Adipositas (Übergewicht) – Ursachen, Folgen und Behandlung
Adipositas hat sich in Deutschland längst zu einer Volkskrankheit entwickelt. Laut aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI, 2024) sind etwa 53 % der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig und 25 % gelten als adipös. Auch bei Kindern und Jugendlichen ist der Anteil Übergewichtiger in den letzten Jahren (laut RKI) drastisch angestiegen.
Informationsvideo über Adipositas
Was ist Adipositas? Definition und gesundheitliche Risiken
Übergewicht und Adipositas bezeichnen eine über das Normalmaß hinausgehende Ansammlung von Fettgewebe im Körper infolge dauerhaft erhöhter Kalorienzufuhr und / oder unzureichender körperlicher Aktivität. (ursprünglich unter „Warum Übergewicht und Adipositas mehr sind als nur ein Gewichtsproblem“). Grundlage für die Einstufung ist der Body-Mass-Index (BMI), der sich aus Gewicht (kg) geteilt durch Körpergröße zum Quadrat (m²) berechnet:
BMI-Klassifikation gemäß WHO:
- Prä-Adipositas (Übergewicht): 25–29,9 kg/m² (leicht erhöhtes Gesundheitsrisiko)
- Adipositas Grad I: 30,0–34,9 kg/m² (erhöhtes Risiko)
- Adipositas Grad II: 35,0–39,9 kg/m² (hohes Risiko)
- Adipositas Grad III: ≥ 40,0 kg/m² (sehr hohes Risiko)
Besonders kritisch ist das Fett im Bauchraum (abdominale Adipositas). Der Taillenumfang gilt hier als verlässlicher Marker: Für Männer ab 94 cm (erhöhtes Risiko), ab 102 cm (stark erhöht); für Frauen ab 80 cm (erhöht), ab 88 cm (stark erhöht). Auch das Taille-Hüfte-Verhältnis (WHR) ist entscheidend: Werte über 1,0 bei Männern und 0,85 bei Frauen deuten auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen hin.
Wie entsteht Adipositas? Ursachen und Risikofaktoren
Adipositas entsteht zumeist nicht durch eine einzelne Ursache. Vielmehr ist es das Resultat eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren. Neben einer unausgewogenen Ernährung und Bewegungsmangel spielen oft auch genetische Veranlagungen eine Rolle. Hinzu kommen meist psychische Belastungen, die das Essverhalten beeinflussen können, sowie gesellschaftliche und soziale Rahmenbedingungen, die eine gesunde Lebensweise erschweren.
Adipöse Menschen sehen sich häufig Vorurteilen und Diskriminierungen ausgesetzt. Ihnen wird mangelnde Disziplin oder Willensschwäche unterstellt. Diese gesellschaftliche Abwertung führt bei vielen Betroffenen zu Schamgefühlen, sozialem Rückzug und psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.
Viele Betroffene greifen zu Diäten, Kalorienzählen oder Verzichtsprogrammen, um ihr Übergewicht zu bekämpfen. Dies bleibt meist erfolglos oder führt sogar zu einer Verschlechterung der Situation (Jo-Jo-Effekt):
- Der Grundumsatz sinkt,
- Heißhungerattacken treten auf,
- das Gewicht steigt nach Diäten oft über den Ausgangswert hinaus.
Auch operative Verfahren wie Magenbypass oder Magenverkleinerungen führen nicht immer zum gewünschten dauerhaften Erfolg, insbesondere dann nicht, wenn gleichzeitig unkontrollierte Essanfälle (Binge Eating) auftreten. Ohne die psychischen Hintergründe der Essstörung zu behandeln, bleibt der langfristige Erfolg oft aus. Langfristig erfolgreiche Konzepte setzen daher auf ein Umdenken: weg von kurzfristigem Verzicht, hin zu einem bewussten, genussvollen und selbstbestimmten Umgang mit Essen.
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Adipositas und die Rolle der Sozialen Medien
Soziale Medien verschärfen den Druck: Unrealistische Schönheitsideale fördern ein verzerrtes Körperbild, was zu Selbstwertproblemen, Partnerschaftskonflikten und sozialem Rückzug führen kann. Die Lösung liegt nicht in Kalorienzählen, sondern in einer grundsätzlichen Verhaltensänderung.
Psychische Ursachen von Adipositas
In unserer modernen Gesellschaft spielt Essen eine zentrale Rolle. Es dient nicht nur der Lebenserhaltung, sondern ist eng mit sozialer Anerkennung, Zuwendung und emotionalem Wohlbefinden verknüpft. Schon in frühester Kindheit wird Nahrung mit Geborgenheit und Zuneigung assoziiert – beispielsweise beim Füttern oder Trösten. Viele Erwachsene erinnern sich noch heute an bestimmte Geschmackserlebnisse, die mit positiven oder negativen Kindheitserinnerungen verbunden sind.
