Kirchenjahr 2017/2018

Impuls Heiliger Abend 24.12.2018

Ps 28,1 und Lk 2,11

Spricht Gott mit uns? Der Psalmist David verlangt es von Gott, aber die Frage ist, ob das so einfach funktioniert. Er vertraut Gott jedoch völlig, dass Er alles zum Guten wenden wird. Der Psalm endet ja auch mit Gottvertrauen und Dank. David vertraut auf den HERRN. Tun wir das auch?

Ich glaube ja. Denn Weihnachten ist die Antwort auf unser Rufen, auf unser Bitten. Weihnachten als Geburt Jesu, als Heilzusage Gottes an die Menschen. Aus dem Dunkel des Advents kommt das Licht der Heiligen Nacht zum Vorschein. Gott schweigt nicht – er kann gar nicht, denn er liebt die Menschen und gibt ihnen die ultimative Zusage seiner Liebe.

Christus als Kind – ein Gottesgeschenk? Liebestat oder Provokation? Fühlen wir uns “herausgerufen“, herausgefordert von Weihachten? Oder verlassen wir uns auf das schöne, wohlige, allbekannte „Weihnachten als Fest der Familie und des Friedens“ gefühl? Bleibt da nicht doch auch ein bisschen etwas Anderes im Fokus stehen - nämlich das tägliche Pro-voziert, das Herausgerufen sein; durch Christus und unseren Glauben an ihn. Eine exponierte Stellung – jeden Tag müssen wir uns besinnen und uns neu entscheiden. Aber wie wunderbar ist doch das Gefühl, wenn man sich dann entschieden hat FÜR Christus, FÜR Weihnachten im ursprünglichen Sinn, FÜR ein Leben im Glauben.

Weihnachten gibt uns Hoffnung – auf neues Leben, auf wiederkehrendes Licht. Hoffnung beginnt im Herzen. Dort wo man ganz allein, vollkommen ehrlich und ungeschützt seinem Schöpfer begegnet. So ungeschützt wie das Kind in der Krippe im zugigen Stall von Bethlehem. Christus war von Anfang an von Liebe umgeben – das ist der Weihnachtswunsch an uns alle. Dass uns die Liebe nicht verlässt und wir Liebe anderen schenken.

Alle Lichter, die wir anzünden, künden von dem Licht, das da erschienen ist in der Dunkelheit.
F. v. Bodelschwingh

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn 

Impuls zum 3. Adventsonntag 2018

Ich bin der HERR, der die Zeichen der Wahrsager zunichtemacht und die Weissager zu Narren.
Jesaja 44,25

Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind.
1.Johannes 4,1

Die uralten Texte der Psalmen, die größtenteils aus der Zeit nach dem babylonischen Exil stammen (ca. 6. Jhdt. v. Chr.), sind für Juden und Christen gleichermaßen bedeutsam. In ihnen kommen alle großen Themen des menschlichen Lebens vor: Freude, Leid, Schmerz, Dankbarkeit, Klage, Bitte, und viele mehr. Der Psalm 38 wird als „Klage eines Kranken“ überschrieben – haben wir nicht auch oft mit Menschen zu tun, auf die dieser Psalm genau passt?

Schuld als riesige Last. Böse Worte, die nicht mehr zurückgenommen werden können. Handlungen, die uns vielleicht kurzfristig nützen, aber anderen schaden. Gedanken, die in die Irre führen. All das liegt auch immer wieder auf unseren Schultern. „Du bist ja selbst schuld“: das ist wohl einer der schlimmsten Sätze, die einem gesagt werden können. Denn man ist sich ja der Schuld bewusst und kann es niemandem anderen in die Schuhe schieben. Wir müssen uns selbst stellen und können nicht ausweichen - ein Gefühl der Ohnmacht. Ohne Macht - stimmt das denn wirklich? Können wir nicht Kraft schöpfen aus dem Wissen, dass wir immer wieder neu beginnen können?

Denn wenn man den Text aus Mt 1,21 liest, verstehen wir, welches Geschenk uns Gott mit Jesus Christus gemacht hat. Ein Kind, vordergründig „ohnmächtig“, ohne sichtbare Stärke oder Vorteile. Und doch: welche Chancen und Möglichkeiten haben wir in unserem Leben, weil er uns gerettet hat und wir als seine Jünger die Kinder sind, die er liebt.

Also bleibt bei allem Schuld-Bewusstsein und allem Ringen um das Gute doch nur eines: die Freude auf das Kind, das in die Welt gekommen ist, um der Herr alles Guten und aller Welt zu werden.

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Quelle: Talmud

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum 1. Adventsonntag 2018

So spricht Gott der HERR: Kehrt um und wendet euch ab von euren Götzen.
Hesekiel 14,6

Der Schriftgelehrte sprach zu Jesus: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
Markus 12,32-33

Ermahnung und Verheißung – so könnte man die zwei heutigen Texte beschreiben. Gott wollte zu allen Zeiten, dass sein Volk sich von den Götzen abwendet – falsche Götter oder auch materielle Werte, von denen sich bis in die heutige Zeit so viele Menschen blenden lassen. Der Prophet erhielt seine Berufung in der Zeit des babylonischen Exils – eine Zeit der schweren Prüfung und auch der Versuchung durch fremde Götter. Strenge Ermahnung und fast bedrohliche Botschaften durch Gott; und doch verheißt Gott denen, die umkehren, Leben in Fülle. Der Glaube an Gott und seine Verheißung hat im babylonischen Exil den Menschen die Kraft zum Ertragen des Exils gegeben. Und hat die Sehnsucht nach dem Land der Väter und des Tempels ins Herz gepflanzt.

Beim Evangelisten Markus geht es um das größte Gebot von allen: 2. Mose 6,4 und 3. Mose 19,18. In einer Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten gibt einer der Kontrahenten Jesus recht, denn die Gebote der Gottes- und der Nächstenliebe sind sehr zentrale Botschaften des Alten und Neuen Testamentes. Jesus weiß um die immense Bedeutung der Schriftstelle für sein Volk und auch für ihn steht es an erster Stelle. Wer Gott und den Nächsten liebt, kann nicht in die Irre gehen. Das gilt auch für uns heute. Denn die Worte haben nichts von ihrer Wucht und Strahlkraft verloren.

Ermahnung und Verheißung: die heutigen Texte zeigen uns den Weg, den Gott von Anfang an für uns Menschen bestimmt hat. Mit seinen Geboten „ausgerüstet“ wird es möglich, ihm entgegenzugehen. Gerade im beginnenden Advent doch eine tröstende, unterstützende Aussicht! Umkehr, Besinnung auf das Wesentliche und Freude über Gottes Heilszusage – das wünsche ich uns allen in dieser Zeit.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls ...als sie den Stern sahen...

Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut (Matthäus 2,10)

Was muss ich sehen um von mir sagen zu können: „Ich bin hocherfreut“ Was gibt es um mich zu einem Aufbruch zu bewegen?

