13.07.2026 | Regionalverband Aachen-Düren-Heinsberg

5 Jahre nach der Flutkatastrophe

Anlässlich des Gedenktages 14./15. Juli blicken die Johanniter in NRW zurück auf die Phasen der Hilfe in den vergangenen fünf Jahren. Von Anfang an sind Johanniter nah bei den Menschen gewesen, um kurz-, mittel- und langfristig zu helfen.

Jetzt richtet sich der Blick auf die Zukunft des Katastrophenschutzes, um besser gerüstet zu sein. Nur dank des Einsatzes der Helferinnen und Helfer und der Großherzigkeit der Spenderinnen und Spender konnte und kann nachhaltig geholfen werden.

Die Phasen der Hilfe

Reißende Wassermassen, Jahrhundert-Überschwemmungen, eingestürzte Häuser und Brücken, Vermisste und Tote: Unwetter haben Mitte Juli 2021 in NRW und Rheinland-Pfalz heftigste Zerstörungen und viel Leid hinterlassen. Viele Menschen haben alles verloren. 

Die ehrenamtlichen Katastrophenschützerinnen und -schützer der Johanniter waren in der Region Aachen-Düren-Heinsberg wie in den anderen betroffenen Gebieten bereits in der akuten ersten Phase während des Extremwettereignisses vor Ort. Mehr als 600 Johanniter allein aus NRW retteten Menschenleben, leisteten Erste Hilfe für Verletzte, evakuierten Menschen aus gefährdeten Gebäuden, suchten mit ihren Rettungshunden Vermisste, boten psychologische Hilfe an, organisierten Notunterkünfte für obdachlos gewordene Menschen, verpflegten Betroffene und Einsatzkräfte, transportierten Lebensmittel, Trinkwasser und Material, organisierten Hilfe in der Stabsarbeit und sorgten für Strom und Wasser. 

Ein Parkplatz der Johanniter mit mehreren creme-farbenen Einsatzfahrzeugen mit Johanniter-Logos. Ein Krankenwagen und weitere Fahrzeuge stehen auf nasser Asphaltfläche. Im Hintergrund sind Gebäude, Bäume und der bewölkte Himmel zu sehen.
Das erste Ausrücken der Johanniter-Einsatzeinheit Aachen zur Hilfeleistung im Unwetter

Fast unmittelbar nach der Katastrophe kümmerten sich die Johanniter in Phase 2 um finanzielle Soforthilfen. Unzählige Menschen standen durch die enorme Zerstörungskraft der unfassbaren Wassermassen plötzlich vor dem Nichts – verloren in Sekunden zum Teil ihr gesamtes Hab und Gut. Sie schnellstmöglich und konkret mit einer Überbrückungshilfe zu unterstützen, hatte höchste Priorität: Um wenigstens die notwendigsten Anschaffungen tätigen und die drängendsten Aufräum- und Reparaturarbeiten starten zu können. 

Eine von Hochwassern zerstörte Straße mit beschädigten Gebäuden und großen Mengen Trümmern und Schutt. Ein Johanniter-Rettungswagen steht in der Straße. Im Hintergrund sind historische Gebäude und Bäume unter blauem Himmel sichtbar.
Stolberg unmittelbar nach dem Hochwasser

Parallel zu den finanziellen Soforthilfen begannen die Johanniter damit, eine Struktur für die langfristige Unterstützung aufzubauen. Hauptamtliche Projektteams in drei besonders betroffenen Regionalverbänden – einer davon der Johanniter-Regionalverband Aachen-Düren-Heinsberg – sind zentraler Bestandteil der Johanniter-Hochwasserhilfe, deren Arbeit durch ein Projektbüro auf Landesverbandsebene koordiniert und unterstützt wird. Ein besonderes Augenmerk legen die Projektteams der Johanniter auf die lokal vernetzte Arbeit. Das persönliche Gespräch mit den betroffenen Menschen vor Ort und die Partnerschaft mit Kommunen erweist sich dabei regelmäßig als sehr wertvoll, wodurch die Johanniter-Hochwasserhilfe entlang des tatsächlichen Bedarfs geplant und organisiert wird. Finanziert werden die Tätigkeiten aus Spendengeldern, vornehmlich aus Mitteln der Bündnisse Aktion Deutschland Hilft und NRW hilft sowie aus direkten Spenden an die Johanniter-Unfall-Hilfe.

In der Phase 3 des Wiederaufbaus begleiteten Johanniter betroffene Menschen weiter und halfen den Menschen mit intensiver Beratung, finanzieller Unterstützung und weiteren Hilfsprojekten. Für die Vergabe von Spenden an Privatpersonen und Einrichtungen hat die Johanniter-Unfall-Hilfe eine interne Förderrichtlinie erstellt, die sich an den bestehenden Gesetzen/Verordnungen, insbesondere an der Abgabenordnung, der Aufbauhilfeverordnung 2021 des Bundes sowie den Förderrichtlinien der Länder Rheinland-Pfalz und NRW, orientiert. 

Parallel war und ist es im Rahmen der vierten Phase, der psychischen Bewältigung, eine wichtige Aufgabe, den traumatisierten Menschen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, Halt und Unterstützung zu geben. Für sie ist nichts mehr, wie es war: Ein zerstörtes Zuhause, verzweifelte Eltern, erlebte Todesängste wirken lange nach. Enorm wichtig sind viele neue positive Erlebnisse, die die Kinder und Jugendlichen auch mal an etwas anderes denken lassen. 

