03.03.2026 | Dienststelle Ortsverband Hannover-Leine

Von der Soforthilfe zur Sozialarbeit: So unterstützen die Johanniter in Hannover Geflüchtete

Ob in der Ukraine, Syrien, Afghanistan oder anderswo – wenn Menschen flüchten müssen und in Deutschland Zuflucht suchen, stehen die Johanniter an ihrer Seite. Was in Hannover 2015 mit Erstversorgung begann, ist heute eine professionelle Begleitung.

Anika Holzhausen-El Sahli wird für zehn Jahre Mitarbeit geehrt. Bild: Johanniter/Janna Schielke

„Wir schaffen das!“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Sommer als 2015, als Tausende Menschen in Deutschland Zuflucht suchten. Die Johanniter waren mittendrin: „Wir machen das!“, lautete das Motto. In Hannover auf dem Messegelände betrieb die JUH eine große Erstaufnahmeeinrichtung. Unzählige Haupt- und Ehrenamtliche bauten Unterkünfte auf, sortierten Berge von Kleiderspenden, versorgten die Menschen medizinisch und standen ihnen in der Not bei. Schon im selben Jahr entstand das erste Wohnheim in Hannover-Anderten. Daraus erwuchs über die nächsten zehn Jahre ein großer Bereich der professionellen sozialen Betreuung und Beratung von Geflüchteten. Heute betreibt der Johanniter-Ortsverband Hannover-Leine mehrere Unterkünfte, in denen Menschen mit Fluchtgeschichte oder in Wohnungsnot leben. 

Wege ebnen in die Selbstbestimmung

„Die Integration von neu angekommenen Menschen in unsere Gesellschaft ist eine Generationenaufgabe – und wir stehen nicht am Ende, sondern mittendrin“, sagt Florian Walther, Bereichsleiter Flüchtlingshilfe bei den Johannitern in Hannover. In 14 Unterkünften, einer Sozial- und Migrationsberatungsstelle, einer Wohnbegleitung und einem Patient*innenlotsen-Projekt arbeiten rund 75 Personen, darunter Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Erzieherinnen und Erzieher, Hausdienste und Freiwilligendienstleistende. Darüber hinaus unterstützen freiwillig Helfende. Hier geht es um mehr als ein Dach über dem Kopf. Die sozialpädagogischen Teams stellen die Weichen für mehr Teilhabe an der Gesellschaft. Das beginnt mit dem Elementarsten: Eine materielle Grundausstattung, gesundheitliche Versorgung, Schul- und Kitaplätze und darum, zur Ruhe zu kommen und durchzuatmen. Dann schauen die Fachkräfte ganz individuell, was die Menschen brauchen und schaffen Angebote wie Nachhilfeunterricht, Frühförderung für die Jüngsten oder Frauencafés. In vielen Unterkünften initiieren die Johanniter-Teams Gartenprojekte, bei denen sich interessierte Bewohnende um gemeinsame Beete kümmern. So können sie nicht nur regelmäßig frisches Gemüse ernten, sondern auch ein Stück Autonomie erfahren, ihre Fähigkeiten einbringen und weiterentwickeln.

Individuell helfen

Von Anfang an dabei ist Anika Holzhausen-El Sahli. Die Sozialpädagogin berät und begleitet Geflüchtete, unterstützt sie bei Behördenangelegenheiten, der Job- und Wohnungssuche und organisiert Gemeinschaftsangebote. Gestartet ist sie bei den Johannitern 2015 in einem Containerbau, der provisorisch als Wohnheim genutzt wurde. „Die Menschen kamen wirklich mit nichts“, erinnert sich Holzhausen-El Sahli. Der Großteil war gerade erst aus dem Heimatland geflohen und bekam eine Erstausstattung mit dem Nötigsten wie Hygieneartikel oder Kleidung ausgehändigt. Heute ist es gemischter: Manche sind gerade erst angekommen, andere schon seit mehreren Jahren in Deutschland oder hatten zuvor in anderen Ländern Zuflucht gefunden. Pauschale Lösungen gibt es nicht. „Alle sind unterschiedlich und bringen verschiedene Fähigkeiten mit“, so die Sozialpädagogin. Die Johanniter-Teams arbeiten nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Das bedeutet, dass sie gemeinsam mit den Geflüchteten schauen, was sie aus eigener Kraft schaffen können, und sie darin unterstützen. Damit das gelingt, schmieden die Johanniter Netzwerke mit Vereinen, Kultureinrichtungen und anderen Institutionen.

Vor allem die kleinen Erfolge motivieren Anika Holzhausen El-Sahli: „Wenn jemand zum Beispiel endlich einen gesicherten Aufenthaltsstatus hat oder eine eigene Wohnung gefunden, dann feiere ich innerlich ein kleines Festchen“, sagt sie. „Auch spürt man viel Dankbarkeit.“

Feier mit sieben Dienstjubiläen

Um die beeindruckende Entwicklung des Bereichs Flüchtlingshilfe zu feiern, haben sich viele Mitarbeitende im Januar in Hannover-Hainholz getroffen. Für das leibliche Wohl sorgte die Verpflegungsgruppe des Nordhannoverschen Ortsverbandes (NOV). In seiner Ansprache stellte Dienststellenleiter Stefan Sawade klar: „Geflüchtete zu unterstützen ist und bleibt ein sehr wichtiges Arbeitsfeld der JUH. Wir sind stolz auf unsere hohen Qualitätsstandards und die vielen engagierten Mitarbeitenden, die sie tagtäglich umsetzen.“ Zum Gratulieren war auch Regionalvorstand Torsten Bierbrauer gekommen. Er überreichte gemeinsam mit Stefan Sawade gleich sieben Mitarbeitenden jeweils eine Ehrenurkunde für zehn Jahre Engagement für die JUH. Auch Anika Holzhausen-El Sahli und Florian Walther wurden geehrt.