Sterne sind Lichtzeichen am Himmelsfirnament. Dieser besondere Stern sollte die Aufmerksamkeit wecken.
Doch nicht der Stern war das Besondere, das Wichtige, sondern war nur ein Hinweis auf das Kind.
Die Weisen aus dem Morgenland haben darauf gewartet, sie wussten mit dem Stern hat es etwas auf sich, er wird Veränderung bringen.
Er lädt dazu ein aufzubrechen, um Gott zu begegnen.
Manchmal ist es nicht gleich auf den ersten Blick sichtbar was uns Freude bringt und uns zum Aufbruch bewegt.
Dieser Stern ist der Stern des Lebens, er kann auch in unseren Alltag hineinleuchten.

Regionalschwester Martina Bothmann

Impuls zum Monat November

"Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann." Off. 21,2

Über einen Textteil aus der Apokalypse nachzudenken, ist etwas Besonderes. Denn dieser Teil der Bibel ist doch für uns heutige Menschen fast unverständlich in Formulierung und den Bildern, die dort beschrieben werden.

Und doch: dieser kurze Ausschnitt kann uns einiges sagen. Jede(r) von uns weiß, daß eine Frau am Hochzeitstag besonders schön ist. Und jede(r) weiß, wie schön die Stadt Jerusalem ist. Zusammengenommen muss das für den Verfasser der Offenbarung ein unbeschreiblicher Anblick in seiner Vision gewesen sein.

Und wir? Wie sehen wir das?

"Das neue Jerusalem" - Sinnbild eines vollkommen neuen Anfangs, ohne Belastungen aus der Vergangenheit, ohne Sünden und Fehler. Das große Sehnsuchtsziel der Menschen damals wie heute. Aber sind wir heute auch gemeint? In der Textzeile davor verheißt der Verfasser einen neuen Himmel und eine neue Erde. Das inkludiert auch uns heutige Menschen - immer wieder neu.

Wie sollen wir das "Schmücken" verstehen? Was ist damit gemeint? Denn Schmücken bedeutet Auffallen. Will Gott das? Ich glaube ja - wir Christen sind zum "Auffallen" berufen, nämlich mit den Eigenschaften, wie sie zum Beispiel im Kolosserbrief 3,12 beschrieben sind. Eine ehrgeizige Aufgabe, denn wir alle wissen, wie schwierig das manchmal ist. "Auftreten statt Austreten" - ein aktueller Slogan, der doch so viel Wahrheit in sich trägt.

Schönheit, Sehnsucht, Erwartung - das sind die Kernaussagen dieses Textes. Denn die Offenbarung entstand in einer Zeit der großen Bedrängnis und enthält Trost für die damals Betroffenen. Auch die nachfolgenden Verse unseres Zitates sprechen von der Sehnsucht nach Erlösung und der Erfüllung des Lebens in Einheit mit Gott. Wenn wir nächsten Monat wieder im Advent stehen, sollten wir uns daran erinnern.

"Nächstes Jahr in Jerusalem" - so verabschieden sich Juden auch heute noch bei bestimmtem Anlässen. Das irdische Jerusalem ist mit dem himmlischen eng verknüpft - so können wir getrost und getröstet dem Advent entgegengehen. Verbunden mit dem Glauben, dass Gott alles fügen wird und uns am Ende der Zeiten den neuen Himmel und die neue Erde zeigen wird.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum Monat Oktober

"All mein Sehnen liegt offen vor dir und mein Seufzen ist dir nicht verborgen." Psalm 38 Vers 10

"Ob ich mein Verlangen auch nicht in Worten äußern kann, gepriesen sei Gott, er liest das geheime Sehnen unseres Herzens. Nichts kann ihm verborgen sein; auch was wir ihm nicht zu sagen vermögen, versteht er vollkommen. Der Psalmdichter David ist sich bewusst, dass er in seinen Klagen im Psalm 38 nichts übertrieben hat, und beruft sich auf die Allwissenheit Gottes zur Bestätigung seiner Worte. Der gute Arzt versteht sich auf die Symptome unserer Krankheit und durchschaut das innere Übel, das sie anzeigen; so sind wir denn in guten Händen. Und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Auch das leiseste Seufzen vernimmt er, versteht auch die stumme Sprache unserer Tränen. Kummer und Seelennot verbergen sich vor den Augen der Menschen, aber Gott erspäht sie." (Quelle: www.evangeliums.net/psalmenauslegung/psalm_38.html) Diese Auslegung fand ich im Netz und kann es nicht besser schreiben. Ein wichtiger Trost geht an uns aus diesen Worten. Wir sind nicht allein, denn wir können sicher sein, das Gott uns hört, wenn wir zu ihm beten oder sprechen. Wir müssen nur hinhören und uns nicht im Selbstmitleid ergötzen, was nur allzu menschlich ist. In diesem Fall gilt Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Dazu dienen Pilgertage und Wochen, aber auch Einkehrwochenenden, der sonntägliche Gottesdienst und das so oft vernachlässigte persönliche Gebet. Liebe Johanniter, beten wir..................

"Wenn Gott dich nicht erhören wollte, würde er dich nicht beten heißen..."(Martin Luther (1483 - 1546), deutscher Theologe und Reformator)

Johanniterschwester Heike von Knobelsdorff

Impuls zum Monat September

Foto: Vivian Weber

"Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende." Pred.3,11(L)

Mitten im Leben

Alles hat seine Zeit: geboren werden und sterben...bauen und abbrechen...lachen und weinen...umarmen und loslassen.

Gott hat dem Menschen aber nicht nur die Zeit und damit die Vergänglichkeit zugemutet, er hat ihm auch eine Sehnsucht ins Herz gelegt, die über alles Zeitliche, Sichtbare und Vergängliche hinausgeht. Der Mensch möchte wissen, erforschen und erfahren was das Ganze ist. Wissen woher alles kommt und wohin alles geht. Nur wenn der Mensch begreift, dass ihm seine Zeit geschenkt ist und er sie selber nicht in seiner Hand hält, kann er seine Zeit als Geschenk empfangen. Hier und jetzt gilt es zu leben. Jetzt ist die Zeit, das Leben zu gestalten und zu genießen. Und in Beidem, im Gestalten und Genießen kann ein wenig "Ewigkeit" zu spüren sein.

Und auch im Genießen verbindet sich der Mensch mit Gott, indem er dankbar sein Leben mit seinen Möglichkeiten aus Gottes Hand nimmt: dankbar für Menschen, die uns durchs Leben begleiten,

dankbar für Menschen, die uns unterstützen, wenn wir es brauchen, dankbar für die Menschen die uns lieben. Dankbar auch für durchlebte und überwundene Lebenskrisen.

Die Ewigkeit finden wir nicht am Anfang und am Ende aller Dinge- das ist uns nicht zugänglich.

Die Ewigkeit können wir nur mitten im Leben finden, weil wir wissen, dass der, der Zeit und Ewigkeit in seiner Hand hält, alles in seiner Hand hält, auch uns.

