Habe ich eine Essstörung?
Warnsignale, Hilfe und erste Schritte für Betroffene
Manchmal verändert sich der Umgang mit Essen unbemerkt. Man denkt vielleicht häufiger über sein Gewicht nach, lässt Mahlzeiten aus oder fühlt sich nach dem Essen unwohl. Vielleicht haben Sie auch einfach das Gefühl, dass sich etwas „nicht mehr richtig normal“ anfühlt.
Es ist oft gar nicht so leicht zu sagen, ob das Essverhalten noch okay ist oder ob es erste Anzeichen einer Essstörung sein könnten.
Essstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen das Essverhalten und die Gedanken rund um den eigenen Körper stark beeinflusst sind.
Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Binge Eating entwickeln sich häufig schleichend. Viele merken erst spät, wie sehr sie ihr Denken und den Alltag beeinflussen. Je früher die Warnsignale einer Essstörung erkannt werden, desto besser ist die Chance, schnell wieder einen gesunden Umgang mit sich und seinem Körper zu finden.
Auf dieser Seite finden Sie heraus, auf welche Signale und Symptome man achten sollte und welche Hilfe es bei Essstörungen gibt. Unsere Spezialistinnen und Spezialisten in der Klinik am Korso begleiten seit vielen Jahren Menschen mit Essstörungen und wissen, wie schwer es sein kann, sich zu orientieren und auch den ersten Schritt zu machen.
Wer entwickelt besonders häufig eine Essstörung?
Gerade in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter verändert sich vieles gleichzeitig: Schule, Ausbildung, Zukunftsfragen und der eigene Körper. Viele vergleichen sich mit anderen und sind dabei oft sehr kritisch mit sich selbst.
Deshalb treten Essstörungen besonders häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Studien zeigen, dass die Mehrheit der Betroffenen noch jung ist. Viele sind sogar unter 18 Jahre alt.
Erste Anzeichen und Symptome einer Essstörung erkennen
Eine Essstörung beginnt oft schleichend. Das Essverhalten ändert sich Schritt für Schritt. Es gibt jedoch typische Anzeichen, auf die man achten kann.
Veränderungen im Essverhalten
- Mahlzeiten werden stark reduziert oder ausgelassen
- Vermeiden von bestimmten Lebensmitteln (und das nicht aufgrund von Allergien oder Unverträglichkeiten)
- Essanfälle oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren
- Entwicklung fester Regeln rund ums Essen, die sich nicht mehr so einfach aufweichen / verschieben lassen
Starke Beschäftigung mit Gewicht und Körper
- Häufiges Nachdenken über das Körpergewicht, die Figur und sehr kritisch mit dem eigenen Spiegelbild
- Große Angst zuzunehmen
- Sich „zu dick“ fühlen, obwohl andere das nicht so sehen, und sich in seinem Körper sehr unwohl fühlen
- Stimmung stark abhängig von Körper und Körpergefühl
Weitere Warnsignale
- Rückzug von gemeinsamen Mahlzeiten mit Familie, Partner und Freunden
- Schuldgefühle nach dem Essen (egal wie viel oder wenig gegessen wurde)
- sehr viel Sport, um „auszugleichen“
- innere Unruhe oder Konzentrationsprobleme
Test: Habe ich eine Essstörung
Wenn Sie sich in mehreren Punkten wiedererkennen, könnte das das erste Anzeichen einer Essstörung sein. Hier geht es zu einem kostenfreien Test auf unserer Jugendseite.
Warum entwickeln Menschen eine Essstörung?
Essstörungen haben selten nur eine Ursache. Den „einen Grund“ gibt es nicht. Oft kommen mehrere Dinge zusammen und es ist ein komplexes Zusammenspiel aus individuellen Faktoren, wie deiner Lebenssituation, deiner Psyche, deinem Selbstwertgefühl und äußeren Einflüssen, bzw. gesellschaftlichen Normen und Idealen.
Psychische Ursachen
- Gefühl, in manchen Punkten im Leben die Kontrolle zu verlieren, und den Wunsch, Kontrolle wiederzuerlangen
- Druck, möglichst perfekt sein zu wollen, und starker Perfektionismus
- Unsicherheiten und geringes Selbstwertgefühl
- Emotionale Belastung und Gefühle wie Stress, Angst oder Trauer
- Essen oder Nicht-Essen kann dabei ein Weg sein, mit innerem Druck umzugehen.
Gesellschaftliche Einflüsse
- Schönheitsideale, vermittelt durch Familie, Freunde, aber auch Medien, wie Magazine, TV oder Social Media
- ständige Vergleiche mit anderen – sei es aus dem direkten Familien- oder Freundeskreis oder aber mit Stars, Influencern und Personen, die in der Öffentlichkeit stehen
- Leistungsdruck in der Schule, in der Ausbildung, im Studium oder Beruf
Individuelle Auslöser
- belastende Erlebnisse
- Veränderungen im Leben
- Konflikte im Umfeld
Wichtig: Jeder Verlauf ist unterschiedlich – und niemand ist „selbst schuld“.
Welche Arten von Essstörungen gibt es?
Essstörungen können sich unterschiedlich zeigen. Es gibt verschiedene Formen von Essstörungen – auch Mischformen sind möglich. Besonders häufig sind die Magersucht, Bulimie und Binge Eating.
