nach-gedacht

Auf unseren nach-gedacht Seiten können Sie Ihre Gedanken und geistigen Impulse zu ausgewählten Bibeltexten der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine wiedergeben.

Die Idee zu unserer Rubrik „nach-gedacht“ entstand auf dem Schwesterntag im Jahr 2014 in Nieder-Weisel. Die Idee ist es, den Mitgliedern der Schwesternschaft sowie den Freunden und Förderern eine Plattform zu bieten, in der es nicht um den Austausch pflegerelevanter Informationen oder Fachfragen geht, sondern um die spirituellen Bedürfnisse. Es geht darum ausgesuchte Bibeltexte auf sich wirken zu lassen und seine eigenen Gedanken dazu niederzulegen

1. Advent 2021

NT: Ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm.    Lukas 2,25

Simeon mag in der Zeit um Christi Geburt ähnlich erschöpft und entmutigt von den Verhältnissen seiner Zeit und seiner Umgebung gewesen sein wie viele von uns Johanniterschwestern nach 2 Jahren Pandemie. Neben der Römischen Besatzung gab es noch viele andere lebensgefährliche Umstände. Kriegen, Seuchen und Unfällen war man damals schutzlos ausgeliefert und hatte neben der Nachbarschaftshilfe keine sozialen Sicherungssysteme.
Simeon wartete auf den „Trost Israels“ – den angekündigten Messias – und der Heilige Geist war bei ihm.
Zum Beginn der diesjährigen Adventszeit können wir einen solchen Heiligen Geist auch gut gebrauchen. Lassen Sie sich trösten und tun Sie sich während der „Wartezeit“ auf das Weihnachtsfest mal etwas Gutes, das die Seele pflegt und den Geist wieder aufrichtet.
Was wäre das für Sie? Ein duftendes Bad mit Kräuterölen? Ein gutes Buch zum Lesen? Eine Geschichte aus dem „Anderen Advent“ bei einer gemütlichen Tasse Tee?

Johanniterschwester Gela Spöthe

Ewigkeitssonntag, 21. November

Wien Pötzleinsdorf Christkönigskirche
Foto: Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Spr 21,2 „Einen jeglichen dünkt sein Weg recht, aber der HERR prüft die Herzen.“
Röm 16,19 „Seid weise zum Guten, aber geschieden vom Bösen.“

„Das dauert ja noch ewig!!“ Ein normaler Satz, der aber doch so viel aussagt. Jede/r von uns kennt ihn. Warten können – eine Tugend, die so schwer fällt in einer Zeit, da alles sofort verfügbar scheint. Warten auf das Ende einer Schicht, auf den neuen Tag, auf die alt gewordenen Eltern, die nicht schnell genug aus dem Auto aussteigen …. Warten auf Gegenargumente in einer Diskussion, die uns sinnlos scheint, da unsere Meinung ja sowieso richtig ist. Das ist wohl im Buch der Sprüche gemeint mit dem heutigen Zitat.

Menschen waren zu allen Zeiten ungeduldig. „Du musst geduldiger werden!“ „Dauert das lange?“ So ähnlich fühle ich mich recht häufig. Aber ist es nicht doch tröstlich, dass Gott letztendlich das letzte Wort hat und uns den richtigen Weg zeigt – durch Menschen, die uns begegnen, durch Worte der Bibel oder Situationen, die uns einen Umweg oder auch einen Ausweg zum Guten weisen. „Mancher, der sich vor dem Gerichte Gottes zu sehr gefürchtet hat, wird sich in der Ewigkeit ein klein wenig schämen müssen, dass er dem Herrn nicht noch mehr Gnade zugetraut hat.“ So sagt der Theologe J.A. Bengel.

Die Stelle aus dem Neuen Testament, wenn man sie im Kontext liest, ist eine Ermahnung an die Gemeinde in Rom, sich nicht von Irrlehren verwirren zu lassen. Was für ein aktuelles Thema! Bei uns geht es aber meist nicht um Verwirrung, sondern um Nachlassen, um Vernachlässigen unseres Glaubens – bewusst oder unbewusst. Lassen wir das als Vorsatz für den Advent gelten – damit das lange Warten auf das Weihnachtsfest durch Festhalten am Glauben und an guten Werken nicht zu schwer wird.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Johannestag 2021

Von Papst Johannes XXIII wird folgende Anekdote überliefert: Einem jungen Bischof, der sich dem neuen Amt nicht gewachsen fühlte, gab er folgenden Rat: „Mein Sohn, als ich zum Papst gewählt wurde, bin ich so erschrocken von der Würde des Amtes gewesen, und ich konnte eine Zeitlang nicht mehr ruhig schlafen. Einmal bin ich kurz eingenickt. Da erschien mir Engel im Raum, und ich erzählte ihm meine Not. Daraufhin sagte der Engel: "Ach Giovanni, nimm dich nicht so wichtig." Seitdem kann ich wunderbar schlafen.“

Ja so war er, der gute Papst, wie er genannt wird, ein als Papst verkleideter Mensch. Er wollte im alten Gemäuer der Kirchen die Fenster weit öffnen, damit der frische, stets erneuernde, befreiende Geist die Menschen ermutigt, der christlichen Botschaft zu vertrauen, im Heute, im Hier und jetzt zu leben, auch wenn es einem nicht immer leichtfällt. Die letzten Monate haben uns so einiges vor Augen geführt und in Erinnerung gerufen. Nichts ist selbstverständlich, als dass es Wert wäre, dankbar in Blick genommen zu werden.

