Wenn aus Mut Kreativität wird: Abschlussausstellung zum Projekt „gemeinsam.kreativ.nachhaltig“
30 Frauen, ein Jahr Projektarbeit und eine Ausstellung voller Geschichten
Farbenfrohe Malereien, gewebte Taschen, selbstgegossene Kerzen und ausdrucksstarke Keramikfiguren: Die Abschlussausstellung zum Projekt „gemeinsam.kreativ.nachhaltig“ der Johanniter machte in Stuttgart eindrucksvoll sichtbar, was entstehen kann, wenn Mut, Kreativität, Begegnung und Gemeinschaft zusammenkommen.
Einsamkeit gefährdet die Demokratie
Christine Blankenfeld, stellvertretende Leiterin des Referates Sozialhilfe und Eingliederungshilfe im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg richtete ihre Grußworte an die zahlreichen Besucherinnen. „Einsamkeit schwächt unsere Gesellschaft und unsere Demokratie. Denn wenn das Gefühl entsteht, nicht gehört zu werden und nicht dazuzugehören, dann steigt auch die Gefahr, dass Menschen sich von der Politik und der Gesellschaft abwenden,“ weiß Blankenfeld. Sie würdigte das Projekt als wichtigen Beitrag zur sozialen Teilhabe und Stärkung von Frauen in Stuttgart. „Ein Ergebnis aus diesem Projekt war, dass die Teilnehmerinnen nachhaltig glücklich aus dem Kurs herausgegangen sind,“ freut sich Blankenfeld und bezeichnet das als ein schönes Ergebnis für das Projekt.
Neues Selbstvertrauen und gelebte Gemeinschaft
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand der Rückblick von Projektleiterin Rabia Deniz, die über das vergangene Jahr berichtete. In insgesamt drei Projektdurchläufen nahmen 30 Frauen am Projekt gegen Einsamkeit teil. Ziel des Projekts war es, Frauen aus der Einsamkeit zu holen, sie miteinander zu vernetzen, Räume für Austausch zu schaffen und dabei kreative Prozesse anzustoßen. „Die Entwicklung zu beobachten, war großartig: Aus einem parallelen Arbeiten wurde ein gemeinsames. Aus Stille wurden Gespräche. Viele sind über ihren Schatten gesprungen und haben Mut bewiesen, denn jede hat ihr eigenes Päckchen zu tragen. Dennoch durfte in der Gruppe jede so sein wie sie ist und wurde so angenommen“, berichtet Rabia Deniz. Die Ausstellung spiegelte diese Entwicklung eindrucksvoll wider: Die Vielfalt der handwerklichen Arbeiten reichte von Malereien über Keramikfiguren bis hin zu gewebten Taschen, filigrane Handarbeiten und selbstgemachten Kerzen. Jedes Ausstellungsstück erzählte dabei seine eigene Geschichte von persönlichem Wachstum, neuem Selbstvertrauen und gelebter Gemeinschaft. „Es sind auch neue Freundschaften entstanden und auch Geschenke, die ihren Weg zu Familienmitgliedern, der Nachbarin oder Friseurin gefunden haben“, so Deniz.
Beim anschließenden Get-Together kam es zu einem regen Austausch zwischen ehemaligen Teilnehmerinnen, Gästen und Projektbeteiligten. Es wurde gelacht, erinnert und vernetzt – ganz im Sinne des Projekts, das Begegnung und Miteinander in den Mittelpunkt stellt. Die Ausstellung machte deutlich: gemeinsam.kreativ.nachhaltig ist mehr als ein kreatives Angebot. Es ist ein Projekt, das nachhaltige Verbindungen schafft – zwischen Menschen, Ideen und Perspektiven.
Wie kam das Projekt zustande?
2024 veröffentlichte das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg im Rahmen der Armutsberichterstattung einen Gesellschaftsreport zur sozialen Isolation und Einsamkeit armutsgefährdeter Menschen in Baden-Württemberg. Ergebnisse darin waren, dass zwischen Armut, Gesundheit sowie Einsamkeit oder sozialer Isolation ein enger Zusammenhang besteht. Abgeleitete Vorschläge daraus waren, Orte der Begegnung zu schaffen, den Zugang dazu zu erleichtern, dies kostenlos anzubieten und Beziehungen und Selbsthilfe zu fördern. Daraufhin folgte der Förderaufruf des Landes. Das Projekt „gemeinsam.kreativ.nachhaltig“ ist eines von 24 geförderten Projekte daraus.
Worum ging es im Projekt?
In wöchentlichen Werkstattzeiten trafen sich Frauen zum gemeinsamen kreativen Arbeiten. Ob mit Perlen, Draht, Farben, Wolle oder Wachs – die Teilnehmerinnen konnten sich mit verschiedensten Materialien ausprobieren oder sich an Nähprojekten und Papierbasteleien beteiligen. Dabei stand neben dem kreativen Tun vor allem der persönliche Austausch im Vordergrund. Das Projekt war für die Teilnehmerinnen kostenlos. Dieses Projekt richtete sich an Frauen, die sich in belastenden sozialen Situationen befinden und oft mit Isolation und Einsamkeit zu kämpfen haben. Besonders betroffen sind alleinerziehende Mütter, Frauen mit Zuwanderungsgeschichte und Frauen mit geringen Deutschkenntnissen. Für viele von ihnen ist der Zugang zu sozialen Angeboten oder Austauschmöglichkeiten erschwert – genau hier setzte das Projekt an. Um den Zugang so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten, wurde eine einfache, klare Sprache verwendet. Zudem kamen visuelle Hilfsmittel wie Bilder und Symbole zum Einsatz, um die Inhalte verständlich zu machen. Für Mütter gab es während der Workshopzeiten eine kostenfreie Kinderbetreuung.