Magersucht (Anorexie)
- sehr wenig Essen
- große Angst zuzunehmen
- Gefühl, nie „dünn genug“ zu sein/ verzerrtes Körperbild
Magersucht (Anorexie): Ursachen, Folgen und Behandlung
Bulimie
- Essanfälle
- anschließendes Erbrechen oder andere „Gegenmaßnahmen“
- starke Schamgefühle
Bulimie: Essanfälle, Erbrechen und Behandlung
Binge Eating
- Essanfälle ohne Erbrechen oder andere „Gegenmaßnahmen“
- Kontrollverlust
- Oft starke Schuldgefühle
Binge Eating Störung – Essanfälle verstehen und behandeln
Wichtig: Es geht nicht darum, sich genau einzuordnen, sondern sich selbst besser einzuschätzen und ehrlich zu sich selbst zu sein, wie es einem geht. Wenn Sie sich belastet fühlen, lohnt es sich immer, Hilfe zu holen und das Thema mit jemandem zu besprechen.
Arten von Essstörungen
Sie möchten mehr über die verschiedenen Ausprägungen erfahren? Hier finden Sie eine Übersicht der häufigsten Essstörungen.
Wann sollte ich bei einer Essstörung Hilfe suchen?
Viele warten lange, bevor sie sich Hilfe holen und schauen auch erst einmal weg oder versuchen, ihre Essstörungen zu verheimlichen. „Nur eine Phase“, „geht von allein wieder weg“, „so schlimm ist es nicht“, sind häufig Sätze, mit denen sich Betroffene selbst vertrösten. Dabei gilt: Man muss nicht warten, bis es schlimmer wird oder man das Gefühl hat, geistig und körperlich „nicht mehr zu können“.
Es ist sinnvoll, Hilfe zu suchen:
Wenn das Essverhalten den Alltag bestimmt
- Ständiges Nachdenken über Essen oder Gewicht
- Situationen rund um das Essen oder Nicht-Essen vermieden werden
- Man sich zunehmend eingeschränkt fühlt von eigenen Regeln und Vorgaben zu Mahlzeiten und Lebensmitteln
Wenn körperliche Symptome auftreten, wie
- starke Gewichtsveränderungen
- Kreislaufprobleme oder Schwäche
- körperliche Beschwerden
Wenn man sich selbst nicht mehr wohlfühlt
- Gefühl, die Kontrolle zu verlieren
- Leidensdruck durch Essverhalten oder Essensregeln
- Gefühl, nicht mehr „normal essen“ zu können
Erfahrungsberichte von Betroffenen
Hier geht es zu Erfahrungsberichten von Betroffenen, die über ihre Essstörung und die Zeit in der Klinik am Korso berichten.
Viele weitere Informationen und Erfahrungsberichte finden Sie auch auf unserer Jugendwebseite.
Welche Hilfe gibt es bei Essstörungen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen.
Beratung und erste Gespräche
- Gespräche mit Vertrauenspersonen, Ärztinnen, Therapeuten oder Beratungsstellen
- Unterstützung bei der Einschätzung der Situation
- Orientierung für mögliche nächste Schritte
Therapie
- Ursachen und Auslöser erkennen und verstehen
- Umgang mit dem Körper, mit Gedanken und Gefühlen lernen
- Neues gesundes Essverhalten entwickeln
Stationäre Behandlung in einer Fachklinik
Manchmal ist es hilfreich, für eine Zeit in einer Klinik Unterstützung zu bekommen. In manchen Fällen ist eine stationäre Therapie bei Essstörungen sinnvoll, zum Beispiel wenn:
- das Essverhalten stark ausgeprägt ist
- körperliche Risiken bestehen
- ambulante Hilfe nicht ausreicht
In einer spezialisierten Klinik erhalten Betroffene:
- medizinische Betreuung
- psychotherapeutische Unterstützung
- Struktur und Hilfe im Alltag
- Kontakt zu Menschen in einer ähnlichen Situation – gemeinsam zu einem gesunden Essverhalten und Körpergefühl
Was können Angehörige tun?
Wenn Sie sich Sorgen um jemanden machen:
Das hilft:
- ruhig ansprechen
- zuhören
- keinen Druck machen
- Hilfe vorschlagen
Wichtig zu wissen:
- Betroffene schämen sich oft
- Veränderung braucht Zeit
- Essstörungen sind ernst
Weiterführende Informationen für Angehörige:
Natürlich beraten unsere Expertinnen und Experten von der Klinik am Korso auch Angehörige, Familie und Freunde.
Den Weg zusammen gehen
Essstörungen sind belastend, aber sie sind behandelbar – je eher, desto besser. Viele Menschen finden mit Unterstützung zurück zu einem gesunden Leben und einer positiven Einstellung zu sich selbst. Der erste Schritt, mit jemandem offen über eine mögliche Essstörung und seine eigenen Sorgen und Ängste zu sprechen, wird oft als schwierig, aber auch sehr erleichternd empfunden.
Sie können sich jederzeit bei unseren Expertinnen und Experten von der Klinik am Korso melden – auch wenn Sie noch unsicher sind. Wir haben ein offenes Ohr und viele Jahre Erfahrung. Wir wissen, wie schwierig es ist, sich zurechtzufinden und zu orientieren.
Ihr/Dein Kontakt zu uns
Fachzentrum für gestörtes Essverhalten Klinik am Korso gGmbH