Essstörungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Ursachen, Warnsignale und Unterstützungsangebote
Die Jugend und das junge Erwachsenenalter gehören zu den spannendsten, aber zugleich auch herausforderndsten Lebensphasen. Der Körper verändert sich, die eigene Persönlichkeit entwickelt sich weiter und viele Entscheidungen stehen zum ersten Mal an. Schule, Ausbildung, Studium oder der Einstieg ins Berufsleben bringen neue Anforderungen mit sich. Gleichzeitig spielen Freundschaften, soziale Medien und die Frage nach dem eigenen Aussehen für viele junge Menschen eine wichtige Rolle.
Gerade in dieser Lebensphase beginnen viele Essstörungen, wie Anorexie, Bulimie, Binge Eating oder psychogene Adipositas. Sie entwickeln sich häufig schleichend und bleiben zunächst unbemerkt – sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihr Umfeld.
Die gute Nachricht ist: Essstörungen sind behandelbar. Je früher Warnsignale erkannt und Hilfe in Anspruch genommen werden, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.
Auf dieser Seite erfahren Sie, warum Essstörungen besonders häufig Jugendliche und junge Erwachsene betreffen, welche Warnsignale ernst genommen werden sollten und welche individuell ausgerichteten Unterstützungsmöglichkeiten es bei uns in der Klinik am Korso in Bad Oeynhausen gibt.
Warum treten Essstörungen besonders häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf?
Essstörungen entstehen selten durch einen einzelnen Auslöser. Meist wirken verschiedene körperliche, psychische und gesellschaftliche Faktoren zusammen. Gerade während der Jugend und im jungen Erwachsenenalter verändern sich viele Lebensbereiche gleichzeitig. Dadurch kann diese Lebensphase besonders anfällig für die Entwicklung einer Essstörung sein.
Körperliche Veränderungen und Pubertät
Während der Pubertät verändert sich der Körper innerhalb kurzer Zeit. Gewicht, Körperform und Aussehen entwickeln sich weiter und unterscheiden sich oft deutlich von Gleichaltrigen. Viele Jugendliche vergleichen sich intensiv mit anderen und beobachten jede Veränderung am eigenen Körper kritischer als je zuvor.
Diese Unsicherheit gehört grundsätzlich zur Entwicklung dazu. Bei manchen jungen Menschen kann sie jedoch dazu beitragen, dass Essen, Gewicht oder Figur immer mehr Aufmerksamkeit bekommen und sich daraus problematische Denkmuster und schließlich auch Verhaltensweisen entwickeln.
Leistungsdruck und Zukunftsfragen
Neben den körperlichen Veränderungen wachsen auch die Anforderungen im Alltag: Der Wunsch nach gute Noten, damit verbundene Prüfungen, eine Ausbildung, das Studium oder die erste Arbeitsstelle bringen Verantwortung und Leistungsdruck mit sich. Viele Jugendliche möchten den Erwartungen anderer oder auch gesellschaftlich geprägten Idealbildern gerecht werden und setzen sich selbst unter hohen Druck.
Manche Betroffene erleben dabei das eigene Essverhalten als einen Bereich, den sie kontrollieren können. Essen oder Nicht-Essen wird dann zu einer Strategie, um mit innerem Stress oder Unsicherheit umzugehen.
Social Media und Schönheitsideale
Soziale Medien begleiten viele Jugendliche täglich. Bilder scheinbar perfekter Körper und idealisierter Lebensstile können dazu führen, dass der eigene Körper immer kritischer betrachtet wird. Hinzu kommt, dass viele Fotos bearbeitet oder inszeniert sind und nur einen kleinen Ausschnitt der Realität zeigen. Wichtig zu wissen ist hierbei: Social Media allein verursacht keine Essstörung. Treffen jedoch unrealistische Schönheitsideale auf Unsicherheit, geringes Selbstwertgefühl oder andere Belastungen, können sie die Entwicklung einer Essstörung begünstigen.