Johanniterschwester Gabriele Beyer-Bauer

Impuls zum Monat August

Foto: Monika Eilhardt

Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. (1 Joh 4,16)

Für mich ist dieser eine Satz eine Zusammenfassung der vorangegangenen Verse:

Gottes Liebe und die Liebe zum Mitmenschen (Hoffnung für Alle, 1 Joh 4 7-16)

Meine Freunde! Lasst uns einander lieben, denn die Liebe kommt von Gott. Wer liebt, ist ein Kind Gottes und kennt Gott. Wer aber nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. Gottes Liebe zu uns ist für alle sichtbar geworden, als er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben können. Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. Er gab uns seinen Sohn, der alle Sünden auf sich nahm und sie gesühnt hat. Meine Freunde, wenn uns Gott so sehr geliebt hat, dann müssen auch wir einander lieben.12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Doch wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns zum Ziel gekommen. Ich sage es noch einmal: Dass wir mit Gott verbunden bleiben und er mit uns, wissen wir, weil er uns seinen Geist gegeben hat. Außerdem haben wir es selbst erlebt und können bezeugen, dass Gott, der Vater, seinen Sohn in diese Welt gesandt hat, um sie zu retten. Und wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Wir haben erkannt, dass Gott uns liebt, und wir vertrauen fest auf diese Liebe. Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Jesus hat dieses Gebot der Gottesliebe mit dem Gebot der Nächstenliebe als Zusammenfassung des göttlichen Willens zur Erlösung verbunden. Und auch die Worte im ersten Johannesbrief beschreiben, dass christliches Gottesbild und Menschenbild unzertrennlich miteinander verknüpft sind.

Es reicht also nicht aus Gott zu lieben, sondern darüber hinaus muss man auch die Menschen lieben. Der Text ist ebenfalls eine Zusage, dass diese Liebe zum Nächsten nicht allein "geleistet" werden muss, sondern sich aus der Liebe Gottes zu jedem Einzelnen speist. Gottes Liebe ist kein Reagieren auf menschliches Verhalten, sondern sie geht ihm voraus. Nur weil Gott uns liebt und weil diese Liebe in unserem Leben wirksam ist, können wir uns entfalten und unseren Mitmenschen lieben.

Johannes beschreibt in seinem Brief einen Gott der Liebe, der uns bis in die Tiefen unseres Herzens wahrnimmt, unser Leben sowie unser Tun kennt und unsere Leistungen und Fehlleistungen beim Namen nennt, uns aber nicht auf sie festlegt. Gott richtet, aber aus Liebe und in Liebe.

Ein überaus tröstlicher Gedanke...

Johanniterschwester Monika Eilhardt

Impuls zum Monat Juli

"Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe. Pflügt ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt." Hosea 10,12

Es lohnt sich das ganze Kapitel 10 bei Hosea zu lesen.

Hier werden Zornausbrüche und Drohungen Gottes gegen das Volk Israel ausgedrückt und klare Ursachen dafür genannt:

  • zum einen die Anbetung des heidnischen Stiergottes am Ort Beth-El, wo Jakob einst mit Gott gekämpft und ihm seinen Segen abgerungen hat. Beth-El heißt "Haus Gottes". Für Hosea ist dieser "geweihte" Ort zum "Beth-Awen" = Haus der Gottlosigkeit heruntergekommen. Die Anbetung des Stiergottes ist ein Rückfall in die heidnische Vergangenheit und widerspricht Gottes Geboten.
  • zum anderen das Vertrauen des Volkes in den herrschenden politischen Machtapparat anstatt in Gottes Führung. Die gängige Politik widerspricht allen Regeln der Gerechtigkeit und die Rechtsprechung wirkt wie ein sich schnell ausbreitendes Gift.

Hosea vergleicht das Ende des Herrschers mit einem abgebrochenen Zweig, der im Fluss treibt und das Volk im Nordreich mit einem an sich gefügigen Rind, das gehorchte, aber nun durch sein boshaftes und ungerechtes Verhalten und durch sein Vertrauen in die militärische Schlagkraft seine Chance vertan hat und dem Untergang entgegen geht. Dies ist denn ja auch historisch erfolgt.

Die Schlüsselaussage für uns heute ist eindeutig: Despotische Ungerechtigkeit und militärische Aufrüstung führen nicht zum Frieden. Allein eine kluge Politik, die immer wieder neu um den Frieden verhandelt und Recht und Gerechtigkeit im eigenen Land und weltweit praktiziert, entspricht dem Willen Gottes und wird gesegnet sein. Grundlage einer solchen Politik ist die Liebe, die sich u.a. äußert in der Achtung der Menschrechte und der Schöpfung. Noch ist Zeit, also:

"Pflügt ein Neues, solange es Zeit ist". Hiermit schließt der Vers.

Fördermitglied Soeur Ute Hampel

Impuls zum Monat Juni

Foto: Carosy

"Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt." Hebr. 13,2

Spontane Begeisterung ist etwas Schönes. Eine neue Idee reißt uns mit, setzt ungeahnte Kräfte frei und krempelt unseren Alltag um. Wir fühlen uns gut und wie neugeboren. Aber, aus Erfahrung, wissen wir, dass der alte Mensch sich schnell zurückmeldet und alte Gewohnheiten schleichen sich wieder ein.

Der Verfasser des Hebräerbriefes dürfte solche Menschen wie uns vor Augen gehabt haben. Er schreibt an die frisch gebackenen Christen, die ehemals Juden waren. Sie sind Neubekehrte und waren eifrig bei der Sache. Doch nun hat der Alltag sie eingeholt und so mancher Judenchrist sehnt sich nach den festlichen und feierlichen Ritualen zurück.

Der Brief mahnt sie mit allem Nachdruck: Beim Glauben an Jesus Christus kann man keine halben Sachen machen. Da geht es ums Entweder-Oder. Christus hat die Welt verändert und neue Maßstäbe gesetzt; er hat die Macht der Mächtigen relativiert und Gottes Macht zur Geltung gebracht. Er hat die Menschen aus ihrem bisherigen Leben weggeholt und sie in die Nachfolge gerufen. Mit Jesu Auferstehung von den Toten ist das ganze Weltgefüge erschüttert und herausgerissen aus der Macht des Todes.

Christsein verlangt von uns Menschen mehr als spontane Begeisterung. Es verlangt eine endgültige Entscheidung. Wofür?

  • Dass wir erkennen, was Gott uns geschenkt hat,
  • dass wir uns einlassen auf seine Liebe, die von uns erwidert werden möchte,
  • dass wir unser Leben in jeder Minute auf ihn ausrichten.
  • Mit anderen Worten, dass wir unseren Glauben im Alltag leben.

Um dementsprechend zu leben, empfiehlt der Schreiber des Briefes den Christen keine außergewöhnlichen spirituellen Übungen. Stattdessen benennt er einige wenige Beispiele: Zusammenhalt, Gastfreundschaft, Sorge um Gefangene und Arme, Treue in der Ehe, Bescheidenheit, Respekt vor den Führungskräften in der Gemeinde und Festhalten am Katechismus, d.h. an dem was wir über den Glauben gelernt haben.

Damit will er sicherlich nicht auf festliche Gottesdienste verzichten. Nur, die Nachfolge Jesu soll sich nicht darin erschöpfen. Der Glaube soll im Alltag gelebt und umgesetzt werden, und zwar in Dingen, die auf den ersten Blick als selbstverständlich erscheinen.

