nach-gedacht

Auf unseren nach-gedacht Seiten können Sie Ihre Gedanken und geistigen Impulse zu ausgewählten Bibeltexten der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine wiedergeben.

Die Idee zu unserer Rubrik „nach-gedacht“ entstand auf dem Schwesterntag im Jahr 2014 in Nieder-Weisel. Die Idee ist es, den Mitgliedern der Schwesternschaft sowie den Freunden und Förderern eine Plattform zu bieten, in der es nicht um den Austausch pflegerelevanter Informationen oder Fachfragen geht, sondern um die spirituellen Bedürfnisse. Es geht darum ausgesuchte Bibeltexte auf sich wirken zu lassen und seine eigenen Gedanken dazu niederzulegen

Johannistag

Foto: privat

Liebe Johanniterschwestern und Johanniter,

ich lade Sie zu einer Gedankenreise ein, inspiriert durch das Johannesbild in der St. Johanniskapelle in Bad Oeynhausen.
Wenn ich die Kapelle betrete, tritt er aus der Ferne, nicht nur räumlich, sondern zugleich auch zeitlich, mir entgegen und schaut mich an: Johannes der Täufer, Schutzpatron des Ordens. Sein Blick ist intensiv, ich bin gemeint! Gerade in unserer Zeit fällt auf, dass es uns im Alltag schwerfällt, einander in den Blick zu nehmen; aber so wichtig für unsere Arbeit.
Seine linke Hand ist geöffnet, als ob er mich an die Hand nehmen möchte. Wie wohltuend ist diese Geste, gibt sie mir doch das Empfinden: hier bist DU willkommen. Dies ist der Ort, der mich darin erinnern will. Bei aller Fremdheit, die gerade durch eine Erkrankung hervorgerufen werden kann, bin ich nicht entwurzelt, gibt mir diese einladende Geste die Gewissheit, nicht in Raum und Zeit verloren zu sein. Dies ist schon ein Hinweis darauf, wozu der Glaube mich jeden Tag, an jedem Ort ermutigt: lass dich vom Leben einladen, selbst wenn es schwerfällt.
Ich nähere mich dem Bild und entdecke, dass unter der einladenden Hand Szenen des alltäglichen Lebens dargestellt sind. Häuser, eine Fabrik, eine Kirche. Der Glaube ist dort zuhause, wo der Alltag seinen Platz hat und die Kirche mitten drin; nicht abgehoben, geschützt, sondern auf gleicher Ebene, mitten drin. Und ich entdecke, dass der Alltag auch andere Facetten kennt als nur Arbeit, Privates, sonntägliche Ruhe. Eine Menschengruppe wendet sich einem Kranken auf einer Trage zu und versorgt ihn. Ebenso unterstützen zwei Personen jemandem beim Erlernen des Gehens. Auch diese Erfahrung wird Mitten im Leben gemacht und berührt ebenso das Vertrauen, den Glauben. Ich ahne: Glauben ist nichts für Feiglinge. Der Glaube will durch den Alltag getragen werden; er trägt aber auch durch den Alltag.
Und dann erblicke ich die rechte Hand, die auf das Kreuz hinweist. Diese Sicht ist vertraut: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Joh. 3,30).  Der Alltag kennt auch dies: Krieg, Schuld, Verzweiflung. Dies alles berührt uns seit einigen Monaten besonders. Nicht jenseits des Alltags, sondern mitten drin; nicht nur tausende Kilometer von uns entfernt, sondern in unseren Ängsten und Sorgen, wenn wir unsere täglichen Beziehungen leben: als Lebenspartner, Familienangehörige, in den Begegnungen in unseren Einrichtungen. Der Glaube, der sich an das Kreuz mit dem leidenden Christus festmachen will, ermutigt zum Leben selbst. Und ich entdecke den Hinweis, der mich daran erinnert: die Taufe. Und die gilt bis zum letzten Atemzug. Selbst wenn ich mich wegen meiner Alltagserfahrungen schwer mit dem Glauben tue.
Meine Gedankenreise ist am Ziel. Die einladende Hand dieses Johannes nimmt mich an die Hand und sagt: Vertraue dem Leben, heute und jeden Tag wieder aufs Neue. Die hinweisende Hand ermutigt mich, weiter zu vertrauen, auch wenn alles dagegenspricht.
Und bei dieser Gedankenreise nehme ich ein Souvenir mit: Der Glaube hält mich nicht nur am Leben, sondern im Leben zu bleiben. Und dies wollen wir den uns anvertrauten „Herren Kranken“ jeden Tag als geistiges Souvenir mitgeben.