Selbstwert und Identitätsfindung
Die Jugend ist eine Zeit, in der junge Menschen herausfinden, wer sie sind und welchen Platz sie im Leben einnehmen möchten. Das Selbstwertgefühl entwickelt sich häufig erst nach und nach. Wird das eigene Aussehen dabei zum Maßstab für den eigenen Wert, kann das Risiko für eine Essstörung steigen.
Welche Rolle spielt die Pubertät bei der Entstehung einer Essstörung?
Während der Pubertät kommt es zu großen körperlichen und emotionalen Veränderungen. Innerhalb weniger Jahre verändert sich der Körper, Hormone beeinflussen die Stimmung und viele Jugendliche beginnen, sich intensiver mit ihrem Aussehen und ihrer Wirkung auf andere auseinanderzusetzen.
Diese Entwicklung gehört zu einem normalen Erwachsenwerden. Gleichzeitig kann sie Unsicherheiten auslösen. Manche Jugendliche vergleichen sich häufiger mit anderen, fühlen sich in ihrem Körper unwohl oder setzen sich selbst unter Druck, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen.
Gerade wenn weitere Belastungen hinzukommen, z. B. Leistungsdruck, familiäre Konflikte oder ein geringes Selbstwertgefühl, kann die Pubertät eine Phase sein, in der Jugendlich und junge Erwachsene eine Essstörung entwickeln.
Wichtig ist dabei: Die Pubertät verursacht keine Essstörung. Sie kann jedoch eine Lebensphase sein, in der verschiedene Risikofaktoren zusammenkommen.
Je früher Veränderungen wahrgenommen werden, desto besser können Betroffene unterstützt werden.
Gut zu wissen
Nicht jede intensive Beschäftigung mit Ernährung oder dem eigenen Körper während der Pubertät bedeutet automatisch eine Essstörung. Gerade Jugendliche probieren sich aus und setzen sich stärker mit ihrem Aussehen auseinander.
Wenn Essen, Gewicht oder Figur jedoch den Alltag zunehmend bestimmen oder starke Ängste auslösen, sollte dies ernst genommen werden.
Welche Essstörungen treten bei Jugendlichen besonders häufig auf?
Nicht jede Essstörung äußert sich gleich. Die häufigsten Erkrankungen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter unterscheiden sich zwar in ihren Symptomen, haben jedoch gemeinsam, dass sie das Leben der Betroffenen stark belasten können.
Magersucht (Anorexie)
Menschen mit Magersucht essen häufig deutlich weniger, als ihr Körper benötigt, und haben große Angst vor einer Gewichtszunahme. Gleichzeitig nehmen sie ihren eigenen Körper oft anders wahr, als er tatsächlich ist.
Bulimie
Bei einer Bulimie wechseln sich Essanfälle mit sogenannten kompensatorischen Maßnahmen wie Erbrechen, exzessivem Sport oder Fasten ab. Viele Betroffene schämen sich für ihr Verhalten und versuchen, ihre Erkrankung zu verbergen.
Binge Eating
Beim Binge Eating kommt es wiederholt zu Essanfällen mit dem Gefühl, die Kontrolle über das Essen zu verlieren. Im Gegensatz zur Bulimie folgen darauf meist keine kompensatorischen Maßnahmen. Viele Betroffene leiden unter Schuldgefühlen und einem geringen Selbstwertgefühl.
Welche Warnsignale sollten ernst genommen werden?
Essstörungen entwickeln sich meist schleichend. Deshalb fallen die ersten Veränderungen häufig erst spät auf. Typische Warnsignale können sein:
- zunehmende Beschäftigung mit Gewicht oder Figur
- auffällige Veränderungen beim Essverhalten
- starke Angst vor einer Gewichtszunahme
- Rückzug von gemeinsamen Mahlzeiten
- Stimmungsschwankungen oder sozialer Rückzug
- übermäßiger Sport oder starre Essensregeln
Nicht jedes dieser Anzeichen bedeutet automatisch eine Essstörung. Treten mehrere Warnsignale gleichzeitig auf oder bestehen sie über einen längeren Zeitraum, sollte das Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Beratungsstelle gesucht werden.
