„Wärme, Freundlichkeit und Respekt sind die wichtigsten Zutaten der Johanniter-Winterhilfe.“
Mehr Gäste als im letzten Jahr: Kostenloses warmes Abendessen der Johanniter ist für viele Bedürftige zu einer wichtigen Unterstützung geworden.
Celle. Als die Ehrenamtlichen der Johanniter vor drei Jahren mit der Winterhilfe starteten, war die größte Frage: Braucht Celle überhaupt so etwas wie ein kostenloses Abendessenangebot für obdachlose bzw. Menschen mit sehr wenig Geld? Werden Gäste kommen, die vielleicht neben einem vollen Magen auch auf der Suche nach einem freundlichen Wort und niederschwelliger Hilfe sind? Im April 2026, nach der kürzlich dritten, abgelaufenen Saison ist die Antwort klar: Die Winterhilfe in Celle hat sich zu einer festen Größe im vielfältigen Hilfsangebot der Stadt etabliert.
Von Ende November letzten Jahres, dem Start der Saison 2025/2026, bis Ende März, dem Saisonabschluss, wurden fast 2.000 Portionen Essen an Bedürftige ausgegeben. Das sind fast 500 mehr als in der Saison davor.
Jeden Mittwoch und Freitag in den Abendstunden servierten die Ehrenamtlichen der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) ihren Gästen in den Räumen der Celler Tafel e.V. ein leckeres warmes Essen. Frisch gekocht wird dafür immer am Nachmittag – mit Lebensmitteln, die aus Spenden finanziert wurden. Im Schnitt nahmen 30 Menschen pro Tag das Angebot wahr. "Sie sind nicht alle wohnungs- bzw. obdachlos. Es kommen auch Bedürftige, die sich kaum eine warme Mahlzeit leisten können - speziell nicht in der kalten Jahreszeit. Wenn überhaupt ausreichend geheizt werden kann", berichtet Winterhilfe-Teamleiterin Katrin Klasing.
Zum Ende des Monats wurde es immer voller in dem kleinen Bistro in der Uferstraße. „In der letzten Woche des Monats kamen oft fast 50 Menschen zu uns. Die gestiegenen Lebensmittel- und Energiekosten treffen natürlich die Menschen mit keinem oder ganz wenig Einkommen besonders hart. „Oft ist dann zum Monatsende kein Geld mehr für Essen da“, ist die Beobachtung von Katrin Klasing. So ist es eine wichtige Entlastung, dass zweimal in Woche das rein ehrenamtliche Team, zu dem 17 Personen gehören, warmes Abendessen anbietet.
Doch über die reine Versorgung mit Essen hinaus ist die Winterhilfe viel mehr. Sie ist ein Ort der Wärme und Mitmenschlichkeit. „Hier nervt niemand von den Gästen, ist lästig oder nicht willkommen. Wärme, Freundlichkeit und Respekt sind die eigentlich wichtigsten Zutaten der Johanniter-Winterhilfe. Leider sind das Erfahrungen, die besonders für Obdachlose oder Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht selbstverständlich sind“, so Katrin Klasing.
Harald D., den bei der Winterhilfe alle nur Harry nennen, ist seit dem Start des Angebotes Stammgast. Jeden Mittwoch und Freitag kommt er in den Wintermonaten in das kleine Bistro in die Uferstraße. Der alleinerziehende Vater hat schwere Zeiten erlebt. Massive gesundheitliche Probleme, Arbeitslosigkeit, schwierige Situationen mir Behörden. Dankbar ist er dafür, dass er zweimal die Woche zur Winterhilfe kommen kann. „Was man den Leuten von der Winterhilfe erzählt, bleibt bei denen und das ist wichtig“, sagt der Celler.
Und dieses offene Ohr und dieser Ort der Begegnung soll auch im nächsten Winter wieder möglich sein. Fest steht schon, dass es auch 2026/27 wieder einer Winterhilfe geben soll. Voraussetzung dafür ist aber, dass auch dann wieder Menschen, das rein durch Spenden finanzierte Projekt, unterstützen. „Ohne Unterstützerinnen und Unterstützer aus Stadt und Landkreis Celle, die uns mit Geldspenden helfen, ist die Aktion nicht leistbar. Wir sind sehr glücklich, dass wir bis jetzt so viel Resonanz finden und die letzte Saison bestreiten konnten. Herzlichen Dank an alle, die in der letzten Saison gespendet haben! Durch Sie können unsere Ehrenamtlichen unseren Dienst aufrechterhalten,“ unterstreicht Thomas Adasch, ehrenamtlicher Ortsbeauftragter der Johanniter in Celle. Wichtig ist Thomas Adasch auch der ausdrückliche Dank an Celler Tafel e.V. „Dass wir mit der Winterhilfe die Räumlichkeiten des Vereins nutzen dürfen, ist wirklich ein Glücksfall“, so der Ortsbeauftragte.
Eine besondere Überraschung erwartete die Gäste der Winterhilfe am letzten Tag der Saison. Zur Ausgabe von Suppe und Nachtisch stand auf einmal Celles Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge am Tresen. Die Helfenden freute es und die Gäste beäugten das Ganze prüfend. Jörg Nigge war immer offen für Gespräche und trat gegenüber den Gästen sehr zugewandt auf. Beim anschließenden Gespräch betonte der Oberbürgermeister: Wir nehmen das Thema Bedürftigkeit und Einsamkeit im Rathaus sehr ernst". Auch hörte er sich genau an, was Katrin Klasing und ihr Team berichten konnten. In der Unterhaltung mit Thomas Adasch und Jens Rohde, dem Vorsitzenden der Celler Tafel, kam auch das Ansteigen der Bedürftigkeit zur Sprache. Auch in einer Gemeinde wie Celle sei das Ganze nicht wegzudiskutieren, meinten alle drei einhellig.
Die Johanniter-Winterhilfe und ihr Kooperationspartner Celler Tafel e.V. sind froh, dass die Winterhilfe eine so sinnvolle Unterstützung für einkommensschwache Celler ist. Die Saison ist nun erst mal zu Ende, doch in den nächsten Monaten wird es Gespräche geben, wie die Kooperation vielleicht noch ausgebaut werden kann. Wer weiß, was bis November 2026 weiter geschehen wird.
Wer das Projekt mit Spenden unterstützen möchte:
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Regionalverband Harz-Heide
DE28 3702 0500 0004 3132 18
BIC: BFSWDE33XXX
Verwendungszweck: Johanniter-Winterhilfe Celle
Oder sich ehrenamtlich in der Johanniter-Winterhilfe einsetzen möchte, kann sich gern unter celle(at)johanniter.de melden.