"Nimm dich nicht so wichtig" - an diesem Satz bleibe ich hängen. Und dann lese ich das Wort, das über den Johannistag gestellt ist: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Joh 3.30)“ Johannes der Täufer weist auf den hin, der das Licht des, meines Lebens sein will. Der Täufer ist es auf jeden Fall nicht, auch wenn es die Menschen glaubten. In seinen Worten wirkte er so kraftvoll, so überzeugend. Und dies machte ihn zu einer Lichtgestalt, an der man sich orientieren konnte. Nach solchen Gestalten sehnten sich die Menschen, und wir tun es auch.

Durch seinen Namen werden wir daran erinnert, wem wir uns alle verdanken: der Gnade Gottes. Unser Leben steht unter dieser großartigen Zusage. Daher wählte eben jener „Giovanni“ diesen Namen für sein Pontifikat aus. Und dann stellt sich gerade für uns als Johanniter die Frage, wie diese Gnade, dieses Geschenk, in dem „Dienst an den Herren Kranken“ Gestalt annimmt. Und mit den „Herren Kranken sind nicht nur die Patientinnen und Patienten gemeint, sondern auch wir selbst als Gemeinschaft unter dem achtspitzigen Kreuz.

„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, heißt nicht, dass ich mich unsichtbar zu machen habe in dem, wer und was ich bin, sondern dass ich diesen Jesus, von dem Johannes Zeugnis ablegt, in meinem Leben wahrnehme, mich ihm zuwende und mit ihm meinen Lebensweg gehen möchte, denn Jesus selbst ist es, der mich wahrnimmt, sich mir zuwendet und mich begleitet. Und so wird dies zum Dreiklang unseres johanniterlichen Dienstes an den uns anvertrauten Menschen: Wahrnehmen- Zuwenden –Begleiten. Und der Glaube an dieses großartige Geschenk Gottes an uns wird auf diese Weise zur Einladung, dem Leben immer zu vertrauen, so wie es in dem wunderbaren Bild des Künstlers Werner Zöhl zum Ausdruck gebracht wird. Dieses Bild ist in unserer St. Johanniskapelle direkt gegenüber dem Eingang aufgehängt. Wer sich Jesus, dem Gekreuzigten anvertraut, der nimmt die Einladung an, dem Leben zu vertrauen, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint. Und wir als Johanniter begegnen in unserem Alltag immer wieder genau diesen Menschen in dieser Lebenssituation, sei es als Patient, sei es als Mitarbeiterin.

Bernd Kollmetz, Fördermitglied und Seelsorger in den Johanniter-Ordenshäusern Bad Oeynhausen

Monatsspruch-Juni

Foto: Schwielowsee (Landkreis Potsdam-Mittelmark )

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. (Apg 5,29)
Diese Worte lassen sich so leicht(fertig) aussprechen.
Aber, wenn wir uns einmal ehrlich fragen: wann waren wir selbst in unserer heutigen Zeit schon in der ernsten Situation, dieses Bekenntnis aussprechen zu müssen oder haben wir heute nicht alle Freiheiten, unsere Ansichten so auszudrücken, wie wir sie für richtig halten? Das war nicht immer so.