Kinder und Jugendliche, die unter psychosozialen Belastungen wie familiären Konflikten, Leistungsdruck oder Mobbing leiden, entwickeln nicht selten ein gestörtes Essverhalten. Eine mögliche Ausprägung davon ist die Adipositas.
Wenn Essen zur Bewältigungsstrategie wird
Übergewicht aufgrund seelischer Ursachen (psychogene Adipositas) ist keine offiziell anerkannte Essstörung wie Binge Eating, zeigt aber vergleichbare Muster: Essanfälle, Kontrollverlust, Schamgefühle. In diesen Fällen handelt es sich um eine Form von Übergewicht, bei der Betroffene – meist ohne es zu wissen – ihr Essverhalten als Mittel zur Gefühlsregulation einsetzen. Sie essen häufig über das natürliche Maß hinaus und leiden unter ihrem hohen Gewicht, erkennen jedoch selten die tieferliegenden emotionalen oder psychischen Auslöser.
Viele dieser Menschen versuchen, ihr Gewicht durch klassische Diäten, Fastenkuren oder Abnehmprogramme zu reduzieren – meist ohne nachhaltigen Erfolg. Denn diese Maßnahmen setzen nur an der Oberfläche an. Eine psychotherapeutische Behandlung oder ein Anti-Diät-Konzept, das den emotionalen Ursachen auf den Grund geht, ist in solchen Fällen häufig deutlich hilfreicher und langfristig erfolgreicher.
Psychogene Adipositas: Wenn Emotionen das Essverhalten steuern
Menschen, die an einer psychogenen Adipositas leiden, nutzen Essen oft unbewusst, um unangenehme Gefühle zu dämpfen oder zu vermeiden. Ärger, Frustration, Langeweile, Einsamkeit oder Traurigkeit werden durch Nahrungsaufnahme kurzfristig „betäubt“. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Negative Emotionen führen zu Essen – das wiederum zu Scham- und Schuldgefühlen, Selbstkritik und weiterem emotionalen Stress.
Zudem kann die Gewichtszunahme unbewusst als „Schutzpanzer“ fungieren. Wer etwa Kritik, Zurückweisung oder hohen Leistungs- und Harmoniestress als belastend erlebt, nutzt das zusätzliche Körpergewicht möglicherweise als Barriere gegenüber der Außenwelt. Dies betrifft häufig sehr empfindsame, verletzliche oder harmoniebedürftige Menschen, die Essen als Ersatz für Nähe, Trost oder Sicherheit verwenden.
Das Resultat ist oft ein gestörtes Hunger-Sättigungs-Gefühl. Emotionaler Hunger wird fälschlicherweise als körperlicher Hunger interpretiert. Hinzu kommen soziale und mediale Reize – etwa durch Essenswerbung oder ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln – die das problematische Essverhalten verstärken.
Behandlung von Adipositas – Wege zu einem gesunden Umgang mit Essen
Gerade bei der psychogenen Adipositas zeigt sich, dass Übergewicht manchmal nicht nur ein körperliches, sondern auch ein seelisches Thema ist. Darüber hinaus sind Übergewicht und Adipositas komplexe Erkrankungen mit vielfältigen Ursachen – biologische, psychologische und soziale Faktoren greifen ineinander. Ein nachhaltiger Therapieansatz muss all diese Ebenen berücksichtigen. Neben Ernährungsumstellung und Bewegung sind psychologische Beratung und die Bearbeitung seelischer Konflikte unerlässlich, um den Teufelskreis aus Essanfällen, Gewichtszunahme und Selbstabwertung zu durchbrechen.
Therapie bei Adipositas in der Klinik am Korso
In der Klinik am Korso bieten wir einen speziellen Therapieansatz, der den seelischen Ursachen von Übergewicht Rechnung trägt:
Psychotherapie:
- Erkennen der emotionalen Auslöser des Essverhaltens
- Entwicklung alternativer Bewältigungsstrategien
- Stärkung des Selbstwertgefühls
Ernährungspsychologische Beratung:
- Aufbau eines natürlichen Essverhaltens ohne Verbote
- Vermittlung eines genussvollen, achtsamen Essverhaltens
- Wahrnehmung von Hunger und Sättigung schulen
Bewegungstherapie:
- Freude an Bewegung statt Leistungsdruck
- Alltagsnahe Aktivität als fester Bestandteil des Lebens
Soziale Unterstützung:
- Austausch mit anderen Betroffenen in Gruppentherapien
Ziel der Behandlung bei Adipositas
- nachhaltige Gewichtsreduktion ohne Diätstress
- Verbesserung der Körperwahrnehmung
- Aufbau eines stabilen Selbstwertgefühls
- Reduktion von Folgeerkrankungen (z. B. Diabetes, Bluthochdruck)
- Steigerung der Lebensqualität
- Erbrechen verringern