Dadurch wird die Nachfolge nicht verwässert; sie bleibt ein Risiko. Aber wir haben eine Gewissheit, die uns niemand nehmen kann: Wer an Gott glaubt, der hat eine Heimat bei ihm. Sie reicht weit über unseren Alltag hinaus. Und doch beginnt sie schon jetzt für die, die Christus nachfolgen wollen, bereits hier und jetzt, mitten im Alltag.

Als Christen sind wir eine Schicksalsgemeinschaft vor Gott. Alles, was ein Einzelner tut oder unterlässt, hat Auswirkungen auf alle. Es ist ein Irrtum, zu denken, das Handeln - ob nun gut oder bösartig - habe nur für den Einzelnen selbst Konsequenzen. Dass das nicht so ist, merken wir in den Problemen, die wir heutzutage haben: Umweltverschmutzung, Klimawandel, Wirtschaftskrisen, Kriege überall und die damit verbundenen Flüchtlingsströme. Wir sind weltweit eine Schicksalsgemeinschaft geworden. Diese wird nur überleben, wenn wir alle füreinander einstehen im alltäglichen Handeln.

Gottes Engel brauchen keine Flügel...

Fördermitglied Soeur Ute Hampel

Foto: Gela Spöthe

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebr. 11,1

Als Erstes fällt einem die Geschichte vom "ungläubigen" Thomas ein. "Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben." (Joh. 20,29). Das mit der Seligkeit ist so eine Sache. Bedeutet es "glücklich"? "Errettet?" Luther lässt beide Bedeutungen zu, sodass wir jedes Mal aufs Neue gefordert sind, die für uns passende Variante zu wählen.

Nicht sehen und doch glauben - eine Provokation in einer so säkularen Welt wie der heutigen. Der Hebräerbrief stützt uns in dieser Situation. Jesus wird als die Erfüllung aller Opfer dargestellt, als endgültiger Hohepriester. Deswegen ist der Impuls ein so wichtiger Satz. Er erklärt, worum es vor allem anderen geht. Stark sein auch in Zeiten von Bedrängnis, von Unglaube, Zweifel und Sorgen. Es klingt fast so, als wäre dieser Satz die Antwort auf eine Frage, die beantwortet werden sollte. Was ist Glaube? Wie soll das gelingen? Denn geht es uns 2000 Jahre später denn viel anders als den Menschen damals? Auch sie haben den Glauben an den Auferstandenen erst lernen, verteidigen müssen; oft unter Einsatz ihres Lebens. Glaube stärkt den Rücken, sowohl uns als auch den Menschen rundherum - auch wenn sie es manchmal nicht zugeben wollen. Das wäre doch ein schöne Aufgabe für uns im Mai - anderen diese Zuversicht, diesen Glauben zu vermitteln, von der der Hebräerbrief spricht.

"Mein Glaube darf nicht wanken; oh tröstlicher Gedanken" - so haben wir in der Osternacht gesungen. Wenn es uns doch nur gelingen würde, uns wirklich trösten zu lassen, damit wir selig - gerettet, glücklich - sein können.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn 

Impuls zum Monat April

Foto: Carosy

Der Monat April beginnt dieses Jahr am Ostersonntag.

Wir haben gerade die Osternacht gefeiert, unsere Kerzen angezündet an der großen, neuen Osterkerze. Wir haben das Licht weitergegeben und die Dunkelheit wurde hell. Wir haben uns zugerufen: "Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!"

Dann eilen wir zum Osterfrühstück. War das nun alles?

Nein! Ostern ist anders. Nicht nur Frühlingserwachen, bunte Ostereier, kleine und große Schokohasen und das leuchtende Grün der Natur sind gute Wirklichkeit, bilden aber nicht die Wahrheit und Einmaligkeit der Auferstehung Jesu in ihrer Erschütterung ab.

Am Ostermorgen gehen die Frauen zum Grab von Jesus. Was können sie noch tun? Sie wollen ihn jedenfalls salben in einem Grab, das auch ein Grab ihrer Hoffnung war. Dann, diese überwältigende Erfahrung, gepaart mit dem Entsetzen und Erschrecken: Das Grab ist leer. An der Stelle, an der Jesus gelegen hat, sitzt ein Engel, der Ihnen sagt: Jesus Christus ist auferstanden von den Toten! Die Frauen verlassen fluchtartig das Grab und sie verstummen erst, weil sie Angst haben. Doch spätestens als die beiden Jünger mit Jesus nach Emmaus gegangen sind und sie ihn beim gemeinsamen Mahl erkannten, um dann den Freundinnen und Freunden davon zu erzählen, wussten sie "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden". Und wir können fröhlich mit einstimmen, weil wir seit Ostern wissen, das uns der Tod nicht endgültig töten kann. Kein Leiden und kein Schmerz sind umsonst. Gott hält das Leben mitten im Tod, mitten im Vergehen.

Du Herr hältst alles in Deiner Hand, und Du lässt uns nicht los.

Johanniterschwester Elke Leist-Wipperfürth

Impuls zum Ostersonntag

Bildquelle: http://www.fundamentalismusdebatte.de/images/483597_588634917814646_38985927_n.jpg

"Wenn Du auf die Stimme des HERRN, deines Gottes, hörst: Gesegnet bist Du in der Stadt, und gesegnet bist du auf dem Feld." 5 Mose 28,2-3

"Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten." 2. Timotheus 2,8

An einem Freudentag wie heute darf der Humor nicht fehlen. So einen Tag behält man im Gedächtnis - vom Kind bis zum alten Menschen, jeder verbindet etwas damit; meist etwas Positives. Ostern als die Motivation, aufzubrechen, mit Jesus weiterzugehen und die vergangenen traurigen Tage hinter sich zu lassen.

Im 5. Buch Mose beschreibt Mose selbst, was passiert, wenn man auf Gott hört. Das ganze Leben wird behütet durch den Segen, alle Bereiche werden erwähnt, wenn man den Text weiterlesen würde. So steht das ganze Volk die ganze Zeit unter Gottes Schutz; immer wieder wird es aufgefordert, sich zu erinnern, wem es dies alles zu verdanken hat.

"Ich kann mir doch nicht alles merken" - so geht es mir sehr oft. Je älter ich werde, desto mehr aber wird mir bewusst, dass ich mir nur mehr die Dinge merke(n will), die auch definitiv wichtig für mein Leben, meine Arbeit, meine Familie und meinen Glauben sind. Das mag seltsam erscheinen, dennoch ist es doch auch in unserem beruflichen Alltag zu sehen: Patienten oder Bewohner, die verzweifelt sind darüber, was sie alles vergessen haben. Erinnerungen, die bis ins hohe Alter gehalten haben, vergehen, bisher stabile Rahmenbedingungen schwanken und das Leben reduziert sich immer weiter. Halt zu geben, ist dann unsere wichtigste Aufgabe. So soll uns auch das Gedächtnis an Jesu Tod und Auferstehung Halt und Stütze sein.

