MDK-Prüfung: Wenn der Gutachter kommt

Im Alter fällt es zunehmend schwer, den Alltag allein zu bestreiten. Wird ein Mensch pflegebedürftig, kann er Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung erhalten. Dafür muss zunächst überprüft werden, ob eine Pflegebedürftigkeit in deren Sinne besteht und wenn ja, welcher Pflegegrad vorliegt.

Um den Pflegegrad festzustellen, schickt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) einen Gutachter vorbei. Er besucht den Pflegebedürftigen in seinem Zuhause und verfasst danach ein Gutachten, in dem er der Pflegekasse einen Pflegegrad empfiehlt. Der Pflegegrad gliedert sich in fünf Stufen: Je höher der Pflegegrad, desto höher sind die Leistungen, die bezogen werden können.

Da dieser Besuch so einen großen Einfluss auf die Versorgung der Pflegebedürftigen hat, sollte man sich gut darauf vorbereiten. Wir haben ein paar hilfreiche Tipps zusammengestellt, die dabei helfen.

# Vor dem Termin:

Nachdem die pflegebedürftige Person bei der Pflegekasse einen Pflegegrad beantragt hat, meldet sich der MDK bei ihm, um einen Termin für die sogenannte „Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit“ zu vereinbaren. Der Besuch findet in der Wohnung des Pflegebedürftigen statt. Dabei sollte eine Vertrauensperson sicherstellen, dass sie an dem Tag dabei sein kann. Die Begutachtung dauert etwa eine Stunde, man sollte jedoch einen großzügigen Puffer einplanen. Wichtig ist auch, sich genug Zeit zur Vorbereitung zu nehmen. Wenn der Termin zu knapp bemessen ist, um sich sorgfältig vorzubereiten, lässt er sich notfalls auch verschieben.
Wenn der pflegebedürftige Angehörige bereits von einem Pflegedienst betreut wird, ist es ratsam, dass dieser ebenfalls bei dem Gespräch anwesend ist. Pflegedienst-Mitarbeiter wissen, worauf es bei der Begutachtung ankommt, und können unterstützen.

#2 Dokumente:

Der Gutachter muss in sehr kurzer Zeit zu einer Einschätzung über die Pflegebedürftigkeit kommen. Je mehr Informationen man ihm an die Hand gibt, desto besser kann er die Situation erfassen. Es empfiehlt sich, nichts auszulassen – auch eine Allergie hat ggf. Einfluss auf den Pflegeaufwand. Im Voraus sollten Kopien der wichtigsten Dokumente erstellt werden, die man dem Gutachter mitgeben kann.

Diese Dokumente sollten beim Besuch vorliegen:

  • Kontaktdaten, Berichte und Befunde aller behandelnden Ärzte
  • Liste aller verschriebenen Medikamente
  • Ggf. Krankenhausentlassungsberichte
  • Auflistung aller Hilfsmittel, die für die Pflege verwendet werden. Dazu gehören z.B. Gehilfen (Stock, Rollator, Rollstuhl), Tassen mit besonderen Trinkaufsätzen, Inkontinenzartikel, Brillen, Haltegriffe im Bad, Duschstuhl und Ähnliches.
  • Ggf. Schwerbehindertenausweis oder Vollmachten

#3 Pflegetagebuch:

Es empfiehlt sich, vor dem Besuch für einen Zeitraum von etwa zwei Wochen ein Pflegetagebuch zu erstellen. Darin wird genau festgehalten, in welchen Bereichen oder bei welchen Tätigkeiten im Rahmen der Pflege der Pflegebedürftige in seinen Fähigkeiten eingeschränkt ist und Unterstützung benötigt. Dazu zählt neben der Grundpflege, also Ernährung, Mobilität und Körperpflege, auch die hauswirtschaftliche Versorgung wie Einkaufen, Waschen, Kochen und Putzen. Hilfreich ist es dabei, sich an den Fragen zu orientieren, die auch der MDK in seiner Überprüfung stellen wird. So wissen Sie auch im Voraus, welche Fragen auf Sie zukommen. Man sollte auch Tätigkeiten berücksichtigen, bei denen bloß angeleitet oder beaufsichtigt wurde.

