Weil Helfen Freude macht: Vom Speditionskaufmann zum Erste-Hilfe-Trainer
Über das Ehrenamt bei den Johannitern fand Oliver Wallrath einen neuen Beruf und sattelte nach 34 Jahren im gelernten Job noch einmal um.
Die ersten Minuten eines Erste-Hilfe-Kurses können verräterisch sein. Johanniter Oliver Wallrath muss manchmal nur in die Gesichter der Teilnehmenden schauen, um zu wissen, wer freiwillig gekommen ist – und wer lieber woanders wäre: „Ich erkenne schon sehr schnell, ob sie im Kurs sein müssen oder aus eigenem Interesse da sind.“
Oliver Wallrath ist Erste-Hilfe-Trainer bei den Johannitern in Langenhagen. Fünf Kurse gibt er durchschnittlich pro Woche. Zwischen 14 und 20 Menschen sitzen dann vor ihm, insgesamt sind es rund hundert Begegnungen in einer Woche. Wie ein Kurs gestaltet wird, bleibt bei den Johannitern jedem Trainer selbst überlassen. Wallrath, geboren Mitte der 60er Jahre, hat sich bewusst für einen analogen Ansatz entschieden: „Bei mir gibt es keine PowerPoint-Präsentationen oder Videos. Wer das machen möchte, für den ist das völlig in Ordnung. Ich möchte aber, dass die Menschen miteinander reden und gemeinsam überlegen, wie sie in einer Notfallsituation anderen helfen können.“
Also lässt der Johanniter die Teilnehmenden ausprobieren, Fragen stellen und miteinander üben. Ob sein Ansatz aufgegangen ist, merkt er spätestens am Ende des Kurses. Dann bittet Wallrath um ehrliche Rückmeldungen, konstruktive Kritik und Vorschläge. Besonders freut er sich, wenn aus anfänglicher Unlust Begeisterung wird. Manchmal bekommt der Erste-Hilfe-Trainer genau die Rückmeldung, die er sich wünscht: „Am Anfang hatte ich überhaupt keine Lust. Aber es hat mir richtig viel Spaß gemacht.“
Wallrath weiß, wie sich Interesse wecken lässt. Er selbst war einmal auf der Suche nach etwas Neuem. Für den gelernten Speditionskaufmann veränderte sich während der Corona-Pandemie der Arbeitsalltag. Eine Nebenbeschäftigung am Flughafen konnte er während des Lockdowns nicht mehr ausüben. Die freie Zeit brachte ihn zum Nachdenken darüber, wie er sie sinnvoll nutzen könnte. Die Antwort fand Oliver Wallrath bei den Johannitern in Langenhagen. Er begann damit, sich im 7. Einsatzzug, einer ehrenamtlichen Einsatzeinheit des Katastrophenschutzes, zu engagieren. „Ich habe direkt bei vielen Sanitätsdiensten angefangen, beim Eishockey, bei Pferderennen. Wo es möglich war, war ich dabei“, so Wallrath. 2022 ließ er sich zum Sanitätshelfer ausbilden.
Aus den Einsätzen heraus entstand die nächste Idee. Im Gespräch mit seiner Kollegin Antje Poetsch, Koordinatorin der Breitenausbildung im Regionalverband Niedersachsen Mitte, fragte er, ob aus seinem Interesse an Erster Hilfe mehr werden könne. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. „Ich habe an Weihnachten mit Antje gesprochen und schon im Februar saß ich im Seminar für die Ausbildung zum Erste-Hilfe-Trainer“, sagt der Johanniter.
Was zunächst nebenbei begann, wurde mit der Zeit zu einer neuen Perspektive. Neben seinem Job in der Spedition gab Oliver Wallrath am Wochenende Erste-Hilfe-Kurse, wann immer es ihm zeitlich passte: „Ich habe damals wie heute Kurse in Schulen und Unternehmen gegeben und natürlich auch den Klassiker für alle, die für den Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs brauchen.“ Gleichzeitig merkte Wallrath, dass sein bisheriger Berufsalltag nicht mehr zu ihm passte. Viel Sitzen und wenig Bewegung im Beruf machten ihm zunehmend zu schaffen. „Ich wurde am Schienbein operiert. Zusammen mit dem vielen Homeoffice und dem Stress auf der Arbeit ging das irgendwann auf meine Gesundheit. Da habe ich selbst gemerkt, dass ich etwas ändern musste“, sagte Wallrath. 2024 kündigte er in der Spedition und arbeitet seitdem in Vollzeit als Erste-Hilfe-Trainer in der Breitenausbildung der Johanniter.
Dass der geborene Berliner heute so selbstverständlich vor Gruppen steht, war allerdings nicht immer so. An seine ersten Kurse erinnert er sich noch gut. Während der Praxisphasen stand ihm damals ein Mentor zur Seite. „Am Anfang ist man noch ein bisschen holprig. Damit ich mich sicherer fühle und auch weiß, wovon ich in den Kursen rede, bin ich als Praktikant auch im Rettungsdienst gefahren. Ich habe mir Fragen von Teilnehmenden aufgeschrieben. Wenn ich etwas nachschauen musste, habe ich es auch gemacht. Beim nächsten Mal wusste ich es dann“, sagt der Johanniter. Inzwischen ist Oliver Wallrath selbst Mentor und begleitet Menschen, die sich zu Erste-Hilfe-Trainern ausbilden lassen.
Wer selbst einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen möchte, findet Termine und Anmeldemöglichkeiten auf der Website der Johanniter unter:
www.johanniter.de/erstehilfewww.johanniter.de/erstehilfe
Und wer sich für die Arbeit als Erste-Hilfe-Trainer interessiert, kann Kontakt mit Regionalausbildungsleiterin Antje Poetsch aufnehmen: antje.poetsch@johanniter.de