender Bestandteil hinzugefügt. Kinder mit Behinderungen haben oft eine eingeschränkte Aufmerksamkeitsspanne, und das Ziel der Therapie war es, durch die spielerische Interaktion mit den Delfinen und die Musiktherapie die Aufmerksamkeit zu fördern und das Lernen zu erleichtern. Es war erstaunlich zu beobachten, wie viele Kinder innerhalb der 2- bis 3-wöchigen Delfintherapie signifikante Fortschritte machten. Kinder, die noch nie gesprochen hatten, begannen zu sprechen, Kinder, die nicht laufen konnten, machten ihre ersten Schritte, Kinder mit hohem Muskeltonus fanden Entspannung, und Kinder, die keine Kopfkontrolle hatten, konnten erstmals ihren Kopf halten. Viele kleine und grössere Veränderungen wurden möglich.
In unserem interdisziplinären Team übernahm ich als Psychologin auch Patienten mit traumatischen Erfahrungen. Auch hier konnten bemerkenswerte Fortschritte erzielt werden. Viele dieser Menschen, die das Vertrauen in das Leben verloren hatten, fanden über die Begegnung mit den Delfinen und die Therapie ihre Lebensfreude zurück.
Heute arbeite ich zweimal jährlich als Gasttherapeutin in Curacao in der Delfintherapie und erlebe immer wieder die einzigartigen Momente, die die Begegnung mit Delfinen für meine kleinen und großen Patienten bereithält. Diese Tätigkeit hat mir nicht nur beruflich, sondern auch persönlich unzählige bereichernde Erfahrungen geschenkt und mich mit außergewöhnlichen Menschen zusammengeführt.
Ich bin sehr dankbar für diese wundervolle Aufgabe, die es mir ermöglicht, an so einzigartigen Prozessen teilzuhaben, großartige Familien kennenzulernen und in die Welt dieser besonderen Tiere einzutauchen.
Johanniterschwester Stefanie von Fallois