Eisige Nächte: Johanniter-Kältebusteams aus Bremen, Hannover und Oldenburg im Einsatz

Hannover, 25. Januar 2019

Die drei Kältehilfe-Projekte der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen

Den ganzen Winter sind ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit ihrem Kältebus an den Standorten Bremen, Hannover und Oldenburg unterwegs. Aber gerade jetzt bei den eisigen Temperaturen ist ihr Einsatz für Obdachlose noch bedeutender.

 

Der Kältebus in Bremen

Foto: Jan Kaassen

Der Bremer Kältebus wurde 2012 als Anlaufpunkt für Obdachlose ins Leben gerufen, um sie in den Abendstunden mit warmen Getränken und heißer Suppe zu versorgen. Das war neu: In Bremen gab es zwar schon zahlreiche Einrichtungen für Obdachlose, doch die waren nur tagsüber geöffnet. Mit dem Bremer Kältebus sollte diese Lücke geschlossen werden. Ab Februar 2012 hatten Obdachlose in der Hansestadt erstmals auch nach Einbruch der Dunkelheit die Möglichkeit, sich ein wenig aufzuwärmen.

Inzwischen hat sich der Kältebus als verlässliche Anlaufstelle für Obdachlose etabliert. Hier finden sie nicht nur eine warme Suppe, sondern immer auch ein offenes Ohr für ihre ganz persönlichen Sorgen und Nöte.

In Bremen gibt es geschätzte 500 bis 600 Obdachlose. Die meisten von ihnen schlafen in Notunterkünften, rund ein Viertel allerdings verbringt die Nächte im Freien. Sommers wie winters. An diese Menschen richtet sich das Angebot des Bremer Kältebusses. Viermal die Woche – montags, mittwochs, freitags und sonntags in der Zeit von 18 bis 22 Uhr – macht er Station vor dem Hauptbahnhof und bietet den Menschen bei jedem Wetter kostenlos heißen Tee, Kaffee, warme Suppe, Kleidung und Schlafsäcke. Die meist zum Sanitäter ausgebildeten Helfer haben darüber hinaus auch den Gesundheitszustand der Obdachlosen im Blick. Dort, wo es angebracht ist, kann im zulässigen Rahmen auch medizinisch geholfen werden.

Das Team

Nachdem der Kältebus im Februar 2012 als Gemeinschaftsprojekt der JUH und dem Verein für Innere Mission erstmals seine Arbeit aufnahm, wird er seit 2013 ausschließlich von den Johannitern betrieben. Mittlerweile engagieren sich 22 Johanniter ehrenamtlich in der Kältehilfe.

Im Gepäck

Pro Einsatzfahrt werden rund 60 Personen, hauptsächlich Männer, versorgt. Pro Saison – von Oktober bis März – werden rund 150 Schlafsäcke verteilt, mehr als 5000 Suppen ausgegeben und unzählige Liter Kaffee und Tee ausgeschenkt. Seit einigen Jahren wird auch ein Zuwachs an jugendlichen bzw. jungen Obdachlosen sowie an Menschen aus Osteuropa beobachtet. Außerdem werden an die 30 Hunde mitversorgt.

Der Kältebus wird zu 100 Prozent aus Spenden finanziert und ausschließlich durch ehrenamtliche Arbeit organisiert. Die ausgegebene Kleidung – hauptsächlich Wintersachen – stammt aus Spenden. Die Schlafsäcke werden neu beschafft, um sicherzustellen, dass sie den Anforderungen einer Winternacht im Freien entsprechen.

 

Foto: Jan Klaassen

Der Kältebus in Hannover

Foto: Bettina Martin

Die Temperaturen fallen unter null Grad, aktuelle Wetterprognosen sagen frostig-kalte Wochen bis in den Februar voraus, vorgestern erfror am Kröpcke ein 54 Jahre alter Obdachloser. Für mehr als 400 Menschen, die in Hannover auf der Straße leben, ist dies die härteste Zeit. Die ehrenamtlichen Helfer aus dem OV Hannover-Wasserturm haben deshalb das Projekt Kältebus intensiviert. Seit 2007 gibt das hannoversche Winternotprogramm der Johanniter.

Die wöchentlichen Einsätze wurden aktuell von zwei auf drei erhöht. Die Ehrenamtlichen fahren immer montags, mittwochs und freitags in der Zeit von 18 bis 21 Uhr erst zum Raschplatz am Hauptbahnhof und dann zum Kröpcke, um obdachlose Menschen mit warmem Essen und heißem Tee zu versorgen. Das Angebot, geplant noch bis Ende März, wird bei Dauerfrostperioden zu einer täglichen Versorgung ausgeweitet. Seit dem Start der Wintersaison am 6. November rückte das Kältebusteam bisher zweimal zusätzlich aus, am Sonnabend, den 15. Dezember und am Sonntag, den 20. Januar.

