Vom Krankenwagen zum moderenen Rettungswagen
Mehr als 20 Interesessierte erleben bei Ahlhorner Johannitern eine Zeitreise durch die Geschichte des Ortsverbandes und des Rettungsdienstes
Vom Wäschewagen mit einer halben Million gefahrenen Kilometern zum hochspezialisierten Fuhrpark inklusive „fahrender Intensivstation“: Kaum etwas verdeutlicht die Entwicklung des Ortsverbandes Ahlhorn der Johanniter-Unfall-Hilfe so eindrucksvoll wie die Fahrzeuge. Die Ahlhorner Johanniter begrüßten am Dienstag, 21. April mehr als 20 Interessierte aller Altersstufen darunter auch Familien mit Kindern aus Ahlhorn. Alena Kloberdanz (Fachbereichsleitung Rettungsdienst) hieß gemeinsam mit Ortsbeauftragter Marion Logemann und Dienststellenleiter Michael Schäfer die Gäste willkommen. Nach einleitenden Worten führte sie die Gruppe durch den Ortsverband an der Königsberger Straße 10 – vom Schulungsraum über den Keller bis hin zu den Räumen des ambulanten Hospizdienstes. Kloberdanz, selbst seit 15 Jahren im Rettungsdienst tätig, berichtete aus ihrem Berufsleben und gab zugleich spannende Einblicke in die Geschichte aus den Erzählungen älterer Kollegen. So wurden Einsatzinformationen von den 1980er-Jahren bis Mitte der 1990er-Jahre noch auf Tonbändern gespeichert. Der Notruf lief damals nicht wie heute über eine Leitstelle, sondern ging direkt in der Rettungswache ein. In hektischen Momenten oder zu später Stunde half ein kurzer Gang in den Keller, um die Adresse über die mitlaufenden Tonbänder noch einmal nachzuhören.
Luick Schoone, David Jordan (beide Notfallsanitäter im dritten Ausbildungsjahr) und Luca Hönerbach (Freiwilligendienstleistender) stellten anhand einer Schautafel die Fachbereiche des Ortsverbands vor und zeigten, wie breit die Ahlhorner Johanniter heute aufgestellt sind – auch geographisch, mit mehreren Standorten in der Gemeinde. Nach Informationen zu Hospizdienst, Kita, Katastrophenschutz und mehr stellten die drei jungen Männer einige Fahrzeuge vor: einen modernen Rettungswagen, ein Fahrzeug der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) und ein Hausnotruf-Fahrzeug.
Alle Fahrzeuge waren geöffnet und die Gäste konnten sie und die Ausstattung besichtigen und Fragen stellen. Schoone betonte zudem, wie wichtig erste Maßnahmen vor Ort sind, um Verletzte vor weiterem Schaden zu schützen und ermutigte dazu, Erste Hilfe zu leisten. Die Patientenversorgung im Rettungswagen wurde mit einer Puppe nachgestellt – das kam vor allem bei den jüngeren Gästen gut an. Kloberdanz erklärte, dass moderne Rettungswagen heute als „fahrende Intensivstationen“ gelten.
Nach der Fahrzeugschau führte der Weg in die Rettungswache Ahlhorn an der Wildeshauser Str. 7d. Dort übernahm erneut Kloberdanz die Führung und gab Einblicke in die neue Rettungswache, die 2018 bezogen wurde.
Im Besprechungsraum bei Kaffee und Kuchen übernahm anschließend Kollege Lothar Kirchgeorg, der seit den frühen 1970-Jahren bis heute im Rettungsdienst tätig ist. Kirchgeorg nahm die Gäste mit auf eine kurzweilige Zeitreise zu den Anfängen der Ahlhorner Johanniter, untermalt mit reichlich Bildmaterial. Nachdem die Besuchenden einen Eindruck des aktuellen Fuhrparks bekommen hatten, wirkte der erste Krankenwagen besonders kurios. Nach einem Industrieunfall im Jahre 1961, bei dem Hilfe erst spät kam und ein Mensch an den Folgen seiner Verletzungen starb, war klar, dass die Gemeinde einen eigenen Krankenwagen braucht. Diesen fuhren ab 1962 die Johanniter: ein ausgemusterter Wäschewagen. Der VW-Bus mit bereits 500.000 gefahrenen Kilometern trug fortan das Johanniterkreuz und wurde von der Polizei über Notfälle informiert – die ersten sechs Jahre hatte er nämlich kein eigenes Funkgerät an Bord.
Ein zweiter Teil der Führung – dann zu den Räumlichkeiten „Am Gleis“, wo sich Fahrzeuge der Motorradstaffel, des Katastrophenschutzes und des Hausnotrufs befinden, ist angedacht.
Der Rundgang mit dem Titel „Vom Krankenwagen zum modernen Rettungsdienst – die Johanniter in Ahlhorn: gestern, heute und morgen“ ist eine Zusammenarbeit der Johanniter und der Gemeinde Großenkneten, vertreten durch Kerstin Korte (Gemeinwesenarbeit), entstanden über die Schnittstelle Quartier Zeppelin, bei der Johanniter und Gemeinde seit Jahren Hand in Hand arbeiten.