Von Petrus wird in der Apostelgeschichte berichtet, dass er und die anderen Apostel das Evangelium von Jesus Christus frei in Jerusalem verkündeten und dafür von dem Hohepriester mit Kerkerhaft bestraft wurden. Durch ein Wunder kamen sie aber frei, gingen in den Tempel und predigten weiter. Als das der Hohepriester erfuhr, ließ er sie erneut gefangen nehmen und fragte sie, warum sie seinem Befehl zu schweigen, nicht gefolgt wären. Petrus antwortete: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen"
Wie Petrus geendet ist, wissen wir nicht wirklich. Ob er am Ende in Rom ein sog. Martyrium erlitten hat, ist zumindest exegetisch nicht belegt. Wie viele andere aber für ihr Festhalten an Gott einen noch bittereren Weg gehen mussten, ist uns auch in der neueren Geschichte durchaus bekannt. Oft hören wir in diesem Kontext den Leidensweg von Dietrich Bonhoeffer.
Hier soll aber mal an einen anderen Pfarrer gedacht werden:
Denn in einer ganz ähnlichen Situation wie vormals Petrus befand sich in den 1930iger Jahren, also während der Zeit des Nationalsozialismus, Paul Schneider, ein Pfarrer im Hunsrück. Wahrscheinlich ist der Name (bis auf seine Wirkungsstätte) heute längst vergessen, aber er war ein Zeuge Christi, für den das Wort: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“, Priorität hatte.
Paul Schneider wurde 1897 geboren. Sein Vater war Pfarrer und er wuchs in einer dörflichen Umgebung auf. Nach dem Krieg 1918 entschied er sich für das Theologiestudium. Es fiel ihm nicht leicht, immer nur zu lernen. Viel mehr interessierte ihn das praktische Leben der Arbeiter und so entschied er sich, zwischen dem 1. und 2. Examen eine Zeit in einem Bergwerk unter Tage und am Hochofen Seite an Seite mit den Kumpels zu arbeiten. Diese harte Zeit brachte ihm viele neue Erkenntnisse über das oft schwierige Leben der Arbeiter.
1926 wurde er feierlich in seiner ersten Pfarrstelle eingesegnet und konnte endlich seine geliebte Verlobte Gretel heiraten. Er versah seine Arbeit mit großer Hingabe, setzte sich für die Jünglings –und -Jungfrauenvereine ein und bildete viele neue wirklich christliche Jugendgruppen.
Dann kam das Jahr 1933 und schon früh ereigneten sich Zusammenstöße zwischen den Parteibonzen der NSDAP und dem fest im Glauben an Jesus Christus verankerten Paul Schneider. Als die neu gegründeten ‚Deutschen Christen’ mit ihrem ‚Reichsbischof’ von jetzt an das Sagen in der Kirche hatten und ihm vorschrieben, was er zu predigen hatte und was nicht, wehrte er sich 1934 mit den Worten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
Als Strafe versetzte man den „unbequemen“ Pfarrer nach Dickenschied und Womrath in den Hunsrück. Er wurde dort in einem Festgottesdienst eingeführt, doch schon bald folgte der erste Zusammenstoß mit der Partei. Ein Hitlerjunge, den Schneider während seiner schweren Krankheit mehrmals besucht hatte, war gestorben. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung hielt Schneider den kirchlichen Beerdigungsgottesdienst. Danach trat der Kreisleiter der NSDAP nach vorn und sprach davon, dass der Verstorbene nun in den „Sturm Horst Wessels“ aufgenommen sei. Pfarrer Schneider sah sich zur Abwehr dieses Ausdrucks genötigt und sagte: „Ob es einen Sturm Horst Wessel in der Ewigkeit gibt, weiß ich nicht; aber Gott der Herr segne deinen Ausgang aus der Zeit und deinen Eingang in die Ewigkeit.“ Darauf trat der Kreisleiter noch einmal vor und sprach: „Kamerad Karl, du bist doch hinüber gegangen in den Sturm Horst Wessels.“ Auf dies nochmalige Vortreten antwortete Pfarrer Schneider: „ Ich protestiere. Dieses ist eine kirchliche Feier, und ich bin als evangelischer Pfarrer für die reine Lehre der Heiligen Schrift verantwortlich.“ Um in Ruhe noch einmal mit dem Kreisleiter reden zu können, bat er um einen Termin. Er bekam keine Antwort, dafür wurde er abgeholt und kam eine Woche in ‚Schutzhaft’.(Den eigentlichen alten Sinn der Schutzhaft, eine verfolgte Person zu schützen, drehten die Nazis um: der Staat sollte vor einer unerwünschten Person geschützt werden).

