Wiesmoorer Johanniter schulen Pflegekräfte aus ganz Deutschland
Diana Borchelt und Marcel Planteur leiten Praxisworkshop „Pflegekräfte im Katastrophenfall“
In außerordentlichen Notlagen wie bei Naturkatastrophen, terroristischen Anschlägen oder militärischen Angriffen funktioniert die gewohnte Hilfs- und Rettungsinfrastruktur nicht mehr. Deshalb hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Hilfsorganisationen wie die Johanniter-Unfall-Hilfe beauftragt, in Kursen mit den Titeln „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“ (EHSH) die Menschen zu schulen, sich in Notlagen selber helfen zu können. Diese Kurse sind für die Teilnehmenden kostenlos und ausgerichtet auf verschiedene Zielgruppen. Von Kindern über Erwachsene werden auch professionell in der Pflege Tätige angesprochen, denen in Notlagen aufgrund ihres Fachwissens eine besondere Rolle zukommt. Basierend auf dem EHSH-Modul 5 „Professionelle Pflege im Zivilschutz- und Katastrophenfall“ haben die Johanniter eine Qualifizierung von Pflegekräften im Katastrophenfall entwickelt. „Disaster Nursing“ ist der Titel. Jetzt wurde beim Schwesterntag der Johanniter mit einem Praxisworkshop der bundesweit erste Lehrgang der ersten Ausbildungsstufe erfolgreich abgeschlossen. Durchgeführt haben ihn zwei Ostfriesen: Diana Borchelt, Ortsbeauftragte des Ortsverbandes Wiesmoor der Johanniter-Unfall-Hilfe, und der Wiesmoorer Ausbildungsleiter Marcel Planteur haben beim Schwesterntag in Nieder-Weisel, einem Stadtteil des hessischen Butzbachs, im Auftrag der Johanniter-Akademie 45 Pflegekräfte geschult. „Wir waren schon ein bisschen nervös“, gesteht Diana Borchelt, die zusammen mit Marcel Planteur auch die Ausbildungsleitung der Johanniter im Regionalverband Weser-Ems mit Sitz in Ayenwolde im Moormerland bildet. „Wir hatten eigentlich mit 15 bis 20 Teilnehmenden gerechnet. Dass sich dann mehr als das Doppelte auf den Weg durch die gesamte Qualifizierungsphase gemacht hat, zeigt wie groß das Interesse an dieser Ausbildung ist.“
Dem vierstündigen Praxisworkshop war eine Online-Lehrphase mit sieben Unterrichtseinheiten vorgeschaltet. Darin ging es unter anderem um Zivile Verteidigung und Vorsorge in außerordentlichen Notlagen. Die Teilnehmenden kamen aus unterschiedlichen Bereichen der Pflege, darunter aus ambulanten Dienten, der stationären Langzeitpflege und der klinischen Akutpflege. „Dass diese ‚Riesengruppe‘ zum inhaltlichen Erfolg geführt werden konnte, liegt an dem Methodenschatz aus dem Kooperativen Lernen, der von Diana und Marcel vielseitig und abwechslungsreich zum Einsatz gebracht wurde“, lobt Ralf Sick, Leiter des Johanniter-Bildungswerk. „Diese hohe Methodenkompetenz wurde von den Teilnehmenden außerordentlich gelobt.“ Die beiden Wiesmoorer Johanniter engagieren sich schon seit längerem in der Ausbildung von Menschen in den Kursen Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten. „Wenn die Infrastruktur zusammenbricht und der Rettungsdienst nicht mehr kommt oder womöglich gar nicht alarmiert werden kann, weil das Handynetz zusammengebrochen ist, müssen sich die Menschen selber helfen und, ihre Nachbarn und Angehörigen versorgen können“, sagt Diana Borchelt. Gerade beim Stromausfall im Januar in Berlin habe sich gezeigt, dass auch professionelle Pflegekräfte in Einrichtungen vor besondere Herausforderungen gestellt sind, wenn der Strom plötzlich weg ist oder Material nicht geliefert wird. „Zu wissen, was dann getan werden kann, rettet Menschenleben“, ergänzt Marcel Planteur. Das sieht auch Ralf Sick so. Das Johanniter-Bildungswerk entwickelt gerade das Folgeangebot „Disaster Nursing 2“. Vielleicht sind auch die beiden Ostfriesen wieder mit dabei. Damit die Pflegekräfte deutschlandweit zukünftig besser auf Notlagen vorbereitet sind.