Achtung, Böller!

Allgäu, 27. Dezember 2019

Foto: Julia Gauggel

In den Notaufnahmen der Krankenhäuser herrscht an Silvester Hochbetrieb. Denn bei der Handhabung von Silvesterrakete, Böller & Co kann viel schiefgehen. Nicht selten sind schwere Verletzungen die Folge. Markus Adler, Bereichsleiter Einsatzdienste, Ausbildung und Bevölkerungsschutz bei den Johannitern im Allgäu zeigt auf, welche gesundheitlichen Gefahren drohen und wie sie vermieden werden können.

Tipp 1: Feuerwerkskörper beim Anzünden niemals in der Hand halten

Böller, die in der Hand gezündet werden, führen häufig zu schwersten Handverletzungen. Dazu gehören abgerissene Finger, durchtrennte Nerven und Blutgefäße und gesplitterte Knochen. Im schlimmsten Fall verlieren Patienten sogar die ganze Hand. Nicht immer kann diese operativ rekonstruiert werden. Zu den häufigsten Verletzungsarten an Silvester zählen auch Verbrennungen. Diese entstehen durch den direkten Kontakt mit Feuerwerkskörpern oder auch durch Funkenflug. „Leichte bis mittelschwere Verbrennungen sollte man immer im Auge behalten“, rät Adler. „Oft stellen sie sich am Tag danach als wesentlich schlimmer dar, als man im ersten Moment dachte. Dann ist es sicherer, einen Arzt aufzusuchen, um eine Infektion zu verhindern.“ Laut Expertenmeinung sind Knallkörper, die aus Osteuropa bezogen werden, übrigens besonders gefährlich, da sie eine wesentlich größere Sprengkraft besitzen als solche, die in Deutschland verkauft werden.

Tipp 2: Gehörschutz gegen Knalltrauma


Wenn Knallkörper in unmittelbarer Nähe des Ohres explodieren, kann durch den Druck des Schalls das Innenohr geschädigt werden – es kommt zu einem Knalltrauma. Dieses macht sich durch vorübergehend schlechtes Hören und ein Fiepen bemerkbar. Auch dauerhafte Schädigungen sind möglich. Adler: „Tragen Sie daher an Silvester Gehörschutz - entweder unauffällig in Form kleiner Ohrstöpsel oder als modisches Statement in Form von Ohrenschützern.“

Tipp 3: Brille gegen Augenverletzungen durch Funkenflug

Eine große Unfallgefahr stellt das häufig zu beobachtende Hinunterbeugen zu Knallkörpern dar, die trotz Anzündens nicht explodiert sind. „Diese Blindgänger sind unberechenbar und sollten durch einen Schwall Wasser komplett unschädlich gemacht und dann im Restmüll entsorgt werden.“ Sicherer ist es zudem, bei der Silvesterknallerei größere Menschenansammlungen zu meiden, denn dort kommt es besonders häufig zu Verletzungen durch Funkenflug. „Dieser stellt eine Gefahr für ihre Kleidung, ihre Haare, ihre Haut und vor allem auch ihre Augen dar“, so Adler. „Durch Funkenflug oder Hitze kann es zu Sehschwächen kommen, die teilweise irreparabel sind. In anderen Ländern erhalten Kunden beim Kauf von Feuerwerkskörpern eine Schutzbrille gratis dazu. Da das bei uns leider noch nicht der Fall ist, sollte sich jeder selbst durch eine Brille schützen.“

Tipp 4: Böller gehören nicht in Kinderhände


Leider erleiden jedes Jahr auch Kinder Verletzungen durch Feuerwerkskörper. Oftmals ist dies auf die Unachtsamkeit der Erwachsenen zurückzuführen. „Kinder sollten unbedingt einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu den Feuerwerkskörpern halten“, rät Markus Adler.

Grundsätzlich gehören Feuerwerkskörper nicht in Kinderhände, daher gilt es auch in den Tagen nach dem Jahreswechsel aufzupassen – manch liegengebliebener und auf der Straße gefundener Blindgänger kann noch explodieren. „Auch bei Heranwachsenden sollten Eltern streng auf den sachgerechten und sicheren Umgang mit den Knallern achten.“