Es ist für uns heute kaum noch vorstellbar, wie sehr Hitler und die Nationalsozialisten versuchten, den christlichen Glauben abzulehnen, ihn möglichst lächerlich zu machen. Sie vertraten die Meinung, das Christentum sei im fernen semitischen Orient von einem Wanderprediger ins Leben gerufen  worden, nun aber komme die urdeutsche Seele wieder zu Wort und der Glaube an Jesus Christus sollte einem ‚deutschen Glauben’ weichen. Die Germanisierung der ‚deutschen Seele’ war das Ziel.
Das konnte Paul Schneider nicht hinnehmen. Er trat der Gruppe der ‚Bekennenden Kirche’ bei und fand dort Mitstreiter für das Eintreten der bis dahin geglaubten christlichen Botschaft. Ohne auf die Verbote zu achten, predigte er jeden Sonntag ganz bewusst über Jesus und sein Evangelium. Während seiner Gottesdienste saßen von nun an immer einige SA Leute zwischen den treuen Gemeindegliedern und sorgten für seine Verhaftung. Wieder wurde er verhaftet und kam in Schutzhaft.. Von dort schrieb er im März 1935 in einem Brief an seine Frau: „In Kirchberg (dort war das Gefängnis) war es nicht übel. Mit den Kerkermeistern des Hunsrück schließe ich allmählich Freundschaft wie einst Paulus in Philippi.“
Obwohl seine Gemeindeglieder in großer Treue zu ihm hielten, gab es leider auch zwei Kirchenvorsteher, die sich von den Nazis überreden ließen und nun für diese arbeiteten. Schneider versuchte immer wieder mit ihnen zu reden, aber die Gespräche verliefen fruchtlos. Die beiden Männer nahmen sogar weiter am Abendmahl teil, um so immer über alles, was Schneider sagte oder tat, den Nazis berichten zu können.
Da Schneider sich nicht den Mund verbieten ließ, auch wenn er dafür wieder in Schutzhaft kam, wurde ihm schließlich verboten, in seine vertraute Gemeinde zurückzukehren. Ihm wurde als Strafe eine Versetzung in eine andere Gemeinde angeordnet. Doch Schneider spürte Verantwortung für die ihm anvertraute Gemeinde, kehrte zurück und wurde mit großer Freude empfangen. Doch schon am selben Abend wurde er auf dem Weg zu seiner zweiten Gemeinde abgefangen und kam erneut ins Gefängnis. Hier sollte er unterschreiben, dass er niemals wieder nach Dickenschied zurückkehren würde. Schneider weigerte sich mit der Berufung auf die Bindung des Hirten an seine Gemeinde. Damit waren die Würfel gefallen und die Einlieferung ins KZ stand bevor. Seine Frau durfte ihn am letzten Tag noch drei Mal besuchen. Weinend und betend nahmen sie Abschied.
Schneider kam in das berüchtigte Konzentrationslager Buchenwald und musste, wie die anderen, harte Arbeit im Steinbruch verrichten. Sein Glaube wurde trotz der Fronarbeit immer tiefer und leuchtender. Er war darauf bedacht, anderen Mut zuzusprechen und sie zu trösten. Damals (1937) durften die Häftlinge noch von ihren Familien monatlich einen bestimmten Geldbetrag erhalten für den sie in der Häftlingskantine einige zusätzliche Lebensmittel kaufen konnten. Schneider unterstützte mit seiner Ration bedürftige Häftlinge, um sie vor völliger Entkräftung zu bewahren.
Zu Hause trafen sich abends Gemeindeglieder, um mit der Familie für ihren geliebten Seelsorger zu beten. Schneider selbst fühlte sich fest in Gottes Hand geborgen und versuchte, andere Leidensgenossen mit Worten aus der Bibel wieder aufzurichten.
Am 1. Mai 1938 fand auf dem Gelände eine Flaggenhissung statt, an der alle Häftlinge teilnehmen mussten. Nach dem Kommando: ‚Mützen ab!’ behielt Schneider seine Mütze auf. Seinem Kameraden flüsterte er zu: „Dieses Verbrechersymbol grüße ich nicht.“ Nach dem feierlichen Akt ertönte aus dem Lautsprecher der Befehl: „Derjenige Häftling, der die Mütze nicht abgenommen hat, sofort ans Tor"!
Nun begann der eigentliche Leidensweg von Paul Schneider. Bei dem Verhör begründete er freimütig seine Haltung. Nach 25 Stockschlägen wurde er in Dunkelhaft gesperrt. Dort erfuhr er körperliche Qualen durch weitere Schläge, Aufhängen am Fensterkreuz, Essens- und Schlafentzug usw. Dazu hörte er das Schreien aus den Nachbarzellen. Schneider rief aus seiner Zelle heraus morgens und abends, wenn die anderen zum Appell antreten mussten, ihnen .Trostworte aus der Bibel zu. – Diesen unbequemen Zeugen des christlichen Glaubens wollten die Nazis loswerden. Krank und schwach wurde er im Juli 1939 zur "ambulanten Behandlung" ins Häftlingsrevier gebracht. Nachdem er sich etwas erholt hatte, wurde er von dem Lagerarzt durch Giftspritzen getötet. Er durfte in seiner Gemeinde Dickenschied beerdigt werden. Fast alle Dorfbewohner, auch die Katholiken, schlossen sich dem Leichenzug an und begleiteten ihren treuen Seelsorger auf seinem letzten Wege. Die Gestapo (Geheime Staatspolizei), die auch hierbei präsent sein musste, äußerte sich hinterher:„So werden Könige begraben“! - „Kaum“, antwortete der neue Pfarrer, „aber hier ward ein Blutzeuge Jesu Christi zu Grabe getragen.“

Die Geschichte um Petrus hatte damals aber zunächst ein (vorübergehend) besseres Ende gefunden. So berichtet die Apostelgeschichte am Ende dieses Textabschnittes davon, dass Petrus und seine Männer frei gekommen sind.

Gamaliel, ein Lehrer des Gesetzes, vom ganzen Volk in Ehren gehalten und ein anderer Galiläer beruhigten das in Aufruhr befindliche Volk und sagten zu denen, die diese „dreisten“ Männer um Petrus erschlagen wollten: „Lasst ab von diesen Menschen und lasst sie gehen! - Ist dies Vorhaben oder dies Werk von Menschen, so wird’s untergehen; ist’s aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten – damit ihr nicht dasteht als solche, die gegen Gott streiten wollen.“(Apg 5, 38ff) Ein wahrlich weiser und durchaus hoffnungsvoller Spruch.

Alle persönlichen Zitate sind dem Buch „Paul Schneider - Der Zeuge von Buchenwald“, von Rudolf Wentorf (Brunnen-Verlag GmbH; 1967, 2. Aufl. Edition 1. Nov, 1994) entnommen.

