Kinder trauern anders als Erwachsene

Neu-Ulm, 03. Dezember 2018

Mit wem wollen Sie Lacrima ansprechen? Für wen ist das Angebot gedacht?

Das Angebot wendet sich in erster Linie an Kinder ab ca. 6 Jahren bzw. auch an Jugendliche, bei denen ein Elternteil, ein Geschwisterkind oder eine sonstige nahestehende Person gestorben ist. Wir arbeiten nach einem langjährig bewährten Konzept. In den regelmäßigen Gruppenstunden erleben die Kinder, dass sie mit ihrer Erfahrung nicht alleine sind und das hilft ihnen ungemein weiter.

Warum gerade an Kinder und Jugendliche?

Weil Kinder erstens anders trauern als Erwachsene und zweitens Eltern durch die eigene Trauer so belastet sind, dass sie im Umgang mit der Trauer ihrer Kinder oft an ihre Grenzen kommen. Es ist aber auch sehr schwierig mit kindlicher Trauer umzugehen. Sie spielen und lachen und im nächsten Moment fließen die Tränen oder es kommt zu einem Wutausbruch. D.h. sie springen ganz unvermittelt in die Trauer wie in eine Pfütze und genauso schnell wieder heraus.

Warum erachten Sie es als so wichtig, Trauer zu verarbeiten?

Trauer ist eine Reaktion, die die Natur so eingerichtet hat, um den Tod eines nahestehenden Menschen zu verarbeiten. Sie ist keine Krankheit. Bekommt die Trauer aber keinen Raum und keine Zeit dann kann es durchaus dazu führen, dass Kinder auffällig bzw. krank werden. Oft auch erst lange Zeit später.
Außerdem ist es uns eine Herzensangelegenheit, die Themen Sterben, Tod und Trauer aus der Tabuzone zu holen. Viele Erwachsene berichten uns heute, dass das Allerschlimmste nach einem Todesfall in der Familie für sie war, dass niemand mit ihnen darüber geredet hat. Das wollen und müssen wir auffangen.

Wie sieht Ihre Arbeit denn ganz konkret aus?

Wie schon gesagt, wir begleiten die Kinder und Jugendlichen in Gruppenstunden, die
14-tägig stattfinden. Hier können sie kreativ sein, toben oder auch nur zur Ruhe kommen und somit ihrer Trauer auf vielfältige Weise Ausdruck verleihen. Parallel zur Kindergruppenstunde begleiten wir die Eltern in einer eigenen Gruppe, denn die Bewältigung der Kindertrauer gelingt nur gemeinsam.

Wer begleitet denn die Gruppenstunden?

Eine schöne Frage. Unsere Arbeit ist nur möglich, weil wir ein gut ausgewähltes und ausgebildetes Team an Ehrenamtlichen für diese anspruchsvolle Aufgabe gewinnen konnten. Gemeinsam mit mir als Sozialpädagogin begleiten sie die Kinder sehr individuell und liebevoll. Großen Wert legen wir auf unseren Betreuungsschlüssel. Ein Erwachsener betreut jeweils zwei Kinder. Sie sehen, es werden viele ehrenamtliche Helfer benötigt. Wer also Interesse hat, darf sich sehr gerne bei mir melden.

Ein wirklich tolles und auch hilfreiches Angebot.
Wie bekommen Betroffene denn nun Hilfe? Wohin dürfen Sie sich denn wenden?

Am besten ist der direkte Kontakt zu mir. Ich freue mich über Anrufe unter 0731 92150064 oder über Nachrichten per Mail lacrima.ul-nu@johanniter.de. Ganz wichtig, das Angebot ist für alle Betroffenen kostenlos. Zum ersten Kennenlernen bieten wir ca. alle 2 Monate eine Schnupperstunde an. Die nächste Schnupperstunde ist am Montag, 10. Dezember um 17 Uhr im Wiley in Neu-Ulm.

Weitere Informationen über Lacrima im Regionalverband Schwaben erhalten Sie im Internet unter www.johanniter.de/ul-nu/lacrima

Bildunterschrift: Angelika Bayer, Leiterin der Kinder-Trauergruppe Lacrima
Bildnachweis: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Ihr Ansprechpartner Kerstin Biedermann

Johanniter-Unfall-Hilfe e.v.
Regionalverband Schwaben
Holzweg 35a
86156 Augsburg