08.06.2026 | Johanniter-Auslandshilfe

Ukraine: Europäisches Konsortium zur Stärkung der Hilfe für Menschen entlang der Frontlinie

Ein neues europäisches Konsortium startet umfassende Maßnahmen für Menschen im Umkreis von 0 bis 50 Kilometern entlang der Frontlinie.

Die deutsche „Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.“, die italienische Organisation „EMERGENCY“, die britische „UK-Med“ sowie die ukrainischeOrganisation „Eleos Ukraine“ haben sich zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie im kommenden Jahr die

  • medizinische Grundversorgung verbessern,
  • psychosoziale und psychologische Unterstützung anbieten,
  • Maßnahmen zur Energieversorgung von Gesundheitseinrichtungen starten,
  • Notfallvorsorge sowie sichere und würdevolle Evakuierungen besonders gefährdeter Menschen ermöglichen.

 

Das Projekt wird durch die EU-Humanitäre Hilfe kofinanziert und zusätzlich von Aktion Deutschland Hilft unterstützt. Die Maßnahmen richten sich gezielt an gefährdete Bevölkerungsgruppen in einem Radius von bis zu 50 Kilometern zu den Frontlinien. Besonders berücksichtigt werden dabei ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie Personen, die bislang keinen ausreichenden Zugang zu Hilfsangeboten haben. Darüber hinaus umfasst das Programm die Vorpositionierung von Hilfsgütern, Notfallsimulationen und Unterstützungsangebote für Pflege- und Gesundheitspersonal, um die Widerstandsfähigkeit lokaler Gesundheitssysteme zu stärken. Gemeinsames Ziel ist es: Akutes Leid zu lindern, den Zugang zu lebenswichtiger Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten und die Belastbarkeit von Gesundheitseinrichtungen in Krisengebieten zu erhöhen.

Die Johanniter übernehmen die Leitung des Konsortiums und konzentrieren sich insbesondere auf die Verbesserung der Energieversorgung von Gesundheitseinrichtungen in Frontnähe – besonders im Winter. „Wir freuen uns, diese Initiative zur Bereitstellung dringend benötigter Hilfe in der Ukraine in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern und mit Unterstützung der Europäischen Humanitären Hilfe jetzt zu starten. Dieses Projekt dient dazu, den akuten Bedürfnissen der Menschen vor Ort gerecht zu werden, lebensrettende medizinische Versorgung bereitzustellen, Evakuierungen aus Frontgebieten zu unterstützen und psychologische Hilfe für vom Krieg betroffene Menschen anzubieten“, sagt Adam McKerrow, Landesdirektor der Johanniter in der Ukraine.

Die britische Organisation UK-Med wird vier mobile medizinische Teams einsetzen, um den Zugang zur medizinischen Grundversorgung in den Regionen Charkiw und Saporischschja auszuweiten. „Der Bedarf an medizinischer Unterstützung in den frontnahen Regionen der Ukraine ist weiterhin äußerst hoch. Angriffe auf zivile Infrastruktur beschädigen nicht nur Gesundheitseinrichtungen, sondern führen auch zur Vertreibung von medizinischem Personal und erhöhen den Druck auf bereits stark belastete Krankenhäuser. Tausende Menschen nahe der Front haben nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung. Internationale Zusammenarbeit und starke Partnerschaften bleiben entscheidend, um diese Hilfe aufrechtzuerhalten“, erklärt Lidya De Pascale, Programmleiterin von UK-Med in der Ukraine.

„Hinter jeder humanitären Statistik steht ein Mensch, eine Familie oder eine Gemeinschaft, die versucht, mit den Folgen der russischen Invasion zurechtzukommen. Durch diese von der EU finanzierte Partnerschaft werden humanitäre Organisationen Menschen in der Nähe der Frontlinien lebenswichtige Unterstützung leisten und ihnen den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Schutzdiensten sowie sicheren Evakuierungen ermöglichen. Die Europäische Union steht solidarisch an der Seite der Menschen in der Ukraine und bleibt entschlossen, diejenigen zu unterstützen, deren Leben am stärksten vom Krieg betroffen ist.“ sagt Marianna Franco, Leiterin des EU-Büros für humanitäre Hilfe in der Ukraine.

Die italienische Organisation EMERGENCY wird Gesundheitszentren der Primärversorgung, Überweisungskrankenhäuser und Gemeindegesundheitsdienste unterstützen, um die medizinische Versorgung für Binnenvertriebene und aufnehmende Gemeinden sicherzustellen. Die Unterstützung umfasst Krankheitsdiagnostik und Behandlung, medizinisches Material und Ausrüstung, Maßnahmen zur Infektionsprävention sowie kleinere Reparaturarbeiten.

Der ukrainische Partner Eleos Ukraine wird gezielte Evakuierungen koordinieren und nach der Ankunft rechtliche Beratung sowie Schutz- und psychosoziale Angebote bereitstellen. „Seit Beginn der großangelegten Invasion arbeiten wir dort, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird. In Zusammenarbeit mit den Johannitern werden wir weiterhin Familien evakuieren, psychologische und rechtliche Beratung anbieten, bei der Wiederbeschaffung von Dokumenten helfen und Menschen mit dringend benötigten Hilfsgütern unterstützen. Gemeinsam stellen wir sicher, dass Hilfe rechtzeitig, professionell und mit Mitgefühl geleistet wird“, sagt Serhii Dmytriev, Vorstandsvorsitzender von Eleos Ukraine.

Das Projekt begann am 1. Mai 2026 und läuft bis zum 30. April 2027.

Pressekontakt: Sandra Lorenz, Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe, Tel.: 0172 / 563 87 40, sandra.lorenz@johanniter.de