Vorsorgen statt verdrängen
Prävention ist keine Panikmache
Ein Stromausfall mitten in Berlin. Kein Licht, kein Handyempfang, keine Heizung. Für viele Menschen bundesweit war das nur ein kurzer Moment der Irritation – für die Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Stadtteils aber eine echte Herausforderung. Und doch ist die Reaktion oft dieselbe: „Das war eine Ausnahme. Mir passiert so etwas schon nicht.“
Warum Prävention keine Panikmache ist, erklären die Johanniter in diesem Beitrag.
Plötzlich ist alles dunkel. Der Fernseher geht aus, die Kaffeemaschine funktioniert nicht, die Suppe auf dem Herd wird nicht warm. Was für viele Menschen nur eine Meldung im Radio oder Internet war, war für rund 45.000 Haushalte und Gewerbekunden im Berliner Südwesten Anfang Januar 2026 bittere Realität. Mehrere Tage mussten sie nach einem Anschlag auf die Stromversorgung ohne Elektrizität auskommen. Nicht alle von ihnen waren auf diese Situation vorbereitet.
„Viele Menschen sind müde geworden, immer wieder von Krisen zu hören“, sagt Nicolas Tobaben, Bereichsleiter Bildung, Integration und Katastrophenschutz bei den Johannitern im Landesverband Nord. „Aber Vorsorge ist kein Zeichen von Panik. Sie ist ein Zeichen von Verantwortung und Weitsicht.“ Krisen treffen selten mit Vorwarnung ein. Wer vorbereitet ist, kann sich und anderen helfen.
Dabei bedeutet Katastrophenvorsorge nicht, den Weltuntergang zu erwarten. Es geht um einfache, praktische Fragen:
- Habe ich Wasser und Lebensmittel für ein paar Tage?
- Weiß ich, was ich tue, wenn Strom oder Heizung ausfallen?
- Kann ich im Notfall Informationen empfangen?
„Wir sprechen hier nicht von Extremszenarien“, betont Tobaben. „Schon ein längerer Stromausfall wie Anfang des Jahres in Berlin zeigt, wie abhängig unser Alltag von funktionierender Infrastruktur ist“, so Tobaben. „Dabei hilft ein kleines Gedankenspiel: Wie oft verwende ich pro Tag Dinge, die einen Stecker haben? Und was mache ich, wenn diese Gegenstände nicht funktionieren?“
Wenn andere genervt reagieren: Wie spreche ich mit skeptischen Menschen?
Viele Menschen reagieren genervt oder abwehrend auf das Thema Prävention. Das tun sie oftmals nicht, weil sie es grundsätzlich ablehnen, sondern weil sie sich überfordert oder belehrt fühlen, weil sie sich mit dem Thema gar nicht befassen wollen oder weil sie ihr eigenes Risiko nicht einschätzen können.
„Niemand lässt sich gern sagen, dass er etwas muss“, erklärt Tobaben. „Vorsorge überzeugt nicht durch Druck, sondern durch nachvollziehbare Beispiele und durch leicht umsetzbare Maßnahmen, zum Beispiel mithilfe unserer Checklisten. Dabei muss man nicht zum Prepper mit Tarnzelt werden. Aber es ist sinnvoll, sich mit möglichen Szenarien auseinanderzusetzen.“
Ein Vergleich hilft: Die Wahrscheinlichkeit, im Lotto zu gewinnen, ist extrem gering – und trotzdem spielen Millionen Menschen regelmäßig. Nicht, weil sie sicher gewinnen, sondern weil sie die Möglichkeit nicht ausschließen wollen. „Bei Vorsorge ist es genau umgekehrt“, so Tobaben. „Die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Stromausfall oder ein Extremwetterereignis ist deutlich höher – und trotzdem bereiten sich viele nicht vor. Hier wollen wir Johanniter ansetzen und aufklären. Wir wünschen uns sehr, dass so viele Menschen wie möglich mitmachen.“ Wer mit seiner Familie oder den Nachbarn über Vorsorge spricht, sollte daher nicht dramatisieren, sondern einladen: zu einem Gespräch, zu kleinen Schritten, zu pragmatischen Lösungen.
Kleine Schritte, große Wirkung
Die gute Nachricht: Vorsorge ist machbar, Schritt für Schritt, mit überschaubarem Aufwand. Wer sich informiert, vorbereitet und einen Plan hat, gewinnt Sicherheit – für sich selbst und für andere. „Katastrophen treffen nie nur Einzelne“, sagt Tobaben. „Gut vorbereitet zu sein heißt auch, Teil der Lösung zu sein: für die eigene Familie, für die Nachbarn und letztendlich für die gesamte Gesellschaft. Da sind andere Länder schon weiter – aber auch wir sind auf einem guten Weg.“
Hier finden Sie unsere Checkliste für einen Notfallvorrat zum Download.
Hier finden Sie unsere Checkliste für das Notfallgepäck zum Download.
Hier finden Sie unsere Checkliste für die Dokumentenmappe zum Download.
Auf den Seiten des BBK finden Sie weitere Informationen zur Vorbereitung im Krisen- oder Katastrophenfall:
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): bbk.bund.de