Helga Reiter (Mutter von Fördermitglied Andreas Reiter)

Pfingstsonntag 2021

Foto: Gela Spöthe

AT:König Nebukadnezar sprach:Ich pries und ehrte den, der ewig lebt, dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für und für währt.  Daniel 4,31-32

„Der Heilige Geist wird über uns ausgegossen“
Mit dem Pfingstwunder konnte ich als Kind wenig anfangen. Was soll man schon glauben von so ein paar Verrückten, die plötzlich in vielen verschiedenen Sprachen durcheinanderreden!
Inzwischen weiß ich zu schätzen, dass der „Heilige Geist“ die gute Gelegenheit ist, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, mal auf neue Ideen zu kommen, kreativ zu werden und auch mal den schrägen Eingebungen zu vertrauen.
Ganz hiesig und heutig wünsche ich mir dazu, den Kopf frei zu behalten für neue Vorstellungen und Lösungen in meinem „Alltagstrott“. Die Pandemie lehrt uns gerade, dass plötzlich Dinge geschehen, die noch lange nicht möglich schienen. Wir entdecken dabei auch neue Formen und Wege, die ebenso gut oder besser funktionieren als die, die wir vorher für „alternativlos“ und selbstverständlich hielten.

Deshalb singe ich inzwischen gerne mal ein Pfingstlied.

Steh uns stets bei mit deinem Rat
und führ uns selbst auf rechtem Pfad,
die wir den Weg nicht wissen.
Gib uns Beständigkeit,
dass wir getreu dir bleiben
für und für, auch wenn wir
leiden müssen. Schaue, baue,
was zerrissen und beflissen,
dich zu schauen
und auf deinen Trost zu bauen.

(aus: O Heiliger Geist, kehr bei uns ein, EG 130)

Johanniterschwester Gela Spöthe

Monatsspruch im Mai

Foto: Monika Eilhardt

„Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen.“ Spr.31,8

Zuerst interessiert mich, wer denn da an wen diesen Appell richtet und ich erfahre: es ist eine Mutter, die ihrem Sohn der König ist, diese eindringlichen Worte zuspricht. Eine kluge Frau, die ihrem machtvollen Sohn diesen Auftrag mit in seine Regentschaft gibt. Sie sagt ihm, er soll Verantwortung übernehmen und er soll Unrecht erkennen. Eine Mutter traut ihrem Sohn etwas zu, sie weiß, er hat die Macht die Stimme zu erheben und sie fordert ihn auf, dies im besten Sinne zu tun, nämlich für die, die nicht sprachfähig sind. Was macht diese Aufforderung mit mir, wo sehe ich die Ähnlichkeit zu meiner Situation? Bin ich mächtig, hört mir jemand zu? Ich denke Ja. Und um mich herum gibt es viele Menschen, die ebenfalls die Macht haben, die Stimme zu erheben. Menschen, die in Führungspositionen arbeiten, Menschen, die sich in Netzwerken organisieren (so wie die Schwesternschaft) und Menschen, die mit einem Sprachgeschick gesegnet sind. Gehen wir verantwortungsvoll mit dieser Macht um? Nutzen wir sie wirklich für die Stummen und die Schwachen oder nutzen wir sie nur um unsere Macht zu mehren? Und weitere Gedanken kommen mir in den Sinn: Was ist, wenn ich zu viel rede? Wenn ich den Stummen und Schwachen unterdrücke und nicht zu Wort kommen lasse? Schwäche ich diese Menschen nicht noch mehr? Zuerst also sollte ich wohl zuhören, auf den Stummen und den Schwachen zugehen, herausfinden, was er braucht, erfahren, was seine Lösung wäre. Erst im nächsten Schritt öffne ich meinen Mund und gleichzeitig suche ich nach Möglichkeiten den Stummen und Schwachen zu stärken, ihn wort- und sprachfähig zu machen. Ich möchte mir für diesen Monat vornehmen meinen Mund zu öffnen und den Mut zu haben für andere Menschen zu sprechen. Und ich möchte Menschen ermutigen sich zu Wort zu melden.

Johanniterschwester Marita Neumann

Ostersonntag - 04. April 2021

Liebe Johanniterschwestern und liebe Interessierte,

wie finden Sie das Bild? Ich trat im Sommer in eine leere Kirche. Draußen war es sehr warm und im Innenraum der Kirche angenehm kühl. Durch die kleinen Kirchenfenster fiel ein wohlig warmer Lichtschein. Mein Herz machte einen Sprung als ich die vielen freundlichen Gesichter der Smilys sah, die alle samt freundlich darauf hinwiesen, dass es Platz für mich gab, mitten unter Ihnen. Alles in gesundem Abstand und dennoch nah und dennoch mit anderen, so konnte man es sich jedenfalls vorstellen. Ja, nicht echt, aber in der Vorstellung eine feine Sache. Glaube in diesen Tagen ist so verletzlich, all der verlässliche Halt in jahrhundertealten Ritualen muss sich dem beugen, was uns so verletzlich macht. Nähe. Gemeinschaft. Verlässlichkeit des Wortes, der Tat. Beugen, ja, beugen muss sie sich die Nähe, aber fort ist das alles nicht, einfach anders. Aber anders ist so unheimlich, keiner weiß ob es gut ist, keiner weiß ob es sich behaupten kann und anders, verstehen wir nicht gleich. Rituale sind wie eine Bank, sie sind die Regel und die Regelmäßigkeit in sich. Nach Ihnen zu handeln heißt sich in bekanntem Rahmen zu bewegen, im Vertrauen auf das ewig Wiederkehrende.

