Farben der Erinnerung: Jugendliche gestalten Grafitti-Kunstwerk als Ausdruck ihrer Trauer
Wie drückt man aus, was sich in Worten kaum fassen lässt? Jugendliche, die einen geliebten Menschen verloren haben, haben eine Antwort gefunden: mit Farbe, Motiv und Mut.
Lacrima-Jugend-Trauergruppen schaffen ein gemeinsames Wandbild in Rödermark
Wie drückt man aus, was sich in Worten kaum fassen lässt? Jugendliche, die einen geliebten Menschen verloren haben, haben eine Antwort gefunden: mit Farbe, Motiv und Mut. Unter dem Projekttitel „Farben der Erinnerung – Graffiti als Ausdruck der Trauer“ haben zwei Jugendtrauergruppen von Lacrima an zwei Samstagen im März 2026 eine Wandfläche am Badehaus Rödermark gestaltet, die von der Stadt eigens für dieses Vorhaben bereitgestellt wurde.
Die fertigen Graffiti-Arbeiten wurden am 22. März der Öffentlichkeit präsentiert. Die Enthüllung mit Bürgermeister Jörg Rotter fand vor dem Kunstwerk statt.
Zwei Gruppen, eine Wand – Trauer in Wellen und Bildern
Am ersten Projektwochenende war die Trauergruppe „OF-fenheit“ am Werk. Das zweite Wochenende gehörte der Gruppe „Deep Soul Diver“ (DSD). Jede Gruppe brachte elf Teenagerinnen und Teenager mit – zusammen 22 junge Menschen zwischen 12 und 18 Jahren, die alle am Trauerbegleitungsprojekt von Lacrima teilnehmen.
Die entstandenen Motive tragen Handschrift und Herzschmerz zugleich: unterschiedliche Trauersymbole der Jugendlichen verbinden sich mit dem jeweiligen Gruppennamen zu einem vielschichtigen Bild. Ein Satz eines Jugendlichen „Ich wäre nochmal gerne mit ihr nach Hawaii gefahren…“ wird mit dem Symbol der Hawaiblüte dargestellt, dazu eine Welle, die symbolisiert, dass Trauer in Wellen verläuft. Jedes Motiv ist einzigartig und zugleich Teil eines größeren Ganzen.
Lacrima: Trauer hat hier Raum
Lacrima – Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche ist ein Angebot der Johanniter-Unfall-Hilfe. Das Projekt bietet jungen Menschen, die den Verlust eines nahestehenden Menschen erlebt haben, einen geschützten Raum zum Trauern, Austauschen und Wiederaufleben.
Unverarbeitete Trauer kann sich bei Jugendlichen auf vielerlei Weise zeigen: als Rückzug, als Wut, als Antriebslosigkeit oder in körperlichen Beschwerden. Wissenschaftliche Studien belegen, dass gezielte Trauerbegleitung nicht nur emotionale Stabilität stärkt, sondern auch langfristig präventiv zur psychischen und körperlichen Gesundheit beiträgt. Das Graffiti-Projekt ergänzt diese Arbeit um eine kreative Dimension: Wer Farben mischt und Bilder schafft, findet oft einen Zugang zu Gefühlen, der sich Worten entzieht.
Vom ersten Entwurf bis zur fertigen Wand
Begleitet wurden die Jugendlichen von dem erfahrenen Graffiti-Künstler Francesco von BAK- Art und Design aus Eppertshausen. sowie Trauerbegleiter/-innen von Lacrima. Gemeinsam entwickelten sie die Motive, lernten künstlerische Techniken und setzten ihre Ideen schließlich an der Wand um. Die Stadt Rödermark ermöglichte das Projekt durch die Bereitstellung der Wandfläche.
Die Ziele des Projekts im Überblick:
- Jugendlichen eine kreative, alternative Form der Trauerbewältigung ermöglichen
- Gefühle durch Farben, Symbole und Bilder ausdrücken und verarbeiten
- Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis stärken
- Einen nachhaltigen Erinnerungsort schaffen, an dem Trauer und Hoffnung gleichermaßen sichtbar werden
- Selbstvertrauen und kreative Fähigkeiten fördern
- Präventiv zur psychischen Gesundheit der Jugendlichen beitragen
Das fertige Wandbild ist mehr als ein Kunstwerk. Es ist ein sichtbarer Erinnerungsort – für die Jugendlichen selbst, für ihre Familien und für alle, die daran vorbeigehen.
Das Projekt wurde mit 3.000 Euro aus dem „Stiftungsfonds Diadieu“ der Diakonie unterstützt, so, dass die Teilnahme für alle Jugendlichen kostenfrei war.
Mehr Informationen zum Kinder- und Jugendtrauerprojekt Lacrima im Regionalverband Offenbach gibt es auf der Internetseite und bei Christina Dölle.