31.05.2026 | Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen

Rheuma & Rauchen: Schmerzhafte Wechselwirkung

31. Mai ist Weltnichtrauchertag

Den Reiz entlarven – Nikotin- und Tabakabhängigkeit bekämpfen

Die großen Tabakkonzerne und Hersteller von E-Zigaretten und anderen nikotinhaltigen Lifestyle-Produkten vermarkten neuartige Nikotinprodukte wie E-Zigaretten oder Nikotinbeutel, um neue Konsumierende zu gewinnen und die Sucht aufrechtzuerhalten. Zugleich verkauft die Tabakindustrie weiterhin todbringende Zigaretten und setzt alles daran, weltweit strengere Maßnahmen zur Tabakprävention zu verhindern, zu verzögern oder abzuschwächen. Diese Strategien bedrohen die hart erkämpften Erfolge der Tabakprävention und damit die  öffentliche Gesundheit. 

Rauchen ist Ursache Nr. 1 bei Lungenkrebserkrankungen. Aber auch auf andere Erkrankungen wirkt Rauchen risikoerhöhend und verstärkend.

Podcast mit Chefärztin Dr. med. Gabriele Zeidler “Rheuma und Rauchen“

Dr. med. Gabriele Zeidler nimmt das Rauchen bei Rheuma in den Fokus. Sie ist Chefärztin der Fachklinik für Internistische Rheumatologie, Osteologie und Spezielle Schmerztherapie am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen und Fachärztin für Innere Medizin, SP Rheumatologie, ZB Spezielle Schmerztherapie, Notfallmedizin und Physikalische Therapie. 

Rauchen kann viele rheumatische Krankheitsbilder verstärken

  • Rauchen hat für die Entstehung einer Rheumatoiden Arthritis - einer chronisch-entzündlichen Systemerkrankung - eine große Bedeutung. Dadurch können sich Proteine im Körper verändern und eine Entzündungskaskade in Gang setzen.
  • Raucher sind häufiger von Rheumatoider Arthritis und Schuppenflechtenarthritis sowie Spondylitis ankylosans betroffen.
  • Rauchende Rheumatiker haben ein bedeutend höheres Risiko für Osteoporose und Koronare Herzerkrankung, die zum Herzinfarkt führen kann. Auch andere Gefäßerkrankungen z. B. an den Hirngefäßen oder Durchblutungsstörungen an den Beinen (Raucherbein) werden ungünstig beeinflusst.

Wie wirkt das Rauchen auf Medikamente?

Wenn man als Raucher diese Erkrankungen hat, lassen sie sich schlechter behandeln als bei Nichtrauchern, weil das Ansprechen auch auf die modernsten Medikamente schlechter als bei Nichtrauchern ist. Rauchen hat einen Einfluss auf bestimmte Signalprozesse im Körper. Nicht nur Nikotin, sondern viele hundert andere, teilweise hochgiftige Stoffe müssen im Körper verstoffwechselt werden. Das beeinflusst und beeinträchtigt die Medikamentenspiegel und damit die Wirksamkeit.

Helfen Ersatzpräparate wie Nikotinpflaster oder –kaugummis?

Eher nicht. Bei starker Abhängigkeit kann der Ausstieg damit eingeleitet werden, aber es bleibt Nikotin mit Wirkung auf den Stoffwechsel. Wünschenswert ist es, mit Nikotin aufzuhören. 

Ist die E-Zigarette eine Lösung?

Nein. Unsere Lungenfachklinik in Treuenbrietzen stellt fest, dass es durch die Gifte der E-Zigaretten zu ganz neuen Lungenerkrankungen kommen kann. Und dann habe ich ein Leiden gegen das andere ausgetauscht - das ist nicht Sinn der Sache. E-Zigaretten sind alles andere als harmlos!

Wie kann man mit der Gewichtszunahme bei einer Rauchentwöhnung umgehen?

Das ist teilweise eine berechtigte Befürchtung. Zigarettengifte behindern den Stoffwechsel und damit auch die Aufnahme von Nährstoffen. Deshalb kann es nach dem Rauchstopp passieren, dass der Körper die angebotenen Nährstoffe ganz anders und intensiver verwertet. Und das kann zu 3-5 kg Gewichtszunahme führen. Mit Disziplin kann man sich davon wieder trennen. Wichtig ist, dass man sich gesündere Alternativen als zum Beispiel Gummibärchen sucht. 

Wie bleibt man rauchfrei, wenn man den Absprung von der Nikotinsucht geschafft hat?

Bei Rückfall bitte nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern es erneut versuchen. Das Umfeld informieren und um Unterstützung bitten. Selbstmotivation, z. B. gespartes Zigarettengel errechnen oder vermiedene Erkrankungsrisiken vergegenwärtigen, Partner für gemeinsame Entwöhnung einbinden usw. 

Belohnung: Gewonnene Lebensqualität

Patienten schildern mehr Fitness, dass Haut und Haare schöner geworden sind, dass das Treppensteigen fällt leichter u.v.m. Sie haben insgesamt weniger Krankheitsrisiken.

Anlaufstellen für Ausstiegswillige 

Zertifizierte und von den meisten Krankenkassen anerkannte Rauchstopp-Programme gibt es an unserer Klinik und anderen Krankenhäusern. Außerdem kann man digitale Möglichkeiten per App nutzen, sie zeigen z. B. die Reduzierung der Risiken für bestimmte Erkrankungen. Oder man trifft sich in Internetforen zum Austausch mit Betroffenen.

Finale Worte

Bitte mit dem Rauchen aufhören! Das Immunsystem ist so sensibel, dass es auch wenige Zigaretten übelnimmt. Die Prozesse der Eiweißveränderung finden unverändert statt, auch bei wenigen Zigaretten.

Ihre Dr. Gabriele Zeidler

Rauchfrei-Kurse in Treuenbrietzen

Fachklinik für Internistische Rheumatologie, Osteologie und Schmerztherapie

https://www.wegweiser-rheuma.de/infothek