Jetzt fehlt es so, dass Gewohnte, es sehen, es spüren und dennoch ist es da…

Vertrauen hatte Jesus auch, Vertrauen auf den Vater, nicht aber ohne Zweifel an ihm. Er hatte schwer an den Zweifeln um Vertrauen und Liebe zu tragen. Vertrauen trotz Verrat, trotz Schmerz, trotzdem alles so anders war, als man es vermuten durfte. Vertrauen in den Vater, weil seine Liebe unumstößlich und wunderbar ist. So sehr, so tief, dass Schmerz, Trennung und Tod nichts ausrichten konnten, außer dass er sich beugen musste. 
NT: Jesus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Johannes 14,19

Vom Geist der Wahrheit
Nein, ich lasse euch nicht als hilflose Waisen zurück. Ich komme wieder zu euch. 19 Schon bald werde ich nicht mehr auf dieser Welt sein, und niemand wird mich mehr sehen. Nur ihr, ihr werdet mich sehen. Und weil ich lebe, werdet auch ihr leben.

Jesus Glaube an die Liebe Gottes hatte alles überwunden, die Furcht, den Schmerz selbst den Tod. So kann er uns zurufen: Ihr sollt auch leben! In unserem Bekenntnis zu Gott und seiner nicht endenden Liebe für alle, die Zweifler, die Liebenden, die Verlassenen, die die suchen und die die gefunden haben, allen, die im Namen Gottes ein Leben führen und vergeben und vertrauen, mit ihm über den Tod hinaus…

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen Ihre 
Regionalschwester Yvonne Emde 

 

Judika - 21.03.2021  

Foto: Monika Eilhardt

Die Losungstexte sprechen in dieser Woche von der Schöpfung.  Wie passend – rund herum erleben wir gerade, wie die Schöpfung nach ihrem Winterschlaf wieder aufwacht.  Der Johannestext betont Sinn, Gedanken und Bedeutung: „Am Anfang war das Wort…“.  

Ich bin ein Kind meiner Zeit. Die Astrophysik meiner Zeit geht von dem Ursprung der Welt mit dem Urknall aus. Mir gefällt, dass es in Johannes‘ Beschreibung mehr um den Respekt vor der entstandenen Schöpfung geht, eben nicht um den genauen Ablauf der Entwicklung. Ich kann mir also viel mehr darüber Gedanken machen, wie wir die Natur und Schöpfung pflegen und erhalten können. Und dafür gibt es allerdings eine Menge zu tun!

Regionalschwester Gela Spöthe

Latäre - 4. Fastensonntag

Foto: pixabay

„Freuet Euch“ heißt der Name dieses Sonntags (14.03.) in der Passionszeit.  Der Ursprung bezieht sich auf eine Stelle aus Jesajas Prophetenworten, die lautet: „Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über sie alle, die ihr sie liebhabt! Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom“ (Jes 66, 10.12).

Den Aufruf, mich zu freuen, kann ich gerne oft mal wieder hören. Ich freue mich gerne! Und es gibt bei genauerer Betrachtung immer wieder viele Dinge und gute Gründe, sich über etwas zu freuen. Das gute Wetter, die ersten Frühlingsknospen und Blüten, ein Lächeln von Menschen, die mir begegnen, eine schnurrende Katze …  und noch vieles mehr.

Über was freuen Sie sich gerne? Und über was haben Sie sich heute schon gefreut? Bestimmt fällt Ihnen auch spontan etwas dazu ein.

Regionalschwester Gela Spöthe

Okuli

Foto: Christine König

Der Name dieses ersten Sonntags im März „Okuli“  bedeutet soviel wie „Augen“  und bezieht sich ursprünglich auf „meine Augen richte ich immer auf den Herrn“ (in Ps. 25,15).

In der Mitte der Fastenzeit soll uns dieser Sonntag vielleicht daran erinnern, auf wen wir vertrauen dürfen. Angesichts der Fastenzeit wird darunter auch verstanden, dass man sich der Nachfolge Jesu bewusster wird und gleichzeitig von Annehmlichkeiten und Gütern einmal Abstand nimmt.

Fasten in Coronazeiten? Wir verzichten derzeit auf Vieles, was uns sonst selbstverständlich war. Auf Einkaufen von neuen Gütern und Reichtümern zu verzichten, ist dabei die geringste Übung. Es gibt noch andere Verzichtübungen, die Menschen während der Fastenzeit leisten. Das kann für einige der Verzicht auf Alkohol, Rauchen oder Süßigkeiten sein, für andere die bewusste Reduktion von klimaschädlichen Verhaltensweisen.

Die Entscheidung, von was ich mich beim Fasten mal bewusst zurückhalten will, ist individuell. Eine besondere Erfahrung kann es werden, wenn mir bewusst wird, dass ein bestimmter Verzicht mir schwer oder leicht fällt und ich vielleicht sogar dauerhaft auf etwas verzichten kann.

Regionalschwester Gela Spöthe

Monatsspruch zum 01. März 2021

Foto: Gela Spöthe

Jesus antwortete:

Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. LK 19,40

Diesen Spruch aus Lukas 19,40 lasse ich so stehen und biete „das Gebet des Herrn“ an.