Sehr intensive Tage liegen hinter uns - sie werden uns Kraft und Zuversicht geben für das weitere Jahr.

"Im Licht der Ostersonne bekommen die Geheimnisse der Erde ein anderes Licht." Friedrich von Bodelschwingh

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum Karfreitag

Kathedrale La Seu, Palma Foto: Vivian Weber

"Als Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind." 2 Mose, 14, 21

"Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." Röm 8, 38-39

Der HERR ist allmächtig - das zeigt uns die Stelle aus dem 2. Buch Mose. Klingt gefährlich, ist es aber bei näherer Betrachtung nicht. "Denn der Herr sprach, und sogleich geschah es; er gebot, und alles war da." So lesen wir in Psalm 33,9. Vom Beginn der Schöpfung an können wir die Allmacht Gottes sehen - und da soll uns bange werden? Ja, das tut es. Wir Menschen fürchten uns davor - zu groß, zu über-mächtig erscheint Gott hier. Außerdem geht die Geschichte für die Streitmacht des Pharao übel aus. Darf man sich da über den Durchzug durchs Meer des Volkes Israel freuen? Oder überträgt man die Machtdemonstration auf das Vertrauen, dass sie in Gott setzten, um ihr verheißenes Ziel zu erreichen?

Liebe und Leid - die großen Themen des Karfreitags. Wie müssen die Jünger und die Mutter Jesu gelitten haben. Wie groß war die Liebe Jesu zu den Seinen. Wenn man bei diesen zwei Bildern bleibt, ist es fast nicht möglich, sich den Ostermorgen vorzustellen. Wer von uns kennt nicht eine solche Situation? Gefangen zwischen den großen emotionalen Gegensätzen. Ohnmacht, Trauer, Tränen, Fassungslosigkeit. Aber ganz leise, ganz vorsichtig erinnert man sich an die Verheißung Jesu, an das Versprechen der Auferstehung. Noch ist es zu schwach, noch ist das Licht nicht erschienen. Aber wir haben den einen großen Vorteil gegenüber den Jüngern Jesu: wir wissen, was kommt. Wir wissen, dass Jesus nicht im Tod gefangen bleibt. Das ist die Grundlage unseres Glaubens. Und daher warten wir voller Trauer - und Liebe - auf den 3. Tag.

"Das Leiden muß getragen werden, damit es vorübergeht. Entweder die Welt muß es tragen und daran zugrundegehen, oder es fällt auf Christus und wird in ihm überwunden." Dietrich Bonhoeffer

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum Palmarum

Foto: Carosy

"Wer kann die großen Taten des HERRN alle erzählen und sein Lob genug verkünden?" Psalm 106, 2

"Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!" Joh 12, 12-13

"If every tongue were stilled, the noise would still continue - the rocks and stones themselves would start to sing! Hosanna!" Auch Felsen und Steine würden das Lob Gottes singen - so hören wir es in "Jesus Christ Superstar" in der Palmsonntagsszene. Was für ein Bild! Der heutige Psalm fragt nach Personen, aber die ganze Schöpfung wird schlussendlich mit einbezogen. Jubel für das Volk, sie ahnen nicht, dass alle Aussagen Jesu über die kommende Zeit in Jerusalem eintreffen werden. Aber noch ist es nicht soweit, noch dominiert der Jubel.

Lehrt uns diese Geschichte nicht, den Geschehnissen rund um Ostern Raum zu lassen? Sich Zeit zu nehmen, die Geschichten auszukosten, sich alles vorzustellen und sich den Luxus zu leisten, am Palmsonntag noch nicht an den Karfreitag zu denken? Die Freude über das Kommen Jesu zu spüren? Ein ganzer Tag - ein geradezu unglaubliches Geschenk für uns heutige Menschen. Ein ganzer Tag - als Einstimmung auf eine Woche, die sich so radikal von allen anderen Wochen im Jahr unterscheidet. Alle Emotionen und Eventualitäten des menschlichen Lebens sind in dieser Woche zusammengefasst - Freude, Trauer, Verlust, Angst, Vertrauen, menschliche Schwächen, göttliche Kraft.

Gehen wir Ostern entgegen - ganz bewusst, um ja nichts zu verpassen. Wenn wir uns innerlich nicht auf den Weg machen, um Jesus zu begegnen, zieht Ostern vielleicht an uns vorbei und wir haben es verpasst, das größte Geheimnis und Geschenk anzunehmen, das Gott zu bieten hat.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum Judika

Foto: Gela Spöthe

"HERR, zeige uns Deine Gnade und gib uns Dein Heil!" Psalm 85,8

"Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden." Joh. 1,17

Gnade -ein geheimnisvolles Wort. Man spürt, dass man den Sinn versteht, aber Erklären fällt dann oft sehr schwer. "Verzeihende Güte Gottes" - so sagt der Duden. Nach dem Hl. Augustinus kann der Mensch nichts Gutes tun ohne die Gnade Gottes. Es steht ihm aber frei zu sündigen oder nicht - mit allen Folgen für das geistliche Leben. Wo gibt es Gnade in unserem Leben? Oft glaubt man, dass nur sehr "heilige" Menschen Gnade empfangen können. Aber gerade in der Fastenzeit sollten wir all unseren Mut aufbringen und einfach daran glauben, dass auch wir "Normalsterbliche" Gnade bekommen (dürfen). Uns daran freuen, wie viel Gnade als unverdientes Geschenk wir immer wieder bekommen. Sie kann in verschiedenster Form auftreten: in Begegnungen mit fremden Menschen, mit unseren Patienten, als unverhofftes Wiedersehen mit jemandem, den man sehr vermisst hat und es nicht sicher war, ob man ihn je wiedersieht. Geschenkte Gnade löst Dankbarkeit und Freude aus - manchmal sogar mit Tränen verbunden, aber das tut der Freude keinen Abbruch.

Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Öfter mal steil, steinig, schwierig - aber ganz oft wunderbar. Wenn man die Zuversicht nicht verliert angesichts der schwierigen Zeiten - das ist Gnade.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum Laetare

Foto: Giesela von Schnakenburg

"Lass leuchten Dein Angesicht über Dein zerstörtes Heiligtum um Deinetwillen, Herr!"Daniel 9/17

"Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde! Denn es hat Eurem Vater wohlgefallen, Euch das Reich zu geben." Lukas 13/32

Diese beiden Bibelsprüche verbinden sich für mich zu einer ganz großen Aktualität. Das Heiligtum schlechthin ist für mich die Schöpfung. Sie ist es, die uns umgibt, die uns erhält, die für mich den Atem Gottes symbolisiert. Hier finde ich seine Liebe und seinen Trost, hier finde ich Halt und Ruhe, hier spüre ich etwas von seiner Kraft und empfinde in all ihrer Sinnhaftigkeit seine große Weisheit.

Sie ist das sichtbare Reich, das uns nach Lukas anvertraut ist, das wir achten und erhalten sollten für alle, die nach uns kommen werden. Wir haben sie nur geliehen und dürfen sie in unserer kurzen Lebensspanne bewohnen. Ich bin oft sehr traurig über die Respektlosigkeit, mit der wir ihr begegnen. Unsere Ansprüche steigen kontinuierlich und entsprechend rücksichtslos gehen wir mit allem um, was uns umgibt.

