Vernetztes Arbeiten

Allein nicht zu schaffen

Allein wären die Aufgaben nie zu leisten. Deshalb sucht die Johanniter-Hilfsgemeinschaft Magdeburg ständig nach Partnern. Zunächst in der Stadt selbst, aber auch darüber hinaus. Das gelingt seit Jahren erfolgreich. Am Ende entstehen daraus Synergien, die die eigene Kraft vervielfachen. Gegenwärtig vor allem in der Flüchtlingshilfe.

Erster Ansprechpartner ist hier die eigene Johanniter-Familie. Der Kreisverband Magdeburg der Johanniter-Unfallhilfe leistet die Arbeit in der Außenstelle der Landesaufnahmeeinrichtung am Ort. Hier leben um die 300 Flüchtlinge, vornehmlich Familien, aber auch Alleinreisende. Sie kommen aus den arabischen Krisengebieten ebenso, wie aus verschiedenen Ländern Nordafrikas. Menschen aus Afghanistan sind unter ihnen, aber auch Asylbewerber aus Russland. Ihre größte Hoffnung besteht darin, hier in Deutschland Asyl gewährt zu bekommen. In den meisten Fällen wird die enttäuscht. Die Entscheidung liegt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF genannt.

Die Zeit in der Landesaufnahmeeinrichtung ist für alle Beteiligten eine Nervenprobe. Oftmals auch für die Sozialarbeiter der LAE. Es braucht viel Liebe und Kraft, die Bewohner zu begleiten. Viele von ihnen sind durch die Erlebnisse der Flucht schwer traumatisiert. Sich ihnen in dieser Situation sehr individuell zuzuwenden, haben sich die Mitglieder und Helfer der Magdeburger Hilfsgemeinschaft zur Aufgabe gemacht. Das geschieht in unterschiedlicher Form. Sprachkurse gehören ebenso dazu wie Bastelgruppen. Fußball und Tischtennis wird mit ihnen gespielt, neuerdings gibt es auch Schwimmkurse. Lange Zeit ist Yoga für Frauen angeboten und überraschend gut angenommen worden. Das ist jetzt ersetzt durch Gymnastik für Frauen. Hierbei wird die JHG durch Freiwillige von der Otto-von-Guericke-Universität unterstützt.

Die eigene Kraft allein würde für dies alles nicht ausreichen. Deshalb sind der JHG Magdeburg weitere Kooperationen wichtig. Die gelingen sehr erfreulich. Zunächst mit der Freiwilligenagentur. Die vermittelt vor allem junge Ehrenamtliche. Die Hochschule Magdeburg-Stendal in unmittelbarer Nachbarschaft stellt ihre Sporthalle kostenfrei zur Verfügung. Ebenso die AWO ihre Räumlichkeiten für Sprachkurse. Eine großartige Besonderheit dort: einer ihrer Mitarbeiter stammt aus Syrien. Der bietet Arabisch-Kurse für Deutsche an. Ebenfalls gerade noch gut erreichbar ist das Begegnungszentrum der Caritas in Magdeburg-Cracau. Hier finden vor allem Kinder unendliche Möglichkeiten, kreativ zu werden. Und Mütter der verschiedenen Nationalitäten haben die Gelegenheit, sich und ihre Familien abwechselnd und abwechslungsreich gegenseitig kulinarisch zu überraschen und zu verwöhnen.

Ganz eng gelingt aber auch die Vernetzung mit der evangelischen Kirchengemeinde im Stadtteil. In deren Gotteshaus finden regelmäßig Benefizkonzerte statt. Der Erlös kommt oftmals in voller Höhe der JHG zugute. Damit können Sachkosten finanziert werden. Zuletzt hat die Gemeinde sogar ein Kirchenasyl eingerichtet, das durch die JHG angeregt worden war. Dazu hat sie die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, alle angefallenen Kosten hat die JHG übernommen. In die persönliche Begleitung dieses Flüchtlings haben sich ebenfalls JHG- und Gemeindemitglieder geteilt.

Vieles andere wäre darüber hinaus zu erwähnen. Beispielsweise die gute und reibungslose Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis und der Landeskirche. Ganz besonders aber auch mit dem Fermersleber SV 1895. Dessen Jugendmannschaft hat Ende vergangenen Jahres zu einem Fußballturnier der Jugendmannschaften in der Umgebung eingeladen. Dabei ist das Startgeld der Teilnehmer nicht in EURO erhoben worden, sondern in Form von Weihnachtsgaben in Schuhkartons. Die sollten für die Johanniter-Hilfsgemeinschaft bestimmt sein. Am 1. Christtag sind die dann den Flüchtlingskindern in der Landesaufnahmeeinrichtung als Weihnachtsgeschenke übergeben worden. Was kann es schöneres geben, als das Strahlen in deren Augen zu erleben. Die Erfahrung, den ganz unterschiedlichen Flüchtlingsschicksalen mit einem solchen Stück Nächstenliebe begegnen zu können, entschädigt für Vieles.