31.03.2026

Bevölkerungsschutz: Johanniter trainieren den Ernstfall

Drei Tage lang lernen ehrenamtliche Johanniter aus Wunstorf, Ronnenberg und Langenhagen gemeinsam die Grundlagen im Bevölkerungsschutz. Alles mündet in einer Abschlussübung mit insgesamt rund 70 Beteiligten.

Die Kolonne parkt auf dem sonntäglich leeren Parkplatz eines Supermarkts. Lastwagen sind dabei, Führungsfahrzeuge und Mannschaftstransportwagen (MTW). Darin: Fast 40 Frauen und Männer der Johanniter-Ortsverbände aus Wunstorf, Ronnenberg und Langenhagen. Es ist ein Sanitäts- und Betreuungszug, der den Auftrag bekommen wird, Menschenleben zu erhalten. Es geht um Betroffene eines Hauseinsturzes. Vorauskräfte sondieren die Lage und leiten erste Maßnahmen ein. Das Szenario ist eine Übung auf dem THW-Trainingsgelände in Bad Nenndorf. Der Einsatzzug der Johanniter hat in seinen Reihen viele Ehrenamtliche, die mit dieser Übung ihre Helfendengrundausbildung abschließen.

Drei Tage lang haben 16 Ehrenamtliche aus allen drei Ortsverbänden in der Johanniter-Dienststelle in Wunstorf das Einmaleins des Bevölkerungsschutzes gelernt. Im Notfall stellen Hilfsorganisationen wie die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) Kontingente, darunter Rettungshundestaffeln, Psychologische Notfallversorgung (PSNV), Transportstaffeln oder auch Verpflegungsgruppen. Einen Schwerpunkt bilden die Einsatzzüge Sanität und Betreuung. Eine ihrer Einsatzoptionen ist die medizinische Versorgung von Verletzten und akut Erkrankten an einem Behandlungsplatz. In Bad Nenndorf bedeutet das den Aufbau von drei Zelten und ihre Vorbereitung für die Versorgung von Verletzten.

Der Nordhannoversche Ortsverband in Langenhagen und der Ortsverband Wunstorf-Steinhuder Meer stellen jeweils einen solchen Einsatzzug. Und sie arbeiten eng mit dem Ronnenberger Ortsverband Deister zusammen, der mit seinen ausgebildeten Ehrenamtlichen die Mannschaften aus Sanitätshelfenden, Rettungssanitäterinnen und Notfallsanitäter verstärkt. Und stets geht es für diese Verbände auch darum, ihre Aktiven vorzubereiten auf ihre Aufgaben. Einstätze eher alltäglicher Art gibt es genug für die Helfenden. „Bei Sanitätsdiensten auf Veranstaltungen lernen wir ja auch immer dazu“, sagt der Ronnenberger Johanniter Michael Matthey. „Aber diese Grundausbildung für den Bevölkerungsschutz ist ein tolles Format für uns.“ Der Lehrgang soll auch vorbereiten auf Missionen, wie sie etwa nach Bombenfunden anfallen – darunter Evakuierungseinsätze – oder im Zuge von Hochwassereignissen wie jenes um Weihnachten 2023 herum in der Region Hannover.


Aus der Einführung zum Onlinemodul der Helfergrundausbildung zur Definition “Bevölkerungsschutz”: Mittlerweile findet sich in der Literatur sowie in den Konzepten des Bundes der Begriff Bevölkerungsschutz. Dieser beschreibt als Oberbegriff alle Aufgaben und Maßnahmen der Kommunen und der Länder im Katastrophenschutz sowie des Bundes im Zivilschutz. Der Bevölkerungsschutz umfasst somit alle nicht-polizeilichen und nicht-militärischen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und ihrer Lebensgrundlagen vor Katastrophen und anderen schweren Notlagen sowie vor den Auswirkungen von Kriegen und bewaffneten Konflikten. Der Bevölkerungsschutz umfasst auch Maßnahmen zur Vermeidung, Begrenzung und Bewältigung der genannten Ereignisse.  Wie können Sie als Bürgerin und Bürger für Krisen und Katastrophen vorsorgen? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat hier Ratgeber vorbereitet.


Die Lehrgangsteilnehmenden lernen auch all die hunderte Objekte kennen, die auf einem Gerätewagen Sanität und einem Gerätewagen Betreuung verlastet sind: aufblasbare Zelte, medizinisches Gerät, Verbrauchsmaterial, Zeltheizungen, Leuchtmittel, Decken und vieles mehr. Das Ausbildendenteam um Leiter Jonas Tumbrinck stammt aus allen drei Ortsverbänden. Ausbildende und Teilnehmende sind freiwillig in ihrer Freizeit dabei; der jüngste ist 17 Jahre alt, der Älteste weit in den Fünfzigern. Sie legen Leitungen, nehmen Generatoren in Betrieb, bauen Zelte auf und lernen die Basics der Ladungssicherung. All das tun sie zwei Wochenenden lang, bis zum letzten Sonntag im März: Vormittags richten sie noch zu Trainingszwecken eine Betreuungsstelle mit Feldbetten in der Wunstorfer Stadtschule ein. Mittags geht es dann nach Bad Nenndorf. Der Lehrgang mit Teilnehmenden und Ausbildenden wird durch weitere Ehrenamtliche verstärkt. Der Einsatzzug Sanität und Betreuung ist bereit mit seinen zwei Sanitätsgruppen, einer Betreuungsgruppe und seiner Führungseinheit; dem Zugtrupp. 

Der Ausbildungskalender der JUH spielt perfekt mit: Am selben Tag findet ein Lehrgang „Leitungskraft in der Realistischen Unfalldarstellung (RUD)“ der Johanniter Akademie Hannover seinen Abschluss. Deren Teilnehmenden kommen aus verschiedenen Organisationen und lernen, wie Einsatzübungen möglichst realistisch aufgebaut und durchgeführt werden können; einschließlich von perfekt geschminkten „Verletzten“. Jonas Tumbrinck führt seinen Einsatzzug mitten hinein ins Trainingsszenario des RUD-Lehrgangs. Mehrere Stunden lang werden die rund 40 Helfenden aus der Region Hannover auf dem THW-Übungsgelände mit seinen künstlichen Schutthaufen und Hausruinen einem realistisch anmutendem Szenario ausgesetzt. Verstärkt werden sie durch acht Einsatzkräfte aus dem nahe gelegenen Johanniter-Regionalverband Lippe-Höxter in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam bauen sie Behandlungsplätze auf und kümmern sich um die „Verletzten“. Ihre Aufgabe: Lebenserhaltung, Erstversorgung – und Bereitmachen für den Transport in Kliniken. Tumbrinck ist zufrieden mit dem Ergebnis. „Uns hat das viel Spaß gemacht; alle Verbände haben toll zusammengearbeitet – und dieses gemeinschaftliche Lernen und Üben wollen wir weiter fortsetzen“, sagt er.