Fördermitglied Bernd Kollmetz
(Seelsorger in den Johanniter-Ordenshäusern Bad Oeynhausen)

 

Pfingstmontag

Foto: privat

AT: Der HERR erforscht alle Herzen und versteht alles Dichten und Trachten der Gedanken. 1. Chronik 28,9

NT: Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. 1. Johannes 4,13

König David gibt seinem Sohn Salomon den Auftrag, Gott ein Haus, einen Tempel zu bauen. Ein Riesenprojekt, denn die geistliche Existenz des Volkes Israel hängt daran. Der Bauherr soll mit ganzer Seele bei der Sache sein, denn es geht ja nicht um irgendein Bauwerk. Wenn man es in Kombination mit dem Johannesbrief sieht, dann stellt sich für uns heute eine große Frage: Sind wir mit Herz und Seele bei all unseren Unternehmungen und Projekten mit dabei? Erkennen wir, dass Gott immer mit uns ist, in einer Gemeinschaft, die nicht zu trennen ist? Der Geist, der uns zu Pfingsten zugesprochen wird, stärkt uns. Er ist kein Sturm, der uns schwanken lässt oder gar fallen, sondern ein Säuseln (wie es der Prophet Elija erfahren hat), ein Windhauch, der beständig weht und uns frische Luft, einen klaren Verstand und Einsicht schenkt. Das Bild aus meiner Pfarrkirche symbolisiert den Sinn des Pfingstfestes: der Geist kommt von oben, aber er attackiert nicht, sondern er umhüllt das kleine Haus rechts auf dem Hügel – als Symbol für die Kirche, die Familie, die Gemeinschaft, die versammelt ist in Seinem Namen.

„Er hat uns seinen Geist gegeben“ so sagt der Johannesbrief. Geist, Gesinnung, „Spirit“ auf neudeutsch… Der vergangene Schwesterntag hat es wieder gezeigt: unsere Gemeinschaft ist getragen, wir sind verbunden untereinander und mit Christus durch den Geist des Pfingstfestes.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Pfingstsonntag

Foto: Heike v. Knobelsdorff

AT: Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Psalm 73,26

NT: Wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin. Römer 8,23-24

„Auf Dich hoffen wir allein – lass uns nicht verloren sein.“ Der letzte Vers von „Großer Gott, wir loben Dich“ fällt mir hier sofort ein. Hoffnung beinhaltet so viel: Vertrauen auf jemanden oder auf etwas, Sehnsucht nach Hilfe, nach Unterstützung, nach Heilung, den Wunsch nach Nähe und vieles mehr.  Gepaart mit der Erwartung, dass das, was wir uns wünschen, auch eintritt. Denn wenn man die Worte des Psalms betrachtet, ist doch deutlich zu sehen, dass der Verfasser absolut darauf vertraut, dass Gott immer an seiner Seite sein wird.

Hoffnung wird in der heutigen Zeit oft heruntergemacht oder sehr stark angezweifelt. „Mach Dir da mal keine Hoffnungen…“ Hand aufs Herz – wer von uns hat diesen Satz noch nie gehört oder vielleicht sogar ausgesprochen? Worauf darf man hoffen? Worauf soll man hoffen? Sollte man denn überhaupt hoffen oder reicht es nicht, einfach nur abzuwarten, was denn da entlang des Lebensweges so passiert? Ich glaube, passives Warten und Dahinleben kann niemals das sein, was Christus von uns will. Natürlich gibt es Situationen, die uns alle Hoffnung zu nehmen scheinen. Und manchmal werden unsere Hoffnungen auch enttäuscht – eine Prüfung geht schief, eine Beziehung endet, der Glaube scheint sinnlos, jemand in der nächsten Umgebung stirbt trotz aller Behandlungen,… Aber: „wir sind gerettet auf Hoffnung hin“, so schreibt der Apostel. Christus ist gestorben und auferstanden, hat uns gerettet, damit wir Hoffnung haben. Damit wir unser Leben aktiv gestalten in einem gelingenden Miteinander und mit ihm als Ziel unseres Lebens über den Tod hinaus. Der Vers des heutigen Psalms diene uns als Ankerpunkt auf diesem unseren Weg.