#4 Begutachtungskriterien:

Der Gutachter beurteilt den Pflegegrad anhand eines Systems, das in verschiedene Module unterteilt ist. Für jeden Bereich vergibt er Punkte, aus denen der Pflegegrad errechnet wird.
Angehörige sollten sich mit den Kriterien und den dazugehörigen Fragen im Voraus vertraut machen. Am besten versetzt man sich in die Position des Gutachters: Er bekommt nur eine Momentaufnahme, während der Angehörige die pflegebedürftige Person in ihrem Alltag begleitet. Daher sollte die Begleitperson sich im Voraus Notizen machen, in welchen Bereichen Einschränkungen der Fähigkeiten vorliegen. So kann sie dem Gutachter helfen, die Situation vollständig zu erfassen. Hilfreich ist auch, Fragen festzuhalten, die man im Gespräch stellen möchte.

#5 Keine falsche Scham:

Vielen Menschen ist es unangenehm, zuzugeben, dass sie einige Bereiche ihres Lebens nicht mehr allein bestreiten können. Für die Einstufung ist es jedoch wichtig, dass die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen offen und ehrlich ansprechen, wo Hilfe benötigt wird. Das gilt auch für schambehaftete Themen wie Inkontinenz. Auf keinen Fall sollte man Probleme verharmlosen oder gar verschweigen.
Am besten spielt man den Besuch mit dem pflegebedürftigen Familienmitglied im Voraus durch. Gemeinsam wird festgehalten, welche Tätigkeiten im Alltag Schwierigkeiten bereiten. Angehörige sollten sich selbst und dem pflegebedürftigen Angehörigen klarmachen, dass der Besuch des Gutachters keine Prüfung ist, die es zu bestehen gilt – niemand muss sich von seiner besten Seite präsentieren, der Gutachter möchte vielmehr einen Einblick in den normalen Tagesablauf des Pflegebedürftigen bekommen.
Es kann passieren, dass der Pflegebedürftige und der begleitende Angehörige in einigen Bereichen unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie selbstständig ersterer noch ist. Im Idealfall spricht man diese Dinge vor den Besuch an. Sollte der Pflegebedürftige allerdings darauf bestehen, dass er sehr wohl noch allein zurechtkommt, so kann man ihn bitten, die Tätigkeit vor dem Gutachter auszuführen. Wenn nötig, kann die Begleitperson den Gutachter auch um ein Gespräch unter vier Augen bitten.
Dem Pflegebedürftigen sollte man deutlich machen, dass es auf keinen Fall darum geht, ihn bloßzustellen – er soll ja schließlich die Hilfe bekommen, die er benötigt, um sein Leben weiterhin genießen zu können.

#6 So geht's weiter:

Der Gutachter fasst nach dem Besuch seine Beobachtungen zusammen und übergibt sie zusammen mit seiner Empfehlung für den Pflegegrad an die Pflegekasse. Innerhalb von fünf Wochen nach Antragstellung muss der Antragsteller dann einen Bescheid über den Pflegegrad und die Art und Höhe der daraus entstehenden Leistungen. In einigen Situationen gelten verkürzte Fristen. Die Leistungen gelten rückwirkend für den gesamten Monat, in dem der Antrag gestellt wurde.
Wenn man mit der Einstufung des Pflegegrades nicht einverstanden ist, hat man die Möglichkeit, innerhalb von einem Monat nach Erhalt des Bescheids Widerspruch bei der Pflegekasse einzulegen.
Sobald der Pflegebedürftige einen Antrag auf Pflegeleistungen gestellt hat, steht ihm innerhalb von zwei Wochen eine Pflegeberatung zu. Die Pflegekasse unterstützt ihn, die Leistungen auszuwählen, die seinen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen, damit er noch lange möglichst selbstständig bleiben kann.

Gut zu wissen:

Der Hausnotruf der Johanniter wird bei Alleinlebenden schon bei Pflegegrad 1 von der Pflegekasse übernommen. Damit können Pflegebedürftige sich einen Teil ihrer Selbstständigkeit erhalten.