Das Vater unser gibt uns Zuversicht und Trost in allen Lebenslagen:

„Vater unser im Himmel,geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Regionalschwester Gabriele Beyer-Bauer

 

Reminiszere - 2. Sonntag in der Passionszeit

Das Vertrauen ist das Fundament des Lebens. Ein Leben ohne Vertrauen ist unvorstellbar; es wäre beschädigt. Sei es im großen Geschäft der Politik oder im kleinen überschaubaren Lebensbereich des Miteinanders im Beruf und in der Familie. Und wer will leugnen, dass gerade jetzt in der Zeit der Pandemie die Bereitschaft vertrauen zu wollen, besonders gefordert ist. Da heißt es, einen langen Atem behalten; nicht müde werden. Besonders wichtig scheint, sich jetzt nicht der Angst hinzugeben, sondern geduldig den Blick nach vorne wagen. Denn das Gegenwort zu Glauben, zu Vertrauen, ist nicht Misstrauen, sondern Angst.

Vertrauen ist die Grundhaltung dem Leben gegenüber. Hoffnung und Liebe wachsen aus dieser hervor. Gerade wir als Johanniter begegnen Menschen, unseren „Herren Kranken“, denen das Leben z.B. durch eine schwere Krankheit übel mitspielt. In solchen Momenten fällt es schwer, diese Grundhaltung sich zu bewahren. Da wird es schwer mit der Ermutigung, dem Leben weiter zu vertrauen. Der Philosoph Josef Pieper hat darauf verwiesen, dass nur dann von Vertrauen gesprochen werden kann, wenn durch all die Erfahrung der Enttäuschungen hindurch dennoch, ohne Wenn und Aber, vertraut, geglaubt wird. Wie soll das gehen? Ist das nicht eine Zumutung?  Ja, es ist eine! Glauben ist eben nichts für Feiglinge.

Der 2. Sonntag in der der Passionszeit heißt: Reminiszere: Denk daran: Vergiss nicht. Wir sollen uns daran erinnern lassen, dass wir auf unseren Weg durch die Zeit Gott an unserer Seite wissen dürfen, auch wenn wir durch manches finstere Tal der Angst, Sorge und Not wandern müssen. Und so heißt es in der Losung:“ So fürchte dich nun nicht mehr, denn ich bin bei dir.“ (Jes. 43,5) Mit diesen Worten macht der Prophet Jesaja, im Auftrag Gottes, seinem Volk Mut, angesichts der Lebenswirklichkeit, der Gefangenschaft und ohne Perspektive, die alles in Frage zu stellen scheint, dem Leben zu vertrauen. Und das heißt: Gott ist mitten in Deinem Leben. Er erhält nicht nur dein Leben, er hält Dich im Leben. So wächst aus der Urkraft des Vertrauens Leben. Wir mögen dann von allen Seiten bedrängt und verfolgt werden, wie es bei „Kor4,8f. heißt, aber wir werden letztlich bewahrt durch Gottes Zusage und Gegenwart.

Reminiszere: Gedenke; lass dich daran erinnern, dass Du dem Leben vertrauen darfst angesichts der Unsicherheiten des Lebens. Oder wie hat es Carl-Friedrich von Weizsäcker ermutigend ausgesprochen: „Die tiefste Erfahrung des Menschen ist nicht der Mensch, sondern Gott.“

Fördermitglied Bernd Kollmetz
Seelsorger in den Johanniter-Ordenshäusern Bad Oeynhausen

 

Invokavit - 1. Sonntag der Passionszeit

Foto: Gela Spöthe

AT: Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Psalm 102,26
NT: Jesus Christus wird euch auch fest machen bis ans Ende. 1. Korinther 1,8

Die beiden Texte des Alten und des Neuen Testaments drücken in meinen Augen Zusagen aus, die uns in unruhigen und ungewissen Zeiten durchaus gut tun können. Der Boden ist sicher, der Boden ist fest gegründet, erleichtert Standfestigkeit und Bodenhaftung.

Das ist besonders nötig, wenn gerade der Boden „schwimmt“, weil zu viele Patienten gleichzeitig in die Intensivstation kommen und die Pflegenden selbst unter Quarantäne und Personalausfällen zu leiden haben. Man muss kurzfristig die Schichten besetzen und Patienten in kritischen Situationen verantwortungsvoll betreuen. Dafür braucht man ständige Konzentration und Aufmerksamkeit, Gründlichkeit und mehr Zeit als sonst für Isolation und Hygieneschutzmaßnahmen. Manche geraten an den Rand der Erschöpfung. Es kostet Energie, sich immer wieder aufzuraffen, Mut und neue Kraft für den nächsten Tag, den nächsten Dienst, den nächsten Einsatz zu schöpfen.

„fest machen“ kann andererseits nicht bedeuten, sich abzustumpfen oder abzuhärten. Gemeint ist vielmehr die persönliche Stabilität, in der Komplexität des Alltags beide Beine sicher auf dem Boden zu haben, einen kühlen Kopf, Mut und Zuversicht zu behalten. Diese Zusage wünsche ich allen Mitschwestern, die zurzeit im „Dienst an den Herren Kranken“ aktiv sind.