Sie möchten mehr über die typischen Symptome von Essstörungen erfahren?
Auf unserer Seite „Essstörungen“ finden Sie eine ausführliche Übersicht der häufigsten Anzeichen verschiedener Essstörungen.
Warum frühe Hilfe so wichtig ist
Viele Betroffene hoffen zunächst, dass sich ihr Essverhalten von allein wieder normalisiert. Häufig versuchen sie, ihre Sorgen zu verbergen oder sprechen aus Scham mit niemandem darüber.
Dabei gilt: Je früher eine Essstörung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Eine frühzeitige Unterstützung kann helfen, körperliche Folgen zu vermeiden und belastende Gedanken sowie Verhaltensmuster rechtzeitig zu verändern.
Niemand muss warten, bis die Situation „schlimm genug" erscheint. Schon ein erstes Gespräch kann entlasten und Orientierung geben.
Welche Unterstützung gibt es?
Nicht jede Essstörung verläuft gleich. Deshalb gibt es auch verschiedene und individuell ausgerichtete Möglichkeiten der Unterstützung.
Je nach Situation können zunächst Gespräche mit der Hausärztin oder dem Hausarzt, psychotherapeutische Beratung oder ambulante Therapien sinnvoll sein. Reicht diese Unterstützung nicht aus oder bestehen bereits körperliche Risiken, kann eine stationäre Behandlung in einer spezialisierten Fachklinik zur Behandlung von Essstörungen hilfreich sein.
Die Klinik am Korso begleitet bereits seit vielen Jahren Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene mit Essstörungen. Gemeinsam wird entschieden, welche Behandlung im individuellen Fall sinnvoll ist.
Mehr über die Behandlung von Essstörungen in der Klinik am Korso und den Aufenthalt finden Sie hier.
Was können Jugendliche und junge Erwachsene selbst tun?
Viele Betroffene schämen sich für ihre Gedanken oder ihr Essverhalten. Deshalb warten sie oft lange, bevor sie mit jemandem sprechen.
Dabei ist gerade dieser erste Schritt häufig der wichtigste.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Essen, Gewicht oder Ihr Körperbild Ihren Alltag zunehmend bestimmen, müssen Sie damit nicht allein bleiben. Sprechen Sie mit einer Person, der Sie vertrauen, z. B. einem Familienmitglied, einer Freundin oder einem Freund, einer Lehrkraft oder Ihrer Hausärztin beziehungsweise Ihrem Hausarzt.
Sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück zu mehr Lebensqualität.
Habe ich eine Essstörung?
Weitere hilfreiche Informationen und einen kurzen Selbst-Test finden Sie auf unserer
Was können Eltern und Angehörige tun?
Essstörungen betreffen nie nur die erkrankte Person, sondern häufig die gesamte Familie. Veränderungen im Essverhalten oder Rückzug lösen vor allem bei Eltern oft große Sorgen aus. Gleichzeitig fällt es vielen schwer einzuschätzen, wie sie das Thema ansprechen sollen.
Wichtig ist, aufmerksam zu bleiben, das Gespräch zu suchen und professionelle Unterstützung einzubeziehen.
Hier erfahren Sie, wie Eltern ihr Kind bei einer Essstörung unterstützen können:
Tipps & Unterstützung für Eltern
Hier erfahren Sie, was PartnerInnen und FreundInnen tun können, um Betroffenen zu helfen:
Hilfe für Betroffene einer Essstörung – Wir sind für Sie da
Essstörungen sind ernst zu nehmende Erkrankungen. Gleichzeitig bestehen heute gute Behandlungsmöglichkeiten und Therapiekonzepte, bei denen zu jeder Zeit die Bedürfnisse der betroffenen Person im Mittelpunkt stehen.
Die Klinik am Korso in Bad Oeynhausen, NRW, ist eine spezialisierte Fachklinik und begleitet seit vielen Jahren Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene mit Essstörungen auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Wenn Sie Fragen haben oder sich unsicher sind, ob eine Behandlung sinnvoll sein könnte, beraten wir Sie gerne persönlich und vertraulich.