Gerade hatten wir hier in Bonn die große Klimakonferenz, die sicher ihre Berechtigung und ihre Wichtigkeit hat. Sie darf uns alle jedoch nicht davon entlasten, dass jeder für sich schauen kann und muss, wo er/sie im eigenen Lebensalltag Entlastungen für dieses Gottesgeschenk finden kann. An jedem einzelnen von uns liegt es, die Zerstörung dieses Heiligtums zu verhindern.

Für mich persönlich ist der Schutz der Schöpfung ein Gottesdienst.

Johanniterschwester Gisela v. Schnakenburg

Impuls zum Okuli

Foto: Giesela von Schnakenburg

"Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf." Ps 27,10

"Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen." 2 Kor 4, 8-9

Auf den ersten Blick passen diese zwei Textstellen nicht wirklich zusammen, aber bei näherer Betrachtung fällt eine große Gemeinsamkeit auf - auch im äußersten Notfall und in Verlassenheit ist Gott auf der Seite des Suchenden. "Es ist mir Angst und Bange" - diese Redewendung hat sich bis heute erhalten. Jeder von uns, der schon einmal in einer Lage war, die mit Angst und Verlassenheit zu tun hatte, weiß, wie tröstlich es ist, dass Gott auf unserer Seite ist - immer und in jeder Situation. Die Stelle aus den Psalmen spricht vom größten Schmerz, den man als Mensch erfahren kann - dass einen die Eltern verlassen. Hier braucht man besonders viel Zuversicht, dass Gott mit uns weitergeht. Nun werden manche Menschen argumentieren, dass eine "übergeordnete Macht" nichts dazu beiträgt, dass eine Situation besser wird; man müsse schon selbst agieren. Stimmt, aber wenn einen die Angst beherrscht, kann göttliche Zuwendung und die Gewissheit ihrer Anwesenheit oft viel mehr bewirken als Menschenwerk. Das "Ver-lassen" beinhaltet eine große Portion Mut - Verlust bedeutete meist Schmerz und Trauer. Die Stelle aus dem Korintherbrief aber ist eingebettet in den Text der Heilszusagen Gottes, Leben und Sterben Jesu für die Menschen. Dieses Bild vor Augen, hat der Text noch mehr Tiefe - auch er ist umgeben von Gottes Gegenwart.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum Monat März

Foto: Gela Spöthe

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht! Joh 19,30 (L=E)

Der Monatsspruch für März begleitet die Passionszeit mit Jesu letzten Worten, wie der Evangelist Johannes sie wiedergibt. Interessanterweise unterscheiden sich die Evangelien. Bei Matthäus und Markus drücken die letzten Wort Jesu "Vater, Vater, warum hast du mich verlassen?" die volle Verzweiflung aus. Lukas gibt als letzte Worte Jesu "Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist" an. Das klingt für mich eher nach einem versöhnten Abschied, im Einverständnis mit Gottes Entscheidung und im gefundenen Frieden. In den Worten "Es ist vollbracht!" klingt noch mehr mit. Hier schwingt mit "Ich habe meinen Auftrag erledigt, mein Werk ist getan und erfüllt nun seine Wirkung". Der Evangelist Johannes legt in seiner Darstellung den Schwerpunkt auf das Werk und die Wirkung von Jesu Leben und das Ziel der Erlösung, das Jesus für die Menschen erreicht hat. Johannes will uns von der Verzweiflung ablenken und uns stattdessen Mut machen, Jesu Vermächtnis weiterzutragen.

Johanniterschwester Gela Spöthe

Impuls zum Reminiscere

Foto: Vivian Weber

Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue treten vor dein Angesicht. Psalm 89,15

Die Textstelle aus dem Psalm Davids lobt Gott als einen Gott der Gerechtigkeit, des Rechts und der Gnade. Dieser Stelle wird die Seligpreisung aus der Bergpredigt Jesu beigestellt. Im Alten Testament erscheint uns Gott oft als strenger Richter, der Menschen für ihre bösen Taten bestraft, zum Teil sogar grundlos - auch ohne böse Taten (wie z.B. bei Hiob). Durch Jesus wissen wir, dass Gott "Gnade vor Recht" walten lässt. Menschen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen und dafür Nachteile hinnehmen müssen, sagt Jesus mit dieser Seligpreisung Trost und Rettung zu. Martin Luther litt unter der Vorstellung eines rächenden Gottes. Er kam zum Schluss, dass Jesu Tod unsere Schuld endgültig von uns genommen hat. "Gerechtfertigt" sind wir nach Luthers Worten allein durch Glaube, Gottes Gnade und der Orientierung an der Heiligen Schrift. Im Leben ist Gerechtigkeit manchmal schwer zu erkennen und noch schwieriger zu bewirken. Das Leben ist oft ungerecht. Trösten mich Jesu Zusage oder Luthers Rechtfertigungsworte, wenn das Leben mal wieder ungerecht zu mir ist? Aber um mich geht es dabei gar nicht. Es geht mehr um meine Orientierung, wie ich mich gegenüber anderen gerecht verhalten und für möglichst gerechte Verhältnisse sorgen kann. Dafür kann ich den klaren Kompass gut gebrauchen.

Johanniterschwester Gela Spöthe 

Impuls zum Invocavit

Foto: Gela Spöthe

Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit euren Füßen. Hebräer 12,12-13

Zefania schreibt seine Verheißung an das Volk Israel in der Zeit des mächtigen Aufstiegs der Assyrer und Babylonier. Krieg, Versklavung und Verbannung standen zu befürchten. Das Volk hatte Angst. Neben die bedrohliche Einschätzung der Lage stellt Zefania die Versicherung, dass Gott sein Volk nicht im Stich lässt - egal welches Unheil kommen mag. In der Zeit der Christenverfolgung schreibt Paulus an die Hebräer und erinnert sie daran, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist. Auch wenn die Umstände bedrückend sein mögen, nützt es nichts, sich ins stille Kämmerlein zurückzuziehen und die Hände im Schoß zu versenken. Er fordert sie auf, trotz wankender Knie sichere Schritte mit ihren Füßen zu tun. In meiner alten Bibelausgabe steht an dieser Stelle in Vers 13 "und ebnet Wege für eure Füße". In meinem Alltag kommen auch manchmal bedrückende Umstände vor, die mir Angst machen könnten. Wie soll das bloß werden - was steht mir da bevor? Schockstarre, wie beim Kaninchen vor der Schlange, wird mir nicht helfen. Hier hilft eher Gottvertrauen, sich einen Weg bahnen und einen Schritt nach dem anderen machen.