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn

Läetare - Sonntag, 27. März

Von Victor Hugo stammt der Gedanke: „Die Natur kennt das große Geheimnis und lächelt zurück.“ Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, der wird auf Schritt und Tritt mit der Wahrheit dieser Beobachtung in Berührung gebracht. Und die letzten Tage, als nach langer Zeit des Regens, endlich wieder die Sonne auch bei uns wieder Halt gemacht hat, bestätigt dies sehr eindrücklich. Um im Bild zu bleiben: die Natur ist in Bezug auf das, wonach wir begehren, nämlich alles verstehen zu wollen, souverän: Sie gibt die Antwort nicht preis und wir müssen uns mit eben jenem Lächeln begnügen, so wie die Sonne uns anlächelt und unser Gemüt wohlig stimmt. Das Geheimnis regt zwar zum Nachdenken an, verweist aber allem Bemühen, ihm auf die Spur zu kommen, eine Absage. Und was wäre unsere Welt ohne ihre Geheimnisse? Langweilig.

Auch das Leben kennt seine Geheimnisse. Jeder einzelne von uns trägt mindestens ein Geheimnis in sich. Wir sollten uns davor hüten zu meinen, als könnten wir unserem Gegenüber bis in die tiefste Tiefe seines Wesens erkennen indem, wer bzw. sie ist. Das wäre das Ende einer lebendigen Beziehung. Hinzu kommt: es ist eben jenes nicht auslotbare Geheimnis unserer Existenz, das uns Würde und Unverfügbarkeit verleiht.

In unserem Alltag innerhalb der Johanniter-Einrichtungen machen wir täglich diese Erfahrung. Selbst wenn eine Krankheit diagnostiziert ist, bleibt sie in ihrem Wesen, in dem, was sie sagen will, geheimnisvoll. Gerade darin wird die Erkrankung zu einer Herausforderung. Immer wieder begegnet mir in den Gesprächen mit Patientinnen und Patienten diese Anfrage, diese bohrende Frage: Warum? Ich spüre, dass diese Frage erstmal ausgehalten werden muss.

Vor kurzem las ich den Gedanken: Nicht der Glaube ist das Geheimnis, sondern dass geglaubt wird. Denn vieles, was im Leben passiert, scheint dagegen zu sprechen, vertrauen zu können oder zu wollen. Die Ereignisse in der Ukraine sind solche Momente, die es schwermachen, wenn wir die Bilder der Zerstörung sehen sowie dieses unendliche Leid, das vom zerstörerischen Willen eines Menschen ausgeht. Zugleich spüren wir aber in solchen Momenten, dass, wenn wir aufhören zu vertrauen, das Leben beschädigt wird, Zukunft die beinahe unmöglich erscheint. In der Haltung, glauben zu wollen, behält das Leben das letzte Wort. Für uns Johanniter die wichtigste Haltung im Dienst an den Herren Kranken.

Der Glaube lebt vom Lehrmeister des Geheimnisses: Gott. Der Wochenspruch für Läetare weist darauf hin. Jesus spricht.“ Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Bis heute ist es für die Biologie ein Geheimnis, warum der Same absterben muss, damit aus ihm eine Ähre wächst. Mit diesem Bild gibt Jesus eine Erklärung auf die Frage, warum Gott den Weg des Leidens für uns geht. Die Antwort liegt nicht in einer verstehbaren Erklärung, denn die gibt es so nicht, sondern darin, dass dem Geheimnis vertraut wird. Der Glaube wird zurückverwiesen auf den tragenden Grund: Gott in Jesus Christus.

Die Frage nach dem Warum, die dem Geheimnis seine Existenz immer wieder versucht, streitig zu mache, wird mit dem Geheimnis des Lebens und des Glaubens beantwortet. Ich gebe zu: eine Zumutung, aber eine Zumutung, die Mut macht und das Leben in Bewegung hält. Ich wünsche weiterhin eine gesegnete Passionszeit.

