Was tun, wenn der Strom ausfällt?

„Bei einem Stromausfall lasse ich sofort die Badewanne volllaufen.“

Baden bei Stromausfall? Nein: Für Nicolas Tobaben, Katastrophenschutz-Experte bei den Johannitern, ist die volle Wanne eine einfache und praktische Vorsorgeregel. Denn wenn der Strom ausfällt, betrifft das weit mehr als nur Licht oder Kühlschrank. Viele Systeme unseres Alltags funktionieren nur, solange im Hintergrund Elektrizität fließt. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann sich besser vorbereiten.

Wie das funktioniert, erklären die Johanniter in diesem Beitrag.


Ein Stromausfall beginnt meist unspektakulär. Erst wird es dunkel. Dann fällt das WLAN aus. Vielleicht bleibt der Aufzug stehen. Doch nach und nach wird sichtbar, wie viele Bereiche unseres Alltags vom Strom abhängen. 

„Tatsächlich betrifft ein Blackout viel mehr, als wir denken: von der Wasserversorgung über Heizungen bis hin zu Supermärkten und Tankstellen“, erklärt Nicolas Tobaben, Bereichsleiter Katastrophenschutz bei den Johannitern im Landesverband Nord. „Viele dieser Abhängigkeiten bemerkt man erst, wenn sie plötzlich nicht mehr funktionieren.“

Ein silberner Wasserhahn ist voll aufgedreht. Das Wasser fließt in eine weiße Badewanne.
Stromausfall? Schnell die Dusch- oder Badewanne auffüllen, bevor das Wasser ausbleibt.

Unsere zehn Beispiele zeigen, warum ein Stromausfall schnell weitreichende Folgen haben kann.

1. Kein Wasser aus dem Wasserhahn 

Hahn auf, Wasser läuft: Leitungswasser kommt für uns ganz selbstverständlich an jedem Waschbecken an. Doch Wasserwerke und Pumpstationen brauchen Strom, um Wasser aufzubereiten und in die Haushalte zu transportieren. Bei längeren Stromausfällen kann der Wasserdruck im Leitungsnetz sinken – im schlimmsten Fall kommt nach einer Weile gar kein Wasser mehr aus dem Hahn.

Die Johanniter empfehlen: Wenn der Strom ausfällt, möglichst früh Wasser speichern, zum Beispiel in der Badewanne, in der Dusche, in Kochtöpfen oder in großen Behältern. Das Wasser kann dann zum Kochen auf einen Gaskocher verwendet werden – oder zum Spülen der Toilette, siehe Fall 2. Für alle, die präventiv keinen Notvorrat an Wasser lagern können, bietet sich jetzt auch die Gelegenheit, Trinkwasserkanister zu befüllen, zum Beispiel die praktischen Camping-Faltkanister mit zehn oder 20 Liter Fassungsvermögen.

2. Die Toilettenspülung funktioniert nicht mehr

Auf den ersten Blick wirkt eine Toilette vollkommen stromunabhängig. Die Spülung funktioniert schließlich mechanisch: Man drückt eine Taste, Wasser läuft aus dem Spülkasten in die Schüssel. Doch dieses Wasser muss vorher in den Spülkasten gelangen. Dafür werden elektrische Anlagen eingesetzt, zum Beispiel Pumpen in Wasserwerken, die Wasser in das Leitungsnetz fördern oder Druckerhöhungsanlagen in Gebäuden, die Wasser in höhere Stockwerke transportieren.

Solange genügend Wasser im Spülkasten ist, funktioniert die Toilette noch ein- oder zweimal. Danach bleibt die Spülung trocken. „Sollte der Stromausfall mehrere Tage andauern, kann das zum hygienischen Problem werden“, warnt Nicolas Tobaben. „Deshalb lasse ich bei einem Stromausfall sofort die Badewanne volllaufen – als Notreserve.“ 

3. Tankstellen geben keinen Kraftstoff mehr ab

Wer denkt, ein Stromausfall betrifft ausschließlich E-Autos und Ladesäulen, der irrt: Auch Tankstellen funktionieren nur mit Strom. Pumpen, Zapfsäulen und Kassensysteme sind elektrisch betrieben. Selbst wenn im unterirdischen Tanklager noch ausreichend Benzin oder Diesel vorhanden ist, kann der Kraftstoff ohne Strom meist nicht abgegeben werden, denn nur in den wenigsten Fällen verfügen die Tankstellen über Not-Handpumpsysteme. 

„Selbst wenn eine Tankstelle ein Not-Handpumpsystem hat, dann stehen diese primär den Einsatzkräften, also zum Beispiel dem Rettungsdienst und ähnlichen Diensten zur Verfügung. Hier zeigt sich, wie stark unsere Mobilität von Elektrizität abhängig ist, denn natürlich kommt auch der stromabhängige öffentliche Nahverkehr zum Erliegen“, so Tobaben. Sein Tipp: „Wer vom eigenen Fahrzeug abhängig ist, sollte immer rechtzeitig tanken, damit eine Reserve im Tank vorhanden ist.“

4. Kein Strom – keine Kartenzahlung

Viele Menschen zahlen heute fast ausschließlich mit Karte oder Smartphone. Doch die Kartenzahlung hängt gleich von mehreren elektronischen Systemen ab: zum Beispiel von Kartenlesegeräten, Internetverbindungen und Bankservern. Bei einem Stromausfall funktionieren diese Systeme alle nicht mehr. Viele Geschäfte können dann nur noch Bargeld akzeptieren – oder müssen schließen. Es ist daher sinnvoll, ein bisschen Bargeld in kleineren Scheinen und Münzen bereit zu halten.

