Was bewegt die Menschen an der Basis?
SPD-Politiker der Landtagsfraktion besuchen die Johanniter in Einbeck und fragen nach.
Im Rahmen ihrer Blaulichtwoche waren am 1. Juli fünf SPD-Landtagsabgeordnete zu Gast bei den Johannitern in Einbeck. René Kopka, Uli Watermann, Alexander Saade, Rüdiger Kauroff und Julius Schneider ließen sich umfassend über unsere Aufgaben informieren. „Wir möchten mit den Menschen an der Basis ins Gespräch kommen und hören welche Probleme es gibt“, erklärte Uli Watermann ihre Motivation. Dienstellenleiter Marc Küchemann klärte die Politiker über die Geschichte und Struktur der Johanniter-Unfall-Hilfe auf und ging im Speziellen auf die Entstehung des Ortsverbandes und seine umfassenden Aufgaben ein.
Im Bereich Katstrophenschutz berichtete er, dass die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen im Landkreis sich nach dem gemeinsamen Einsatz des Weihnachtshochwassers 2023 massiv verbessert hat. Dies lobte Uli Watermann: „Diese Kooperation über Vereinsgrenzen hinaus ist so wichtig. Ziel ist es, zusammen Lösungen für Menschen zu finden. Führen Sie dies bitte weiter.“
Marc Küchemann berichtete auch über den Einsatz der Johanniter aus Südniedersachsen bei der Flutkatastrophe im Ahrtal und die Erfahrungen, die dadurch gemacht wurden. Ein Resultat daraus ist: „Es muss mehr in die Ausbildung von ehrenamtlichen Führungskräften investiert werden, damit alle im Ernstfall gut aufgestellt sind.“
Auch über die Gewalttat in Stade wurde gesprochen. Uli Watermann zeigte sich tief erschüttert und betonte wie wichtig es ist Mitarbeitende auf solche Vorfälle vorzubereiten. Dem stimmte Regionalvorstand Marius Dossow zu: „Die Geschehnisse haben uns gezeigt, wie schnell auch vermeintlich harmlose Situationen eskalieren können. Auch wenn wir bereits regelmäßige Deeskalationstrainings für unsere Mitarbeitenden anbieten, nehmen wir den Vorfall zum Anlass zu prüfen, welche weitere deeskalierenden Maßnahmen wir ihnen an die Hand geben zu können!“
Stephan Siebold, Ausbildungsleiter am Campus Südniedersachsen, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dieses Jahr am Campus in Einbeck zwei Kurse „Prävention von Gewalt gegen Amt und Mandat“, gefördert durch den Landespräventionsrat Niedersachsen, stattfinden werden.
Weitere Themen waren der Rettungsdienst und der ärztliche Bereitschaftsdienst der KVN, für den die Johanniter seit einem Jahr zuständig sind. Gernot Maxisch, Ortsbeauftragter und ärztlicher Leiter des Bereitschaftsdienstes für Südniedersachsen erklärte den Gästen die Struktur und den Ablauf bei einem Anruf bei der „116117“. Er wies darauf hin, dass viele Anrufe schon durch die Ebene der Telemedizin abgearbeitet werden. „Es wird auch entschieden ob ein Arzt zum Patienten fahren muss oder besonders von den Johannitern geschulte Gesundheitsfachkräfte den Einsatz übernehmen. Es ist nicht immer ein Arzt notwendig - Gesundheitsfachkräfte sind genau wie Notfallsanitäter hoch qualifiziert und kompetent. Hier muss ein Umdenken in der Öffentlichkeit passieren“, appellierte er an Landtagsabgeordneten.
Einig waren sich alle dabei, dass das System noch viel mehr der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden muss. Die Politiker versprachen, dieses Thema mit nach Hannover zu nehmen.
Nach dem intensiven Austausch führte Marc Küchemann die Gäste durch die Räumlichkeiten und zeigte ihnen die unterschiedlichen Fahrzeuge des Bevölkerungsschutzes wie den Gelände-Krankentransportwagen, die Betreuungscontainer und die mobile Küche. Dabei machte er darauf aufmerksam, dass die Fahrzeuge zwar durch das Land angeschafft und auch Reparaturkosten übernommen werden, aber die kostenintensive Unterbringung der Fahrzeuge von den Hilfsorganisationen finanziert werden muss.
René Kopka, der den Besuch der Politiker bei den Johannitern angeregt hatte, dankte den Gastgebern für den informativen Austausch: „Ihr leistet mit eurer Arbeit und eurem Engagement einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und das mit Herzblut!“