22.08.2025 | Regionalverband Ostbayern

Erste Hilfe: Die häufigsten Fehler – und wie man sie vermeidet

Ein Experte der Johanniter erklärt, worauf es im Notfall wirklich ankommt

Üben einer Herzdruckmassage an einer Puppe

Ostbayern ■ Ein Verkehrsunfall, ein plötzlicher Sturz, ein Herzstillstand – Notfälle passieren oft völlig unerwartet. In solchen Situationen kommt es auf schnelle Reaktionen an. Doch obwohl viele Menschen schon einmal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben, schleichen sich im Ernstfall immer wieder Fehler ein. Die Johanniter wissen aus Erfahrung, wo die größten Unsicherheiten liegen – und wie man sie vermeiden kann.

„Erste Hilfe ist kein Hexenwerk, aber sie will geübt sein“, betont Gregor Lindner, Sachgebietsleiter im Bereich Ausbildung bei den Johannitern in Ostbayern. „Schon kleine Unsicherheiten können im Ernstfall große Auswirkungen haben.“

Häufig zögern Helfer aus Angst, etwas falsch zu machen, und unternehmen gar nichts. Dabei ist Untätigkeit der größte Fehler, denn jede Hilfe zählt. Wichtig ist es, sofort den Notruf 112 zu wählen und die Anweisungen der Leitstelle genau zu befolgen.

Auch bei der stabilen Seitenlage kommt es immer wieder zu Problemen. Ist der Kopf nicht richtig positioniert, können die Atemwege blockiert werden. „Wer den Ablauf regelmäßig übt, gewinnt Sicherheit und handelt im Ernstfall routiniert“, erklärt Lindner.

Ein weiterer häufiger Irrtum betrifft die Erkennung eines Herzstillstands. Wenn jemand auf Ansprache nicht reagiert und man keine Atmung feststellen kann, muss sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden. „Lieber sofort drücken als zögern“, rät der Profi. „30-mal drücken,  zweimal beatmen lautet das Schema. Und wer sich unsicher fühlt, kann auch auf die Beatmung verzichten – reines Drücken ist besser als gar nichts.“

Oft werden auch starke Blutungen unterschätzt. Denn ein Druckverband kann Leben retten. „Und ganz wichtig: Die Unfallstelle sichern“, so Lindner. „Eine Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen – erst dann ist es sicher, Hilfe zu leisten.“

Regelmäßige Auffrischung rettet Leben

Viele Menschen haben ihren Erste-Hilfe-Kurs zuletzt bei der Führerscheinprüfung besucht – oft vor vielen Jahren. „Wissen veraltet und Abläufe geraten in Vergessenheit“, warnt Lindner. Die Johanniter empfehlen, das Wissen alle paar Jahre aufzufrischen, um im Notfall handlungsfähig zu bleiben. Unter www.johanniter.de/erste-hilfe-ostbayern finden Interessierte alle Informationen zu den Kursen. Seit kurzem gibt bei den Johannitern auch Erste-Hilfe-Kurse in englischer Sprache.

So bleiben Sie im Ernstfall handlungsfähig:

  • Ruhe bewahren und systematisch vorgehen
  • Den Notruf 112 wählen – die Leitstelle gibt klare Anweisungen
  • Eigenen Schutz nicht vergessen
  • Erste-Hilfe-Material griffbereit halten – zu Hause, im Auto, am Arbeitsplatz
  • Erste-Hilfe-Kurse regelmäßig auffrischen

„Jeder kann Leben retten“, sagt Lindner. „Man muss nur wissen, wie – und den Mut haben, zu handeln.“ 

Die Johanniter in Ostbayern
Der Regionalverband Ostbayern ist Teil der Johanniter-Unfall-Hilfe. Mit über 1900 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an mehreren Standorten und Einrichtungen bieten die Johanniter zahlreiche soziale Dienstleistungen für die Menschen in der Region. Mit Kinder- und Jugendbetreuung, Hausnotruf, ambulanter Pflege, Menüservice, Ausbildung in Erster Hilfe, Patienten-Fahrdienst, Rettungsdienst, Tagespflege und vielen weiteren Angeboten sind die Johanniter in Ostbayern für die Menschen da. Dazu betreiben die Johanniter das Inklusionshotel INCLUDiO in Regensburg und sind mit dem Johannes-Hospiz in Pentling und dem Bruder-Gerhard-Hospiz in Schwandorf auch in der Hospizarbeit tätig. Insgesamt 600 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer engagieren sich in den sechs Johanniter-Ortsverbänden in Großköllnbach, Kelheim, Landshut, Regensburg, Schwandorf und Schwarzenfeld im Rettungsdienst, im Sanitätsdienst, in der Krisenintervention, in den Rettungshundestaffeln, bei den Hunden im Therapieeinsatz, in der Johanniter-Jugend und vielen weiteren Einsatzgebieten für die Menschen.