Mittwochsbesinnung - 15.04.2020

von RR Alfred Mengel, Lengerich

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen

Der Wochenspruch für die Osterwoche steht in Offenbarung 1 Vers 18

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewig-keit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)

Liebe Johanniterfamilie,

trösten und stärken, aufrichten und ermutigen will das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes. Denn die frühe christliche Gemeinde, an die sich die Offenbarung ursprünglich richtet, lebt in einer Schreckenszeit. Christinnen und Christen werden verfolgt, unterdrückt, vielfach getötet.

Diese angefochtene Gemeinde damals, doch ebenso uns heute, spricht der aufer-standene Jesus Christus an: „Ich war tot.“ Ja, Jesus ist am Kreuz gestorben. Mit entschiedener letzter Konsequenz ist er seinen irdischen Weg zu Ende gegangen. Nichts hat er zurückgenommen von dem, was er gesagt und getan hat.

Zugleich aber bedeutet sein Sterben eine unendlich liebevolle Nähe zu uns Men-schen. Am Kreuz trägt Jesus alle Einsamkeit, alle Krankheit, allen Tod. Er trägt und teilt sie. Niemand ist in seiner Einsamkeit, in seiner Krankheit, in seinem Tod verlassen und allein. Und Jesus trägt auch unsre Schuld. Er trägt sie stell-vertretend für uns und überwindet sie durch seinen Tod. Uns wird Leben und Vergebung, Versöhnung und Frieden zuteil.

Nach dem Dunkel des Karfreitags folgt das leuchtend aufstrahlende österliche „Siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Christus ist auferstanden. Aber nicht – bildlich gesprochen – nach „hinten“. Er ist nicht zurückgekehrt in das irdische Leben, das erneut vom Tod begrenzt wäre, gebunden an den Raum und gefangen in der Zeit.

Er ist nach „vorn“ auferstanden, hinein in Gottes Welt, Raum und Zeit überle-gen, unabhängig von ihnen. Darum kann er, der unser Leben in allem geteilt hat, uns jederzeit und an jedem Ort nahe sein: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20)

Und schließlich fügt der lebendige Christus noch hinzu: Ich „habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Wer die Schlüsselgewalt hat, kann zuschließen. Tod und Hölle bleiben ausgeschlossen Wer die Schlüsselgewalt hat, kann aber auch aufschließen, kann Einlass gewähren, kann gastlich bergenden Raum bieten. An Weihnachten singen wir: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen

Paradeis“ (EG 27,6) und erst recht an Ostern: „Er hat zerstört der Höllen Pfort‘, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod.“ (EG 100,3).

In diesen Tagen werden viele Tränen geweint, Tränen der Einsamkeit, der Angst, der Trauer. Doch im Buch der Offenbarung lesen wir: „Gott wird abwi-schen alle Tränen von ihren Augen“, und Christus verspricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,4.5)

Wir beten:

Herr Jesus Christus, wir danken dir für dein Nahesein. Lass besonders die Kran-ken und Besorgten und alle, die sich um sie mühen, deine Nähe spüren. Hilf uns zu gewissem Glauben, barmherziger Liebe und getroster Hoffnung. Amen.

„Deiner Auferstehung Kraft wandle all das trübe Wesen! Lass aus banger, dunk-ler Haft uns zum hellen Tag genesen!“ (Arno Pötzsch)

Es segne uns der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.