5. Die Heizungen bleiben kalt

Ob Gas-Brennwerttherme, Öl-Heizung, Wärmepumpe oder Pellet-Heizung: Alle modernen Heizsysteme benötigen Elektrizität für Steuerung, Pumpen und Zündung. Ohne Strom bleibt deshalb oft auch die Heizung kalt – auch wenn ausreichend Brennstoff vorhanden ist. Gerade im Winter kann das schnell zu einer zusätzlichen Belastung werden. Ein Schwung warmer Decken sollte deshalb in keinem Haushalt fehlen. Und selbst wer sich dank Photovoltaikanlage auf dem Dach autark wähnt, merkt beim Stromausfall meist, dass die Anlage nicht ganz ohne Strom vom Netz funktioniert. „Hier lohnt die Beratung beim Fachhandel: Es gibt Überbrückungssysteme, die bei einem Stromausfall einspringen“, so Tobaben.

6. Mobilfunknetze halten nur begrenzte Zeit durch

Viele Menschen verlassen sich darauf, im Notfall einfach ihr geladenes Smartphone zu nutzen. Doch auch Mobilfunknetze sind auf Strom angewiesen: Funkmasten verfügen meist nur über begrenzte Notstromversorgung. Nach einigen Stunden können Mobilfunk und Internet ausfallen. „Ein batteriebetriebenes Radio oder gar ein Kurbelradio kann dann eine wichtige Informationsquelle sein, denn die Behörden kommunizieren alle relevanten Informationen über den Stand der Dinge via Radio“, empfiehlt der Experte.

7. Supermärkte bleiben geschlossen

Wenn der Strom ausfällt, sind Supermärkte häufig schneller betroffen als gedacht. Nicht nur die Kassensysteme und Scanner, sondern die gesamte Warenwirtschaft und Kühlanlagen laufen elektrisch. Ohne Strom können viele Geschäfte keinen Verkauf mehr abwickeln – auch wenn genügend Lebensmittel vorhanden sind. Deshalb sollte jeder Haushalt einen Notfallvorrat für mehrere Tage vorhalten.

8. Aufzüge bleiben stehen

Aufzüge sind vollständig elektrisch betrieben. Fällt der Strom aus, stoppt der Motor sofort. Moderne Aufzüge verfügen teilweise über Notstromsysteme, die die Kabine automatisch in die nächste Etage fahren lassen. Das ist jedoch nicht überall der Fall. Neben eingeschlossenen Personen im Fahrstuhl, die von der Feuerwehr befreit werden müssen, hat ein Stromausfall noch eine weitere Folge: In Gebäuden mit vielen Stockwerken wird der Alltag plötzlich deutlich komplizierter. Für ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern oder Personen mit eingeschränkter Mobilität kann es schwierig werden, ihre Wohnung zu erreichen oder zu verlassen. Hier hilft ein gutes Nachbarschaftsnetzwerk, das auf einander achtet.

9. Haustüren und Gegensprechanlagen funktionieren nicht mehr

Auch viele Hauseingänge funktionieren heute elektrisch. In Mehrfamilienhäusern öffnen Bewohnerinnen und Bewohner die Haustür meist per Gegensprechanlage und Knopfdruck. Fällt der Strom aus, funktioniert dieses System oft nicht mehr, Türen müssen manuell geöffnet werden – falls das Klingelsystem funktionert. Schlimmstenfalls bleiben die Eingangstüren komplett verschlossen, weil der elektrische Türöffner nicht mehr entriegelt. Besonders bei Notfällen erschwert das den Zugang für Rettungskräfte oder Pflegedienste, die sich um Pflegebedürftige kümmern. 

10. Elektrische Rollläden bleiben unten

Stichwort Smart Home: In vielen Wohnungen und Häusern werden Rollläden oder Jalousien elektrisch gesteuert. Fällt der Strom aus, bleiben sie in ihrer aktuellen Position stehen. Sind sie geschlossen, bleiben Räume auch tagsüber dunkel und lassen sich zum Beispiel nicht belüften. 

Vorbereitung stärkt den Bevölkerungsschutz

„Katastrophenschutz funktioniert am besten, wenn staatliche Strukturen und vorbereitete Haushalte zusammenwirken“, betont Tobaben. „Wenn Menschen für einige Tage selbstständig zurechtkommen können, entlastet das die Einsatzkräfte und Hilfe erreicht schneller diejenigen, die sie wirklich brauchen. Schon einfache Maßnahmen wie ein kleiner Wasservorrat, haltbare Lebensmittel oder ein batteriebetriebenes Radio können helfen, einen längeren Stromausfall oder andere Krisensituationen besser zu überstehen.“ Wer vorbereitet ist, kann ruhig und besonnen handeln – und trägt damit auch zur Resilienz der Gesellschaft in Krisenzeiten bei.

So sind Sie gut vorbereitet:

Hier finden Sie unsere Checkliste für einen Notfallvorrat zum Download.

Hier finden Sie unsere Checkliste für das Notfallgepäck zum Download.

Hier finden Sie unsere Checkliste für die Dokumentenmappe zum Download.

Auf den Seiten des BBK finden Sie weitere Informationen zur Vorbereitung im Krisen- oder Katastrophenfall:

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): bbk.bund.de