Bernd Kollmetz, Fördermitglied der Johanniter-Schwesternschaft und Seelsorger in den Johanniter-Ordenshäusern Bad Oeynhausen

Judika - 5. Sonntag der Passionszeit

Foto: Elisabeth Kühnelt-Leddihn

AT: Der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel her und sprach zu ihr: Was ist Dir, Hagar? Fürchte Dich nicht; denn Gott hat gehört die Stimme des Knaben dort, wo er liegt. Steh auf, nimm den Knaben und führe ihn an Deiner Hand; denn ich will ihn zu einem großen Volk machen. 1 Mose 21, 17-18

NT: Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit Euren Füßen. Hebr 12,12-13

Die Stelle aus dem Neuen Testament scheint für unsere Gegenwart sehr zu passen; denn wer von uns braucht nicht zwischendrin mal einen Trost, eine Erinnerung an kommende, bessere Zeiten? Der Hebräerbrief wendet sich in seiner Gesamtheit an ebenso müde gewordene Menschen, die nicht mehr das Feuer der unmittelbaren Erfahrung mit Jesus hatten. Menschen, die auf den Messias warteten und die immer wieder hören wollten und mussten, dass Gott sie nicht vergessen hat oder sie verloren gibt. Im Gegenteil: man hört in diesem Text ganz leise „Immanuel“ = „Gott ist mit uns“: Weihnachten gibt hier den Blick frei auf Ostern und auf alles, was darauf folgen wird. Was folgt also hier für uns? Wir sollen Rückschau nehmen auf das Alte, das Erste Testament in der Abrahamserzählung, die so viele Kapitel im Ersten Buch Mose einnimmt. Es ist eine gewaltige, bilderreiche Darstellung der damaligen Verhältnisse, dem Umgang mit Kinderlosigkeit, Leid und Freude von Elternschaft, von Opferbereitschaft, Gottvertrauen, Verzicht und Versprechen. Und ganz zentral der für mich so innige Satz, der die ganze Bibel durchzieht: Fürchte Dich nicht!“  Wir alle haben uns das gegenseitig oder anderen Menschen in unserer Umgebung schon zugesagt: den Kindern beim Gewitter oder Menschen in ausweglos scheinenden Situationen. Und ganz leise vielleicht auch schon zu uns selbst: vor dem Zahnarztbesuch, vor einer schwierigen Teamsitzung, vor einer Bergtour. Was aber ein ganz neuer Denkanstoß sein könnte: auch vor Ostern brauchen wir uns nicht zu fürchten. Nicht vor der düsteren Vorahnung des Palmsonntags, der Dunkelheit des Karfreitags und der Grabesstille am Karsamstag. 

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn 

Monatsspruch März

Foto: Elisabeth Kühnelt-Leddihn

"Hört nicht auf zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen!" Eph 6,18

Jemand muss zuhause sein, Herr,
wenn du kommst.
Jemand Muss dich erwarten, unten am Fluss vor der Stadt.
Jemand muss nach dir Ausschau halten, Tag und Nacht.
Wer weiß denn, wann du kommst?

Jemand muss wachen, unten an der Brücke,
um deine Ankunft zu melden, Herr,
du kommst ja doch in der Nacht, wie ein Dieb.
Wachen ist unser Dienst. Wachen.
Auch für die Welt.
Sie ist oft so leichtsinnig, läuft draußen herum
und nachts ist sie auch nicht zuhause.
Denkt sie daran, dass du kommst?
Dass du ihr Herr bist und sicher kommst? 
(Silja Walter)

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn 

Jahreslosung 2022

Jesus Christus spricht: "Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen".
Johannes 6,37

Zum Erscheinungsfest (Epiphanias) sind die Sternsinger wieder unterwegs. Sie verkleiden sich als die heiligen drei Könige (nach der Überlieferung Caspar, Melchior und Balthasar) und sammeln Spenden für karitative Zwecke. Wo man ihnen öffnet, schreiben sie mit Kreide ihren Gruß an die Tür „*20 C-M-B 22*“.
Damit sind eigentlich nicht ihre Namen gemeint, sondern es bedeutet christus mansionem benedicat  - "Christus segnet dieses Haus".
Dieser schöne alte Brauch ist in katholischen Gegenden weit verbreitet und zunehmend darüber hinaus. Die Sternsinger gehen auch ins Rathaus und in öffentliche Einrichtungen. Wer weiß ....... – vielleicht kommen sie ja auch zu Euch?

Johanniterschwester Gela Spöthe