Die Helfer schalten an den Einsatztagen von 14 bis 20 Uhr eine Servicerufnummer (0800-0848488) unter der besorgte Bürger Schlafplätze oder Treffpunkte von Obdachlosen melden können. Die Einsatzzentrale gibt die Informationen an das Kältebus-Team weiter, das die Orte abfährt und den Menschen seine Hilfe anbietet.

Das Team

Das Team der ehrenamtlichen Kältebus-Mitarbeiter bekam in dieser Saison viel Zuwachs aus den eigenen Reihen. Dreizehn Neuzugänge aus vielen Fachbereichen des Ortsverbands Hannover-Wasserturm unterstützen das zwölfköpfige Stammteam. Bei erhöhtem Bedarf werden zusätzlich Mitarbeiter aus dem Freiwilligendienst oder hauptamtliches Personal eingesetzt.

Im Gepäck

Das warme Essen wird von den Ehrenamtlichen übrigens frisch zubereitet. Es sind gehaltvolle und vitaminreiche Gerichte mit Nudeln und Reis, Gemüse und Fleisch, zum Beispiel Soljanka, Frikassee, Grünkohl zur Weihnachtszeit oder Wurstgulasch. Dazu gibt es heißen Tee. In der Saison 2017/18 gaben die Helfer 1650 Portionen Essen und 375 warme Getränke aus. In diesem Jahr werden es schon jetzt absehbar mehr sein. „Die Zahl der Menschen, die zu uns kommen, ist deutlich gestiegen“, sagt Dana Jörk vom Kältebus-Team. Seit Saisonstart erschienen zwischen 75 und 93 Personen bei der Essensausgabe, von den jeweils rund 110 gekochten Portionen blieb bisher nichts übrig.

Sie verteilen außerdem warme Kleidung, Isomatten, Schlafsäcke sowie Mützen, Schals und Handschuhe. Wer Sachspenden in größerer Menge abgeben möchte, kann sich über die Servicenummer melden. Nicht mehr genutzte Kleidung in kleinerer Menge nimmt die Johanniter-Kleiderkammer „Nahtstelle“ in Langenhagen (Pferdemarkt 84, Di., Mi. und Do. 10-12 und 16:30-18:30 und jeweils am ersten Sonnabend im Monat 10-12 Uhr) entgegen.

Foto: Bettina Martin

Der Kältebus in Oldenburg

Foto: Lukas Lehmann

Auch in Oldenburg können sich nicht alle Menschen mit Heizung oder Kamin ins kuschelige Warme zurückziehen: sie leben ohne Obdach oder festen Wohnsitz auf der Straße, übernachten im Freien oder versuchen sich nachts an geduldeten Orten warm zu halten.

 

Ein Team von ehrenamtlichen Helfern hat es sich im November 2017 in Oldenburg zur Aufgabe gemacht, den vielen Obdachlosen und hilfsbedürftigen Menschen, insbesondere in der kalten Jahreszeit, zu helfen. "Die teilweise sehr harten Winter in den letzten Jahren haben gezeigt, dass Handlungsbedarf bei der Betreuung von obdachlosen Menschen besteht", erklärt Anja Schlottke, Gruppenführerin der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). "Viele wissen nicht, dass sie in Notunterkünften übernachten können oder haben einfach nicht genug persönlichen Besitz und/oder Geld, um sich optimal vor der Kälte zu schützen", so Schlottke weiter.

Das Team

Insgesamt 37 Helfer engagieren sich aktuell beim Oldenburger Kältebus-Projekt. Sobald die Temperaturen dauerhaft unter +5 °C liegen, rücken sie jeden Freitag von 18 - 20 Uhr und samstags von 14 - 16 Uhr aus. Je nach Witterungslage fahren sie auch noch öfter raus. Zentraler Standort ist der Vorplatz am Oldenburger Hauptbahnhof - bei schlechtem Wetter innerhalb der Bahnhofshalle.

Im Gepäck

"Wir verteilen kostenlos heiße Getränke, Suppen und je nach Verfügbarkeit Decken, Schlafsäcke, Socken und ähnliches. Auch Tiernahrung ist zeitweise an Bord. Mit dieser Akuthilfe möchten wir 'Erste Hilfe' der etwas anderen Art leisten" so Jörg Bohlken, einer der Leiter des Kältebus. Darüber hinaus sind die ehrenamtlichen Helfer auch vertrauliche Ansprechpartner für Bedürftige. "Gemeinsam mit anderen sozialen Einrichtungen wie Bahnhofsmission, Diakonie, und Sozialdienst in Oldenburg oder auch der Deutschen Bahn können wir auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen. Das gibt uns die Möglichkeit schnell und unbürokratisch Kontakte herzustellen und im besten Fall direkt Lösungen für die Betroffenen erreichen zu können", ergänzt Anja Schlottke.

Der Oldenburger Kältebus ist rein aus Spenden finanziert.

Foto: Lukas Lehmann