Motorradstaffel

Rettung auf zwei Rädern

Die Biker der Johanniter sind immer da, wenn es zur Hauptreisezeit auf den Autobahnen eng wird. Auch bei Großveranstaltungen wie Sportereignissen, Kirchentagen, G8-Gipfel, Biker-Treffen, Motorradgottesdiensten und Sternfahrten unterstützen sie den reibungslosen Ablauf von erhöhtem Verkehrsaufkommen.

Die Fahrer helfen in Kooperation mit der Autobahnpolizei bei der Beseitigung von Stauursachen, dem Heranführen von Pannenhelfern oder der Versorgung erschöpfter Autofahrer.

Alle Johanniter-Biker sind ausgebildete Rettungshelfer, -sanitäter oder Rettungsassistenten. Jährliches Fahrsicherheitstraining ist Voraussetzung für den Dienst in der Motorradstaffel, ebenso mindestens 30 Stunden jährliche Fortbildung für Rettungsdienstmitarbeiter.

René Rousselot, Leiter Motorradstaffel erzählt über seine ehrenamtliche Arbeit mit seinen Kollegen

Wo stehen die Motorräder und wer fährt sie?
Der Stützpunkt der Motorradstaffel Oberbayern ist in Allershausen, direkt an der Autobahn in der neuen Fahrzeughalle der Johanniter. Dieser Standort ist für jedes Staffelmitglied am besten zu erreichen. Die Staffel setzt sich aus 10 Fahrern, aus mehreren Ortsverbänden in Oberbayern, zusammen. Die Fahrer haben sich in zahlreichen ehrenamtlichen Stunden vom Rettungssanitäter bis hin zum Notfallsanitäter qualifiziert. Alle eint eine Motorradaffinität. Ich selbst habe privat sieben eigene Motorräder und fahre mehr auf 2 als auf 4 Rädern.

Zu welchen Einsätzen fährt die Staffel?
Überwiegend, besonders an Feiertagen und in den Ferien, fahren die Motorräder „Patrouille“ und werden z.B. zu Unfällen auf der Autobahn gerufen. Seit letztem Jahr sind die Motorräder mit Digitalfunk ausgerüstet und melden sich in der Leitstelle an, sobald sie aus dem „Hangar“ fahren. Die Leitstelle nimmt dieses Angebot sehr gerne an, da die Motorräder meist am Schnellsten am Einsatzort sind. Ihr Funkrufname lautet Akkon 41/17/1 und Folgende. Diese BOS-Kennung (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ergibt sich aus den Wurzeln der Johanniter.

Als Hilfsorganisation des Johanniterordens sind wir gleichzeitig Teil europäischer und christlicher Geschichte. Akkon ist eine Hafenstadt im heutigen Israel an der Küste des östlichen Mittelmeers. Nach der Belagerung durch die Kreuzritter im Dritten Kreuzzug (1189-1192) wurde Akkon Hauptstadt des Königreichs Jerusalem und nach dem Frieden von Jaffa unter die Verwaltung des Johanniterordens gestellt. Der Orden nahm diakonische Tätigkeiten sowie militärische Aufgaben wahr. Darüber hinaus begleiten wir Festumzüge als Konvoi-Sicherung, Großveranstaltungen, Sportereignissen, Kirchentage, Biker-Treffen, Motorradgottesdienste und Sternfahrten.

Wie sieht in der Regel der Einsatzablauf aus?
Zunächst fahre ich nach Allershausen und treffe dort meinen Kollegen. Wir ziehen dort die Einsatzkleidung an und aktivieren den Funk. Ich melde mich bei der Leitstelle an, die uns ab diesem Zeitpunkt via GPS auf dem Schirm hat. Seit letzten Jahr haben wir Helme mit integriertem Funk, sodass wir allzeit erreichbar sind und nicht nach einer Alarmierung anhalten müssen, um Konversation mit der Leitstelle zu führen. Wir nehmen den Einsatz an, schalten Blaulicht und Einsatzhorn ein und begeben uns ohne Zeitverlust auf den Weg zum Einsatzort. Ich schildere mal ein Bespiel: Die Staffel war im Raum Erding unterwegs. Meldebild: „schwerverletzte Person“. Rettungshubschrauber, Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug waren ebenfalls angefordert. Durch eine Absperrung mussten der Rettungswagen und das Notarzteinsatzfahrzeug einen Umweg in Kauf nehmen, die die Motorräder durchfahren konnten. Somit waren die Motorräder als erstes an der Einsatzstelle, konnten die Erstversorgung übernehmen und gleichzeitig den Landeplatz für den Rettungshubschrauber ausleuchten. Klarer Vorteil der Motorradstaffel zum Wohle des Verunfallten.

Welchen Einsatz vergisst man nie?
Es ist einfach ein schönes Gefühl auf dem Motorrad zu fahren und im Notfall sofort schnellstmöglich helfen zu können. Es muss nicht immer ein extra schlimmer Einsatz sein, der einem im Gedächtnis hängen bleibt. Mir, zum Beispiel, fällt sofort eine Kindergarteneinweihung ein, auf der wir präsent waren. Die Kinder hatten eine Riesenfreude auf den Motorrädern zu sitzen. Diese lachenden Gesichter, das bleibt in Erinnerung. Es hört sich vielleicht abgedroschen an, aber es fühlt sich manchmal vielleicht so an wie der Cowboy auf seinem Pferd dem Sonnenuntergang entgegen reitet…

Was wünschst du Dir für die Motorradstaffel?
Ein Ziel wäre es, dass jeder Fahrer seine persönliche Einsatzkleidung erhielte. Ich weiß, dazu benötigen wir vor allem Unterstützung durch Spenden. Für uns wäre es ein großer Vorteil und eine Wertschätzung für unsere ehrenamtliche Arbeit. Derzeit fahren wir mit privaten Hosen, Stiefeln, Handschuhen und teilen uns die Jacken. Dies ist manchmal recht schwierig für Einige, da nicht jeder dieselbe Größe hat. Weiterhin wäre es schön, wenn wir die Flotte mit einem weiteren Motorrad bereichern könnten. Eine R1250RT als Einsatzmotorrad wäre ein Traum. 
 


 

Motorradstaffel in Oberbayern

Die Bikerinnen und Biker der Johanniter sind immer da, wenn es zur Hauptreisezeit auf den Autobahnen eng wird.