20.07.2026 | Johanniter-Auslandshilfe

Gemeinsam stark: Deutsches Konsortium stärkt ukrainische Gesundheitsstrukturen für Krisenzeiten

Die Johanniter und action medeor starten mit fünf nationalen Partnern ein vom Auswärtigen Amt kofinanziertes Projekt zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des ukrainischen Gesundheitssystems.

Mehr als vier Jahre nach Beginn des Krieges bleibt der Zugang zur Gesundheitsversorgung für Millionen von Menschen in der Ukraine stark eingeschränkt. Wiederholte Angriffe auf Krankenhäuser und zivile Infrastruktur, die hohe Zahl an Verletzten sowie die anhaltende Belastung des Gesundheitspersonals erschweren die medizinische Versorgung – insbesondere in den Regionen nahe der Frontlinie.

Notfall- und Grundversorgung stärken

Die Johanniter und action medeor kombinieren in ihrem gemeinsamen Projekt akute medizinische Hilfe mit dem gezielten Ausbau lokaler Gesundheitsstrukturen. Schwerpunkte sind der Zugang zu medizinischer Grund- und Notfallversorgung, die Vorbereitung von Krankenhäusern und Rettungsdiensten auf Großschadenslagen sowie die Stärkung von Notfallkommunikation und Leitstellen. So erhalten Gesundheitseinrichtungen medizinische Ausrüstung und dringend benötigte Materialien, damit ihre Einsatzfähigkeit auch unter schwierigen Bedingungen erhalten bleibt.

„Tag für Tag leisten ukrainische Gesundheitskräfte lebensrettende Hilfe – trotz Luftangriffen, beschädigter Infrastruktur und enormer persönlicher Belastung. Gemeinsam mit unseren Partnern Eleos Ukraine, 100% Life und UK-Med stärken wir lokale Gesundheitsstrukturen, damit Menschen weiterhin Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung erhalten. Dazu gehören unter anderem Trainings für medizinische Teams in Trauma- und Massenanfall-versorgung, die Ausstattung von Krankenhäusern und Rettungsdiensten sowie mobile medizinische Angebote, die Versorgung auch dann sicherstellen, wenn Einrichtungen beschädigt oder überlastet sind“, sagt Dr. Tim Bray, Landesdirektor der Johanniter für die Ukraine. „Dabei stehen auch die Gesundheitskräfte selbst im Mittelpunkt unserer Arbeit. Sie arbeiten unter ständiger Bedrohung und sind einer enormen emotionalen Belastung ausgesetzt. Mit psychosozialer Unterstützung und der Stärkung von Notfallstrukturen tragen wir dazu bei, dass Gesundheitsversorgung auch unter schwierigsten Bedingungen aufrechterhalten werden kann.“ 

Die Johanniter haben die Leitung des Konsortiums übernommen. Finanziert wird das Projekt durch das Auswärtige Amt und Spenden an Aktion Deutschland Hilft.

Mobile Kliniken für frontnahe Regionen

Ein Schwerpunkt des Projekts sind Medikamentenlieferungen und die mobile medizinische Versorgung von Menschen in frontnahen und schwer erreichbaren Gebieten. Dieser Projektbaustein wird innerhalb des Konsortiums von action medeor umgesetzt und ergänzt die von den Johannitern koordinierten Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitsversorgung.

„Gemeinsam mit unseren Partnern INTERSOS und Mission Kharkiv werden wir ein Netz von mobilen Kliniken aufbauen – von Cherson im Süden bis nach Sumy im Norden –, um Menschen nahe der Front medizinisch zu versorgen“, erläutert Max Hoßfeld, Ukraine-Referent bei action medeor. „Die Behandlung chronischer Erkrankungen und spezialisierte Dienste, etwa zur Therapie von Krebspatientinnen und -patienten, werden dabei im Vordergrund stehen.“

Notfallpläne, Übungen und Zusammenarbeit bei Großschadenslagen

Ein weiteres zentrales Element des Projektes ist die Qualifizierung von Gesundheitsfachkräften: Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Rettungsdienst- und Leitstellenpersonal erhalten praxisnahe Fortbildungen in Notfallmedizin, Erster Hilfe, psychologischer Erster Hilfe sowie im Management von Großschadenslagen. Standardisierte Verfahren sollen die Zusammenarbeit aller Akteure verbessern und die Reaktionsfähigkeit erhöhen. Dabei arbeitet das Konsortium eng mit den ukrainischen Behörden zusammen.

Ergänzend entwickeln die Projektpartner medizinische Notfallkonzepte für zivile Einrichtungen. Für Bahnhöfe, Behörden und Gesundheitseinrichtungen werden Notfallpläne erstellt, medizinische Ausrüstung bereitgestellt und Trainings durchgeführt, damit Verletzte bei Großschadenslagen schnell und professionell versorgt werden können.