Konkrete Hilfe in der Region Aachen-Düren-Heinsberg

Das Projektteam der Johanniter in der Aachener Region ist in Stolberg angesiedelt und legt besonderen Wert auf die Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit. Zunehmend werden die Angebote mit denen für Erwachsene verzahnt. Ab Mitte Juli werden die Angebote für alle Generationen in einer neuen Liegenschaft in der zentral gelegenen Rathausstraße 46–48 in Stolberg zusammengefasst. Hier ist alles darauf ausgerichtet, innerhalb des Konzepts der Offenen Tür verschiedenen Altersgruppen und Bedürfnissen zu begegnen. Gemeinsame Freizeit, gemeinsames Kochen und Essen sowie schulische Förderung finden hier ihren Platz. Regelmäßig finden auch Treffen von betroffenen Menschen der Eschweiler Dienststelle der Johanniter statt. In der Regel nutzen wöchentlich 50 bis 60 Kinder und Jugendliche sowie 30 Seniorinnen und Senioren die Angebote der Hochwasserhilfe.

Ein wichtiges Hilfsprojekt der Johanniter widmet sich der Realschule Patternhof in Eschweiler. Bausubstanz, technische Ausstattung, Inventar und weite Teile des Schulgebäudes sind durch die Flut vernichtet worden. Anstelle eines regulären Betriebs im eigenen Gebäude folgte der Ausnahmezustand zunächst an einem Ausweichstandort in Würselen, dann ab Spätsommer 2023 in einem eigens errichteten „Containerdorf" auf dem Eschweiler Drieschplatz, während das Stammgebäude saniert und modernisiert wurde.

Die Johanniter-Hochwasserhilfe Aachen-Düren-Heinsberg hat im August 2023 mit der Unterstützung der Realschule begonnen. Da bei Regen alle rund 800 Schülerinnen und Schüler die Pausen drinnen verbringen mussten, ermöglichte die Johanniter-Hochwasserhilfe die Anschaffung von Pausenboxen mit verschiedenen Spielmaterialien und Freizeitgegenständen für alle 30 Klassen. Dazu kamen Bälle, Netze und ein Tischkicker. Die Kosten allein für die Pausenboxen beliefen sich auf rund 3.500 Euro. In den folgenden Jahren unterstützte die Hochwasserhilfe eine Projektwoche der Schule mit finanziellen Mitteln, beteiligte sich am Schulfest mit Spielmöglichkeiten für Kinder und stattete die Schulmannschaft mit neuen Trikots aus. 

Im Januar 2026 konnte die Schule nach viereinhalb Jahren in ihr saniertes Stammgebäude zurückkehren. Zu diesem Neustart hat die Johanniter-Hochwasserhilfe 30 Erste-Hilfe-Taschen (Skilltaschen) für jede Klasse bereitgestellt. Die Taschen sind mit Hilfsmitteln befüllt, die den Kindern in Stress- und Angstsituationen eine Unterstützung bieten, z. B. Stressbälle und Igelbälle. 

Insgesamt unterstützte die Johanniter-Hochwasserhilfe die Realschule Patternhof mit einer Spendensumme von 16.740,36 Euro sowie vielen Stunden ehrenamtlichen Engagements.

In einem weiteren Projekt unterstützte die Johanniter-Hochwasserhilfe die Neugestaltung des von der Flut zerstörten Außengeländes einer Kita des Christlichen Kindergartenvereins Übach-Palenberg e.V. mit finanziellen Mitteln.

Prävention und Katastrophenschutz

Die Johanniter NRW sind eine tragende Säule des NRW-Katastrophenschutzes. Sie investieren seit über zehn Jahren systematisch und innovativ in die Resilienz ihrer Fahrzeuge, damit diese auch bei Extremwetterereignissen einsatzfähig bleiben. 

Mit Mitteln von „Aktion Deutschland Hilft“ schaffen die Johanniter NRW zehn Hochwasser-Module/-Anhänger an (1,15 Mio. €), die in NRW strategisch verteilt stationiert werden. Die Anhänger enthalten als Depot alle Materialien, die im Notfall hilfreich sind: von Funkgeräten über Stromerzeuger bis hin zu Werkzeugen und Wasserpumpen. Der erste Anhänger ist an den Johanniter-Regionalverband Aachen-Düren-Heinsberg bereits ausgeliefert worden. Die Anhänger helfen bei der lokalen Bewältigung von Überschwemmungen. 

Die Hilfe der Johanniter in NRW in Zahlen

Die JUH NRW hat bis heute von „Aktion Deutschland Hilft“, dem Bündnis der Hilfsorganisationen, rund 20 Mio. Euro erhalten; davon bis Ende 2025 rund 14 Mio. Euro.

Von diesen rund 14 Mio. Euro wurden 7 Mio. € für Einzelfallhilfen an Betroffene und den Wiederaufbau sozialer, kultureller, sportlicher und sonstiger gemeinnütziger Einrichtungen ausgegeben. Die andere Hälfte i. H. v. 6,9 Mio. € wurde für Entlastungsangebote insbesondere für Kinder, Jugendliche und Familien, für Sozialarbeit in den betroffenen Regionen, für Beratungsangebote für die Betroffenen durch Fachkräfte (Schulungen und Beratung durch Sachverständige, Rechtsanwältinnen, Therapeuten etc.) sowie den Betrieb der drei NRW-Projektbüros als Ansprechstelle für persönliche Gespräche, zur Beratung, Begleitung und Beantragung der Hilfen vor

Kontakt zur Johanniter-Hochwasserhilfe Stolberg

 +49 2402 99656-100
E-Mail hochwasserhilfe.aachen(at)johanniter.de
Rathaustraße 46–48, 52222 Stolberg