Johanniterschwester Gela Spöthe

Impuls zum Monat Februar

Foto: Vivian Weber

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. Dtn 30,14 (L)

Die Losung greift einen Spruch aus Moses Gesetzessammlung auf. Er mahnt die Juden an die Einhaltung ihrer Gebote. Paulus zitiert diese Stelle in seinem Brief an die Römer (Röm 10, 5-15) und setzt "das Wort" mit Jesus und seinen Worten gleich. Das Anliegen bleibt das gleiche: beide wollen ihre Mitmenschen dazu motivieren, den Glaubensworten zu folgen und sie in ihrem Alltag zu beherzigen. Für Paulus geht es dabei sowohl um das ehrliche Bekenntnis als auch um den Zuspruch, dass wir den Herrn um Hilfe anrufen können.

Was kann mir das in meinem Alltag bedeuten? Das Jahr ist jung, ich bin voller guter Vorsätze. Aber aus meiner Erfahrung kenne ich die Riesenlücke zwischen "Vorhaben" und "tatsächlich Ausführen" nur zu gut. Der Weg von "Gutes wollen" zu "Gutes tun" ist immer wieder weit und mit verschiedenen Hürden und Bequemlichkeiten gespickt. Kann mir die Orientierung am Text hier weiterhelfen?

Der Text weist mich einerseits auf "das Wort" als Leitfaden meiner Entscheidungen hin. Wenn ich mich mit den Anliegen der Bibel beschäftige, habe ich hier einen Kompass, der mir eine innere Stimme zu Entscheidungen vermitteln kann. Gleichzeitig kann ich den Herrn um Kraft bitten - z.B. mit einem Stoßseufzer - und dann mutig zur Tat schreiten. Uns allen wünsche ich viel Erfolg bei der Umsetzung guter Taten im neuen Jahr!

Johanniterschwester Gela Spöthe

Impuls zum Monat Januar

Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dtn 5,14 (E)

Das Jahr ist neu und frisch, die Seele offen und gleichzeitig schwankend zwischen hoffnungsvollen und bangen Erwartungen. Es ist auch die Zeit der guten Vorsätze, von denen sich hoffentlich die ein oder anderen tatsächlich verwirklichen lassen.

Der Losungstext zitiert das Gebot der Sonntagsheiligung. Da fällt mir gleich im Rückblick dazu ein, dass an den Adventssonntagen alle Geschäfte geöffnet hatten, sogar noch am 24.12. Ab jetzt können sich wenigstens auch die Verkäuferinnen mal an Sonntagen ausruhen. Das Gebot fordert, auch die Bediensteten und die Arbeitstiere dürften keine Arbeit an Sonntagen verrichten, auch nicht die zugezogenen Fremden, die nun in unseren Städten leben.

Für die Pflege gilt das nicht - die Arbeit ist an jedem Tag gleich, die Forderung klingt völlig utopisch. Am Wochenende ist nur die Besetzung noch dünner als sie sowieso schon ist. Mit dem Ausruhen am siebten Tag wird es also wieder nichts. Der normale Schichtrhythmus bringt das so mit sich. Für Nächstenliebe und Zuwendung im Dienst an Bedürftigen gibt es kein Arbeitsverbot an Sonn- und Feiertagen. Das Arbeitszeitgesetz sieht hier großzügige Spielräume vor. Immerhin sollten mindestens 15 Sonntage im Jahr frei sein. Im Team halte ich es für wichtig, dass es bei der Dienstplanung gerecht zugeht. So sollten auch die Sonntagsdienste gerecht verteilt werden, so dass niemand benachteiligt wird.

Ich könnte vielleicht den "Ruhetag" mal anders interpretieren und an einem Sonntag versuchen, den Dienst ruhig anzugehen, Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen. Vielleicht ergibt sich dabei Gelegenheit zu einem guten Gespräch oder zu einer meditativen Pause. Den ganzen Tag Gott weihen? Das ist ziemlich viel verlangt und unter meinen normalen Lebensumständen nicht umsetzbar. Einen kompletten Tag GAR NICHTS tun zu dürfen - das würde mir wohl auch nicht gelingen. Mir fällt dazu ein, was meine Mutter uns Kindern zu jedem Muttertag wieder erklärt hat: "Ich brauche nicht an EINEM Tag im Jahr liebe Kinder, sondern JEDEN Tag im Jahr - wenigstens ein paar Minuten an jedem Tag."

So kann ich mir ein bisschen sonntägliche Meditation auch besser für jeden Tag der Woche vorstellen - lieber jeden Tag ein paar Minuten.

Johanniterschwester Gela Spöthe

Impuls zur Jahreslosung 2018

"Woher kommt das Wasser, Kinder?" "Aus der Wasserleitung, Mami." Das wäre doch sehr einfach, wenn das so funktionieren würde. Aber Gott hat andere Pläne. Wenn man die Jahreslosung genau betrachtet, kommt ein Bild in den Mittelpunkt: Gott gibt das Wasser - man muss also seine Hand aufhalten, um es zu bekommen. Muss sich Gott entgegenstrecken und sich ihm ganz zuwenden. Das wird die Aufgabe dieses Jahres - sich Gott zuwenden und sich dann gestärkt dem Nächsten, dem Mitmenschen zuwenden, um die unterschiedlichen Arten von Durst zu stillen, die so viele Menschen heute quälen. Wasser fließt; genauso wie Gnade, wie geteilte Freude und Leid. Mit dem Wasser, das Gott schenkt im Gepäck, das ja als Metapher für so vieles steht, geht es hin auf das Ziel, das auch in der Offenbarung genannt wird: "Ich bin das A und O, der Anfang und das Ziel."

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum 4. Advent/Heiligen Abend

Foto: Gela Spöthe

"So spricht der Herr: ich habe zu Euch gesprochen, immer wieder mit Eifer gesprochen, Ihr aber habt nicht auf mich gehört." Jer 25, 14

"Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn." Hebr 1, 1-2

Sprechen, reden, murmeln, rufen, etc. So viele Möglichkeiten zu kommunizieren! Ob Gott sie im Umgang mit uns alle verwendet hat? Ob wir imstande waren, es auch zu hören? Gott hat keine Gelegenheit ausgelassen zu sprechen, auch wenn sogar er ein bisschen die Geduld verloren hat wie im Jeremiatext. Zu guter Letzt hat Gott uns seinen Sohn gesendet, um uns hörend zu machen. Als "ultima ratio", als letzte und größte Chance, uns Menschen zu erreichen. Und? Hats geklappt? Gott spricht von Anfang der Welt an und sein Wort bewirkt alles - lassen wir nun nach so viel Worten doch einfach die Krippe sprechen. Ein Bild diesmal, als Verheißung. Wir bleiben still und hören.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Impuls zum 3. Advent

Foto: Vivian Weber

Wir lassen nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht. Kolosser 1,9

Wann ist meine Fürbitte gefragt? Wenn ein anderer in Not geraten ist. Dort, wo die Kunst der Ärzte am Ende ist, bitte ich um Gottes Hilfe. Dort, wo selbst die besten Rettungsdienste hilflos vor einem Unglücksfall stehen, wende ich mich an einen Höheren, der diese Not noch wenden könnte.

