Ausbildung der Notfallsanitäter stockt in NRW

Herdecke, 04. Dezember 2018

Jonas Schröder (26), Rettungssanitäter aus Herdecke, kämpft dafür, dass seine Kolleginnen und Kollegen im Rettungsdienst eine berechenbarere Zukunft haben und die Ausbildung zum Notfallsanitäter machen können. Auf www.openpetition.de/nfs-nrw sammelt er Unterschriften für das Anliegen aller Rettungsdienstler in Nordrhein-Westfalen. Denn NRW ist das einzige Bundesland, in dem die Finanzierung der gesetzlich vorgeschriebenen Aus- und Fortbildung zum Notfallsanitäter noch nicht gesichert ist.

Eigentlich müssen die NRW-Krankenkassen im Wege der so genannten „Bedarfsermittlung“ – also letztlich über den Preis pro Rettungsfahrt – für die erhöhten Kosten der neuen, gesetzlich vorgeschriebenen Aus- und Weiterbildungen zum Notfallsanitäter aufkommen. Nur in NRW weigern sich die Kassen – in allen übrigen 15 Bundesländern übernehmen sie die Ausbildungskosten. Bei Jonas Schröder hat es vor kurzem geklappt: Er konnte seine Ausbildung beginnen, weil seine Kommune in finanzielle Vorleistung getreten ist. Das Risiko eines gelähmten Rettungsdienstes wird vielen Städten und Gemeinden in NRW mittlerweile zu groß. Tausende von Retterinnen und Rettern in NRW müssen aber noch ausgebildet werden. Dabei wird die Zeit knapp – sowohl für die Menschen im Rettungsdienst als auch für Bürgerinnen und Bürger in NRW. Für die Rettungsdienstler läuft eine gesetzliche Übergangsfrist ab, die aufgrund der Blockadehaltung der Kassen vielleicht nicht mehr zu halten sein wird. Die Bürgerinnen und Bürger in NRW sind davon betroffen, weil der Fachkräftemangel im Rettungsdienst bereits jetzt spürbar ist und eine Verzögerung bei der Ausbildung diesen noch weiter verschärft.

Per Online-Petition wendet sich nun Jonas Schröder an Landesgesundheitsminister Laumann. Er hofft, dass Minister Laumann seinen Einfluss bei den Kassen geltend macht, um diese zum Einlenken zu bewegen. Schon über 3500 Menschen haben die Petition unterschrieben. Sie läuft noch bis zum 10. Dezember. Die Petition finden Sie hier: www.openpetition.de/nfs-NRW.

Hintergrund

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat zum 1. April 2015 in Umsetzung von Bundesrecht ihr Rettungsgesetz novelliert und dabei Kreise und kreisfreie Städte als Träger des Rettungsdienstes angewiesen, bis zum 31.12.2026 die bisherige Funktion „Rettungsassistent“ durch „Notfallsanitäter“ zu ersetzen. Ziel ist es, mehr Rechtssicherheit für die Frauen und Männer im Rettungsdienst zu schaffen. So müssen diese im Notfalleinsatz vor Ort zum Beispiel Maßnahmen vorbereiten oder einleiten, die ihnen die frühere Rechtslage nicht ausdrücklich erlaubte. Zudem möchte der Gesetzgeber ausdrücklich die Attraktivität des Berufsbildes steigern.

Gegenüber dem Rettungsassistentengesetz von 1989 gibt es deutliche Verbesserungen. So wird es fortan eine Ausbildungsvergütung geben. Zusätzlich wird die Ausbildungsdauer von zwei auf drei Jahre angehoben, wodurch eine stärkere Durchlässigkeit zu anderen Gesundheitsfachberufen erreicht wird. Gerade das ist den Rettungsassistenten/-innen sehr wichtig.  Aufgrund der physischen und psychischen Belastungen des Berufes sind nur sehr wenige Kolleginnen und Kollegen in der Lage, diesen Beruf bis zum 65. oder 67. Lebensjahr auszuüben. Entsprechend viele Hoffnungen liegen auf diesem Ausbildungsschritt, der Perspektiven schafft. Möchten Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern werden, benötigen sie eine Ergänzungsprüfung. Obwohl das entsprechende Gesetz schon seit über drei Jahren novelliert ist, gibt es in NRW nach wie vor keine flächendeckende Möglichkeit, diese Ergänzungsprüfung zu absolvieren. Dies liegt in erster Linie an den Krankenkassen, die sich – trotz gesetzlicher Vorgabe – weigern, für die entstehenden Kosten aufzukommen.


Einige Kommune tragen vorläufig die Kosten selbst, in der Hoffnung, die Krankenkassen übernehmen diese später. In anderen Kommunen ist die Ergänzungsprüfung derzeit gar nicht möglich. Dieser Flickenteppich ist weder sinnvoll noch nachhaltig. Dabei drängt die Zeit: Maximal bis zum 31. Dezember 2020 ist es für Rettungsassistenten/ innen möglich, an einer Ergänzungsprüfung teilzunehmen und so Notfallsanitäter/-in zu werden. Danach muss eine komplette Ausbildung absolviert werden. Dies erhöht die Kosten für alle Beteiligten und verschärft den jetzt schon bestehenden Fachkräftemangel.

Ihr Ansprechpartner Sabine Zeller

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Landesverband Baden-Württemberg
Landesgeschäftsstelle
Eichwiesenring 9
70567 Stuttgart

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