Zwischen Dachkante und Drehleiter: Wenn jede Sekunde zählt
In Puchheim proben die Freiwillige Feuerwehr und der Ortsverband der Johanniter gemeinsam für den Ernstfall.
Ein Hinterhof, erreichbar nur über ein Dach und Leitern, zwei Verletzte – und jede Menge Teamwork: In einem Puchheimer Gewerbegebiet haben vor kurzem die Johanniter des Ortsverbandes Puchheim-Gröbenzell zusammen mit der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr Puchheim-Bahnhof eine realitätsnahe Rettungsübung durchgeführt.
Rund 40 Einsatzkräfte probten abends knapp zwei Stunden lang den Ernstfall. Beteiligt waren mehr als 30 Helfer der Feuerwehr sowie zwölf ehrenamtliche Kräfte der Johanniter – darunter vier Sanitäter, zwei Darsteller für die realistische Unfalldarstellung und fünf Übungsbeobachter. Zum Einsatz seitens der Johanniter kamen ein Rettungswagen und zwei Sanitäter-Teams.
Das Szenario stellte die Einsatzkräfte vor eine besondere Herausforderung: Eine verletzte Person musste nach einem Sturz von einem Dach aus einem fiktiv nicht zugänglichen Hinterhof gerettet werden. Sie hatte sich eine Wirbelsäulenverletzung sowie eine Beinfraktur zugezogen und wurde mithilfe einer Drehleiter und einer Schleifkorbtrage über das Dach gerettet. Eine zweite Person auf dem Dach galt zunächst als unverletzt, war jedoch mit der Situation überfordert und musste zunächst betreut werden. Beim gesicherten Abstieg kollabierte sie aufgrund einer Unterzuckerung auf der Leiter und wurde anschließend durch die Sanitäter versorgt.
Die Einsatzleitung lag bei Dietmar Stumvoll, dem stellvertretenden Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr. Für die Johanniter stand das gemeinsame Üben mit den Kräften der Feuerwehr im Fokus. „Unsere Helfer konnten die Abläufe bei einer technischen Rettung kennenlernen und lernen, wie sie Patienten in solchen Situationen optimal versorgen können“, erklärt die stellvertretende Ortsbeauftragte Annalena Wallner. „Und unsere Kollegen von der Feuerwehr konnten ihre medizinischen Kenntnisse festigen und die Übergabe an den Rettungsdienst trainieren.“
Bereits im Vorfeld hatten beide Organisationen ihre Zusammenarbeit vertieft: Bei einem gemeinsamen Trainingstag übten die Einsatzkräfte praxis- und realitätsnah grundlegende medizinische Maßnahmen sowie den Umgang mit Ausrüstung.
Dieser Trainingstag und die Rettungsübung markieren aus Sicht der Johanniter den Auftakt für eine engere Zusammenarbeit. Beide wollen künftig regelmäßig gemeinsam trainieren und die jeweiligen Stärken beider Organisationen nutzen – etwa bei weiteren Übungen oder im Rahmen noch größerer Einsatzszenarien.
Fotos: Anastasia Tarasenko.