Doch gibt es auch die anderen, bedrückenden Erfahrungen. Unsere Fürbitte scheint nichts zu fruchten. Obwohl in vielen Gebeten Gott um Hilfe angefleht wird, nimmt die Krankheit ihren unerbittlichen Verlauf. Da kann der Glaube an einen helfenden, rettenden Gott ganz und gar ins Wanken geraten. Und noch mehr das Vertrauen daran, ob Fürbitte überhaupt helfen. Und schon sind wir im Zentrum der Bitten des Paulus für seine Gemeinde der Kolosser angelangt.

Worum bittet der Apostel? Nicht um Glück und Erfolg im täglichen Leben, auch nicht um Gesundheit und Brot, Arbeit und sozialen Frieden. Er bittet auch nicht um Hilfe in den täglichen Nöten, die diese Gemeinde zu tragen hatte. Sondern er bittet für sie um geistliche Weisheit und Einsicht. Wieso das?

Wann immer das Leben anders verläuft als wir erhoffen, geraten wir in eine Krise. Wenn Lebenswirklichkeit und Lebenswünsche auseinandertreten, dann ist eine andere Fürbitte gefordert. Nicht um Besserung des Lebens gilt es zu beten, sondern wie Paulus um geistliche Einsicht und Weisheit in das Unvermeidliche.

Einsicht: Manchmal ist es die Natur, die ihr Recht fordert. Dann kann es das Schicksal sein, das so unabwendbar abrollt. Oder es ist eine Entscheidung, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt: kurz das Unabwendbare, das Unvermeidliche, das Unumgängliche im Leben! Das lässt sich nicht mit Fürbitten aus der Welt schaffen. Aber ich kann einsehen lernen, dass ich es hinnehmen muss. Paulus bittet darum, dass die Kolosser den Willen Gottes erkennen und zu geistlicher Weisheit und Einsicht kommen."

Zur Einsicht gehört dann auch die Weisheit, die sich in das Verfügte einfügen kann. Deswegen beten wir ja im Vaterunser: "Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden!" Ich will nicht vorschnell aufgeben. Im Gebet bin ich bereit, Gott alles abzuringen. Aber dennoch will ich so weise sein, dass ich mich in das Verfügte einfüge. Dahinter steht ja ein wunderbares Bild von einer Mauer, in die einzelne Steine so eingesetzt werden, dass sie nur eine schmale Fuge trennt. Von den Mauern des Inkabaus in Machu Picchu/Peru berichtet man (Johanniterschwester Heidi Nürnberger ist häufiger dort), dass sie so passgenau zusammengefügt sind, dass nicht einmal eine Messerklinge dazwischen passt. So will Gott mein Leben in seinen großen Bau einfügen. Wenn ich das erkenne und mich dem beuge, dann bin ich wirklich weise. Wo brauche ich heute die Fürbitte eines Paulus, damit auch in mir Weisheit und Einsicht wachsen und ich das Leben hinnehmen kann?

Johanniterschwester Silke Kloppenburg-Grote

(nach ERF Plus, christliches Radio, 28.10.2013, Kolosser 1,9, Pastor Dr. Georg Gremels)

Foto: Vivian Weber

"Es sind viele Glieder, aber der Leib ist einer" (1. Korinther 12.20)

So fing es an: Jesus gibt, was er hat. Seinen Glauben, seine Liebe, seine Hoffnung, sein ganzes Leben. Und er findet Menschen, die sich auch heute einladen lassen, den Stil seines Lebens zu leben. Sie hören: komm! Und sie kommen und erleben, dass sie nicht mehr alleine sind. Sie schauen sich um und stellen fest, dass da noch viele sind, sehr Unterschiedliche: helle Köpfe und finstere Gesellen, Lebenshungrige und Lebensmüde, Insichgekehrte und Strahlemänner, gewitzte Kerle und Sauertöpfe, Alte und Junge, Frauen und Männer. Sie alle haben sich einladen lassen. Sie alle gehören dazu. Wir auch!

So ist es, wenn wir z. B. das Abendmahl feiern. Wer gemeinsam isst und trinkt, der kann auch mit den anderen lachen und weinen. Indem wir essen, was Christus uns anbietet, werden wir das, was wir essen: sein Leib. Und so bleibt der, der uns einlädt, mitten unter uns lebendig. Wir sind das, was wir von ihm empfangen haben: sein Leib. Keiner darf fehlen, keiner darf draußen bleiben, keiner abgewiesen werden. Nur zusammen sind wir, was Christus uns gibt: ein Leib, sein Leib.

Jeder Einzelne ist ein Teil davon. Unsere Sympathien schwanken. Unsere vernünftigen Gründe für ein gemeinschaftliches Leben werden ausgehen, weil sich jeder Vorrat an zwischenmenschlicher Gemeinschaft eines Tages erschöpft. Unsere Antipathien und Vorurteile, unser Können und unser Fehlen und nicht zuletzt unser Eigensinn und unsere Eitelkeiten - sagen wir's ruhig: unsere Sünde wird uns immer wieder trennen.

Aber wir gehören zusammen als Christen, als Johanniterschwestern, als Ordensmitglieder. Wenn Christus einlädt, dann entsteht Gemeinschaft, aus vielen Gliedern ein Leib.

Als Gäste an Jesu Tisch - das ist das Bild für die "Gemeinschaft der Heiligen", die der Vergebung der Sünden bedarf, so wie wir es im Glaubenskenntnis ausdrücken- erfahren wir: das Leben muss nicht bleiben, was es eben ist. Mein Leben kann anders werden. Ich kann anders werden. Ja, vielmehr noch: als Glied des einen Leibes bin ich anders geworden. Ich bin nicht nur der eitle Pfau, der sein Gefieder spreizt und seine Vorzüge vor den anderen darstellt. Ich bin ein Teil der Gemeinschaft, jeder an seinem Platz. Und nur zusammen sind wir, was wir sind: Leib Christi.

Fördermitglied Soeur Ute Hampel

Foto: Vivian Weber

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, wird uns besuchen, das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Lukas LK 1, 78-79 (L)

Menschen für uns da sein lassen.

Wir brauchen Zuwendung, wir brauchen Menschen, die uns Rückhalt geben.

Viele von uns haben gelernt Rückhalt und Zuwendung zu entbehren, dass sie dieses Bedürfnis gar nicht wahrnehmen. Wir sollten lernen uns nicht daran zu hindern, dass auszudrücken, was wir wünschen und brauchen.

Wir bemühen uns nicht darum unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Vielleicht befinden wir uns in Kontakten zu Menschen, die nicht imstande oder nicht bereit sind, zu reagieren. Vielleicht warten die Menschen in unserer Umgebung darauf und wären sogar froh, von uns angetippt zu werden, um dann zu reagieren.

Wenn wir um Hilfe bitten und unsere Wünsche äußern, so besteht die Möglichkeit, dass der andere Mensch merkt, er wird gebraucht. Vertrauen wird aufgebaut und die eigenen Ängste abgelegt.

So als ob ein Licht aufgeht, wenn Zuwendung und Rückhalt auf beiden Seiten unmissverständlich erkennbar wird. Möglicherweise müssen wir auch lernen, einen Tag nach dem anderen, glücklich und zufrieden zu sein, um die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes zu spüren.

Johanniterschwester Gabriele Beyer-Bauer