Regionalschwester
Gela Spöthe

 

Monatsspruch Februar

Foto: Gela Spöthe

„Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“. 
  Lukas 10,20

Der Monatsspruch erinnert uns an einen zentralen Punkt christlichen Glaubens. Die Freude, die zum Leben gehört, ist ein Geschenk, eine Frucht des Glaubens. Es ist gut, dass der Grund zur Freude, im Himmel zu finden ist.

Der Monatsspruch ist ein Vers aus einer Geschichte, in der Jesus 72 Jünger je zu zweit ausgeschickt hat. Ohne große Vorbereitung, ohne irgendwelchen Besitz sollen sie Gewaltiges vollbringen:

Kranke heilen, den Frieden Gottes zu den Menschen bringen. Und diese Menschen, die in ihrem bisherigen Leben alle etwas anderes getan haben, kommen zurück und haben Gewaltiges bewegt. Sie haben nicht nur Kranke geheilt, sondern auch Geister und Dämonen ausgetrieben. Die 72 kommen voll Freude zurück, Grund haben sie genug.

Und Jesus sagt zu den jubelnden, fröhlichen Jüngern: „Darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Der Grund unserer Lebensfreude liegt nicht in dem Großartigen, was wir in der Welt vielleicht zu Stande bringen, er liegt immer schon verborgen in uns selbst. Ein jeder von uns ist einmalig und unverwechselbar. Und es ist geradezu ein Kennzeichen Gottes, dass er einen jeden von uns mit Namen kennt. Unser Name kann nicht vergessen werden, denn wir sind - um es biblisch zu sagen – eingeschrieben im Buch des Lebens. Das ist eine Würde und die kann uns niemand nehmen.

Oberin Gabriele Beyer-Bauer

 

1. Sonntag im Januar

AT: Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen. Jesaja 58,10
NT: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

Das neue Jahr hat gerade angefangen. Wir stecken noch mitten in der Corona-Pandemie, die es in diesem Jahr zu bewältigen gilt. Das Virus hat sich erheblich ausgebreitet, so dass wir in den Kliniken und auf den Stationen deutlich die Belastungsgrenzen spüren. Die ersten Impfungen sind gerade erst angelaufen. Die Unsicherheit ist noch weit verbreitet, Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen werden gestellt. Die Menschen überlegen, ob sie sich impfen lassen wollen und wann sie dazu eingeladen werden. 

Auch einige Pflegende überlegen noch. Als berufstätige Pflegende haben wir eine Priorität in der Impfstrategie und sollten diese nutzen. Wir schützen uns gleichzeitig auch unsere Familien, schützen die uns anvertrauten Menschen und haben in der Gesellschaft eine Vorbildfunktion. In dieser Pandemie haben wir es sehr nötig, dass es lichter wird am Ende des Tunnels – dass SEIN Licht aufgehe in der Finsternis. Licht am Ende der Dunkelheit – das wünsche ich uns allen in diesem Jahr.

Regionalschwester Gela Spöthe

 

Jahreslosung 2021

„Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!“(Lukas 6.36)
Barmherzig, welch ein großes Wort. Hört man es, so denkt man unweigerlich an sehr bekannte Gebete und Gesänge.

Aus dem Lateinischen übersetzt, kommt das Wort „Barmherzig“ von „misericors“.  „Miser“ = arm (sein) und „Cordis“ = Herz „Ein Herz für die Armen haben“

Wir werden also über die Jahreslosung aufgefordert, so wie unser Vater ein Herz für die Armen zu haben. Dabei denken wir schnell an Spenden für die vielseitigsten Projekte in dieser krisengeschüttelten Zeit, aber das klingt doch zu einfach, oder? Viel interessanter ist es doch einmal darüber nachzudenken woran man, arm sein kann. Beginnt man das in einer Aufzählung, so wird schnell klar, wie unendlich arm wir sein können. Arm an aufrichtiger Liebe, arm an mangelndem Interesse für Probleme, arm an Hoffnung, arm an Trost, arm an normalen Gesprächen und arm an Glauben, arm an Mitgefühl, arm an sozialem Netzwerk, arm an Ideen, arm an Weitblick… die Liste könnte unendlich lang werden.

Aber machen wir uns diese Punkte im Einzelnen einmal deutlich, dann tragen sie im Verborgenen eine Botschaft, sie weisen hin auf die Lösung und die liegt bei uns Menschen, bei uns Christen! In unser aller Barmherzigkeit lässt sich das Herz eines einsamen Menschen doch berühren, ein Gespräch führen und eine Idee gemeinsam entwickeln. Der Impuls ist nicht das Verharren auf Barmherzigkeit durch Gott, nein es ist unser aller Streben, die Barmherzigkeit zu leben, so wie Gott es vorlebt. Kein Verurteilen, kein Ende der Liebe, keine Vorgabe zur Lebensbewältigung, freier Wille, eigene Verantwortung und das ständige Streben nach bewusster Nächstenliebe. Schau Dich um und sei barmherzig mit den Armen, öffne Dein Herz auch für das was unabänderlich erscheint, denn Du bist nicht allein und auf Gottes Spuren…!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, für dieses neue Jahr ein zartes Gespür für die Armut dieser Zeit, die im Getöse des momentanen Geschehens nur durch unsere offenen Herzen gesehen werden kann.

Ihre Regionalschwester Yvonne Emde