Stabile Seitenlage ganz international

Oerlinghausen, 21. Juli 2015

Erstversorgung von Unfallopfern übt JUH-Ausbilder Jens Hollmann (2. von links) mit jungen Flüchtlingen aus Afghanistan. Obaid Nawakhth (3. von links) sorgt dafür, dass sprachliche Hindernisse keine mehr sind.

JUH bietet erstmals Erste Hilfe-Kurs für Flüchtlinge

Die Worte „Stabile Seitenlage“ und „Reanimation“ können die jungen Männer aus Afghanistan kaum aussprechen. Gleichwohl beherrschen sie jetzt diese beiden Techniken aus der Ersten Hilfe – und noch einiges mehr.

Hochmotiviert seien die neun Teilnehmer seines Kurses, berichtet Jens Hollmann, Erste Hilfe-Trainer bei der Johanniter-Unfall-Hilfe Lippe-Höxter. Der Regionalverband der JUH hatte sich entschlossen, in der von ihm getragenen Flüchtlingsunterkunft am Flugplatz erstmals einen solchen Kurs speziell für Flüchtlinge zu veranstalten. Der Gedanke lag nahe; schließlich zählt die JUH kreiswert zu den führenden Anbietern von Erste Hilfe-Lehrgängen. Die neun Männer meldeten sich in kürzester Zeit freiwillig. Ein Kurs für Frauen folgt in der kommenden Woche.

Die Sprachbarrieren stellen die zentrale Herausforderung für Jens Hollmann auf der einen und die jungen Afghanen auf der anderen Seite dar. Deutsch oder Englisch beherrschen die Flüchtlinge nicht, beim JUH-Ausbilder sind dagegen die Dari-Kenntnisse mindestens lückenhaft. Obaid Nawakhth schließt diese Lücke als Dolmetscher. Er lebt schon einige Zeit in Deutschland und beherrscht  beide Sprachen perfekt.

Jens Hollmann verzichtet in dem fünfstündigen Basiskurs auf theoretische Grundlagen. Er vermittelt mit der Hilfe seines Dolmetschers die nötigen Kenntnisse lieber anhand konkreter Fallbeispiele. Was ist zu tun, wenn Menschen zusammenbrechen und nicht mehr ansprechbar sind? Wie setze ich den Notruf so ab, dass die Leitstellenmitarbeiter ihn verstehen? Schließlich beherrschen auch die in der Regel kein Dari, die in Afghanistan am weitesten verbreitete Sprache.

Jens Hollmann würde das Angebot gerne fortsetzen, auch in anderen Flüchtlingseinrichtungen. „Erste Hilfe ist schließlich international“, schmunzelt er. „Ich brauche für andere Nationalitäten eigentlich nur einen guten Dolmetscher.“