Erziehungsbeistand
Erziehungsbeistand als Unterstützung für junge Menschen
Wenn Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in ihren Familien Herausforderungen im Alltag erleben, kann ein Erziehungsbeistand Unterstützung bieten. Diese Form der ambulanten Hilfen zu Erziehung richtet sich gezielt an junge Menschen in herausfordernden Lebenssituationen. Unsere Fachkräfte stehen mit praktischer Unterstützung zur Seite, helfen bei Konflikten und begleiten die persönliche Entwicklung. Konkrete Maßnahmen werden individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt.
Was ist ein Erziehungsbeistand?
Ein Erziehungsbeistand unterstützt junge Menschen gezielt in herausfordernden Lebenslagen. Sie konzentriert sich dabei besonders auf den jungen Menschen selbst – natürlich unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes. Das unterscheidet diese Hilfeform von anderen ambulanten Hilfen zur Erziehung, die die gesamte Familie umfassend und langfristig begleitet.
Ein Erziehungsbeistand unterstützt bei Entwicklungsproblemen, hilft bei der Bewältigung von Konflikten im Alltag oder begleitet bei schulischen Herausforderungen. Dabei werden die emotionalen und sozialen Fähigkeiten der jungen Menschen gefördert und sie werden dahingehend unterstützt, Alltagsaufgaben eigenständig zu bewältigen und aufgezeigtes Fehlverhalten nachhaltig zu korrigieren.
Wer vom Erziehungsbeistand profitiert
Besonders relevant ist diese Form der Jugendhilfe für junge Menschen mit folgenden Herausforderungen:
- Schulische oder familiäre Herausforderungen, die ohne Unterstützung nicht zu bewältigen sind
- Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Krisen und der Entwicklung von Perspektiven für die Zukunft
- Psychische Probleme, die den Alltag stark belasten
- Schwierigkeiten, sich im sozialen Umfeld zurechtzufinden oder soziale Beziehungen aufzubauen
- Loslösung von den Eltern bei jungen Volljährigen, die eigenständig leben möchten
- Hilfebedarf zur Entwicklung von Handlungskompetenz und Stärkung des Selbstbewusstseins
Übrigens: Ein Erziehungsbeistand kann auch zusätzlich zu einer sozialpädagogischen Familienhilfe (SpFh) oder als Anschlussmaßnahme nach einer stationären Hilfe zur Erziehung wie einer Wohngruppe zum Einsatz kommen – entweder nach der Rückführung ins Elternhaus oder wenn junge Erwachsene in ihrer eigenen Wohnung bei der Verselbständigung Unterstützung benötigen.
Wann kommt ein Erziehungsbeistand infrage?
So könnte ein Fall eines Erziehungsbeistands aussehen – ein fiktives Beispiel:
Die 15-jährige Pia geht seit Wochen nicht mehr regelmäßig zur Schule. Zu Hause zieht sie sich zurück, Gespräche enden meist im Streit. Die Eltern fühlen sich hilflos und wissen nicht mehr weiter. Sie beantragen Hilfe durch einen professionellen Erziehungsbeistand, denn Pia benötigt aufgrund der belasteten familiären Situation eine externe Vertrauensperson. Die Fachkraft baut eine vertrauensvolle Beziehung zu Pia auf und findet im Gespräch heraus, was sie belastet. Gemeinsam entwickeln sie Strategien, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen unterstützenden Maßnahmen Pia wieder zur Schule gehen kann. Sie arbeiten daran, Konflikte konstruktiv anzusprechen. Dabei bleiben die Eltern stets einbezogen und erhalten ebenfalls Unterstützung im Umgang mit der Situation.
Aufgaben zur Unterstützung junger Menschen
Der Erziehungsbeistand übernimmt vielfältige Aufgaben, um die jungen Menschen individuell in ihrer Situation zu unterstützen.
Zu den Aufgaben des Erziehungsbeistands gehören:
- Gesprächsraum für die Aufarbeitung von Problemen, Ängsten, Krisen und belastenden Erfahrungen bieten, um diese gemeinsam zu bewältigen
- An familiären, schulischen und sozialen Problemen arbeiten und dazu beraten
- Unterstützung bei Behördengängen, damit wichtige Angelegenheiten nicht liegen bleiben
- Bei der Alltagsbewältigung unterstützen, etwa beim Umgang mit Geld, der Organisation des Tagesablaufs oder Haushaltsangelegenheiten
- Gemeinsam Perspektiven für Bildung, Beruf und Freizeit entwickeln, Talente entdecken und Zukunftspläne schmieden
Durch diese umfassende Begleitung werden die Selbsthilfekräfte der jungen Menschen gestärkt und sie werden befähigt, zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit heranzuwachsen.
Mit einem Erziehungsbeistand Ziele erreichen
Bevor die Hilfen zur Erziehung starten, werden im Rahmen des Hilfeplanverfahrens gemeinsam mit dem Jugendamt die zu erreichenden Ziele festgelegt. Dabei wird außerdem entschieden, welche konkreten Inhalte die Begleitung hat und wie lange die Unterstützung dauern wird. So wird sichergestellt, dass die Hilfe genau zur jeweiligen Situation passt.
Mögliche Ziele der Erziehungsbeistandschaft sind:
- Soziale Beziehungen der jungen Menschen aufbauen und stärken
- Konfliktfähigkeit verbessern und den Umgang mit Stresssituationen lernen
- Hilfe bei der Verselbständigung bei älteren Jugendlichen und jungen Volljährigen leisten
- Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl fördern, indem die jungen Menschen ihre Stärken entdecken und Erfolgserlebnisse sammeln
Erziehungsbeistand: Voraussetzungen für die Hilfe
Für die Beantragung eines Erziehungsbeistands müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:
- Eltern, Personensorgeberechtigte oder junge Menschen selbst können einen Erziehungsbeistand beantragen
- Schwierigkeiten in der Erziehung oder der Bedarf nach enger pädagogischer Begleitung liegen vor und erfordern individuelle Unterstützung
- Ein Erziehungsbeistand wird vom Jugendamt als geeignete und notwendige Maßnahme eingestuft
- Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit von und mit allen Beteiligten liegt vor
Der Antrag auf Hilfen zur Erziehung erfolgt über das zuständige Jugendamt. Dort wird die Situation geschildert und gemeinsam beraten, ob ein Erziehungsbeistand infrage kommt. Wie bei allen Formen ambulanter Hilfen zur Erziehung übernimmt das Jugendamt die Kosten.
Unsere Standorte
Wir Johanniter sind deutschlandweit für Sie da – sowohl mit ambulanten als auch mit stationären Angeboten.