Geschichte des Hauses

Die Subkommende Braunschweig

Bald nachdem die Balley Brandenburg im Jahre 1852 durch König Friedrich Wilhelm IV. wiederhergestellt war, gründeten die im Herzogtum Braunschweig lebenden Johanniter einen nicht rechtsfähigen Verein mit dem Namen „St. Johanniterorden - Landesverein im Herzogtum Braunschweig", der bis 1938 bestanden hat. In Riddagshausen erwarb der Verein 1888 ein Grundstück und errichtete darauf einen Kindergarten. Zur Finanzierung trug der in Braunschweig lebende Herrenmeister den größten Anteil bei. An dem Hause in der Johanniterstraße - 1966 verkauft - ist noch heute das Johanniterkreuz zu sehen.

 

Für die im Marienstift tätigen Johanniterschwestern wurde ein Obhutritter bestellt. Seit der Neufassung der Satzung der Provinzial-Sächsischen Genossenschaft des Johanniterordens im Jahre 1900 gehörten die Braunschweiger Ritter dieser Gebietskörperschaft an. Während des Dritten Reichs war die Ordenstätigkeit stark beeinträchtigt, das Haus in Riddagshausen musste zwangsweise der NSV überlassen werden. 1938 wurde die gleichzeitige Mitgliedschaft im Orden und in einer Parteiorganisation verboten.

 

Nach dem 2. Weltkrieg fanden sich die aus den Ostgebieten in das Braunschweiger Land gekommenen Ordensmitglieder mit den hier Ansässigen zusammen, und Neuaufnahmen in den Orden waren wieder in größerem Umfange zu verzeichnen. Bei der Neugliederung des Ordens wurde der Verwaltungsbezirk Braunschweig der Hannoverschen Genossenschaft des Johanniterordens zugeteilt. Die Provinzial-Sächsische Genossenschaft schlug deshalb 1957 ihren in Braunschweig ansässigen Mitgliedern vor, zur „bodenständigen" Hannoverschen Genossenschaft überzutreten.

 

Aus zunächst unregelmäßigen Zusammenkünften der Ordensmitglieder in Braunschweig zum Gedankenaustausch wurden regelmäßige Treffen. Seitens der Ordensregierung wurde 1971 in der Ordenssatzung festgelegt - die Bildung von Subkommenden vorgeschrieben mit der Bestimmung die Ordensarbeit und die Betreuung der Ordenswerke in einem überschaubaren Wohnbereich zu übernehmen. Auch in Braunschweig konstituierte sich eine Subkommende. Als ihre wichtigsten Initiativen seien genannt ,beginnend mit dem Jahr:

  • 1951 -- Bildung der Johanniter - Hilfsgemeinschaft
  • 1954 -- Förderung der Gründung eines Ortsverbandes der Johanniter - Unfall - Hilfe
  • 1958 -- Organisation der Johanniter - Schwesternhelferinnen - Ausbildung
  • 1973 -- Beschluß zur Einrichtung eines Altenzentrums
  • 1977 -- Einrichtung der Evangelischen Krankenhaushilfe
  • 1978 -- Bildung eines vorläufigen Kuratoriums für das Altenzentrum
  • 1980 -- Entsendung von Mitgliedern in den Stiftungsvorstand des Johanniterhauses Braunschweig - St. Annen-Konvent

 

Der St. Annen-Konvent

Am 19. November 1326 errichtete Ludolf v. Veltheim die Stiftung St. Annen-Konvent zur Führung eines Beginnhauses. Während alle ähnlichen Stiftungen im mittelalterlichen Braunschweig von Bürgerfamilien stammen, ist dies die einzige adlige Gründung. Der Name ist wahrscheinlich gewählt im Hinblick auf die Mutter Marias, die bei Lukas 2. 36- 38 erwähnte „Prophetin", eine fromme 84jährige Witwe, oder die Ehefrau des Stifters.

 

Das erste Haus befand sich innerhalb der Burgfreiheit auf dem „Küchenhof", so benannt nach dem erblichen Küchenmeistersamt der Familie v. Veltheim. Später besaß die Stiftung das Haus Papenstieg 2, das 1979 verkauft wurde. Der St. Annen-Konvent hatte früher den Zweck, „bedürftigen und minderbemittelten Frauen ev.-luth. Bekenntnisses über 50 Jahren, sofern sie gut beleumundet sind, lebenslänglich freie oder preisgünstige Wohnung sowie sonstige Zuwendungen zu gewähren". 1805 wurde die Stiftung von dem Geheimen Justizrat Christian Andreas v. Biel mit Zuwendungen bedacht, seit 1970 von der Domkirche St. Blasius gefördert. Das Stiftungsvermögen war jedoch letztlich so ge­ring, dass eine Weiterführung in Frage gestellt war.

 

Mit Wirkung vom l . Januar 1980 erfolgte eine Neufassung der Satzung. Die Hannoversche Genossenschaft des Johanniterordens stattete die kirchliche Stiftung des privaten Rechts mit neuem Eigenkapital aus. Die Stiftungsgremien werden satzungsgemäß mit Mehrheit von Johannitern besetzt. Der Name wurde ergänzt zu „Johanniterhaus Braunschweig St. Annen-Konvent". Die Beschränkungen hinsichtlich Geschlecht, Konfession usw. sind entfallen, nunmehr ist Stiftungszweck „die Führung eines Heimes für ältere, auch pflegebedürftige Frauen und Männer im Geiste christlicher Nächstenliebe und gemäß den Regeln des "Johanniterordens". Die Stiftung ist die Trägerin des neuen Altenzentrums am Madamenweg.

 

Das "neue" Johanniterhaus

Im Jahre 1973 - 800 Jahre nach Begründung des ersten Johanniterhauses in Braunschweig - fasste die Subkommende den Beschluss, eine neue Alteneinrichtung zu schaffen. Nach langwierigen Planungen und Finanzierungsbemühungen konnte am 1. Dezember 1980 mit dem Bau begonnen werden. Der Stiftung wurde von der St. Martini- und der St. Ulrici-Brüderngemeinde sowie dem Ev.-luth. Stadtkirchenverband ein Erbbaurecht für ein Grundstück von 6777 qm zur Verfügung gestellt. Am 30. April 1981 fand die feierliche Grundsteinlegung statt, am 16. April 1982 war Richtfest. Während die ersten Alten­wohnungen Ende 1982 bezogen werden konnten, wurde im Mai 1983 der Altenpflegebetrieb aufgenommen. Altarkreuz und -leuchter wurden von dem Hildesheimer Goldschmiedmeister Reinhard Rischke entworfen und gefertigt. Die Investitionskosten wurden zum größten Teil aus Zuschüssen des Landes Niedersachsen, der Bundesrepublik Deutschland, der Stadt Braunschweig, der Evang.-luth. Landeskirche und des Diakonischen Werks Braunschweig finanziert.

Ihr Ansprechpartner Einrichtungsleiterin Grit Schulz

Madamenweg 9
38118 Braunschweig