Miteinander Verständnis finden bei den Trauerangeboten der Johanniter

Hannover, 23. November 2018

Ein Rettungsanker für Trauernde

Bild: Johanniter/Janna Schielke

Immer noch ist es ein Tabuthema: die Trauer um einen geliebten Menschen. „Ich habe hier eine Faust, die mich drückt“, sagt Karin Schneider*, die vor Kurzem ihren Mann verloren hat. „Ein Mensch, der durch diesen Kummer nicht gegangen ist, der kann nicht verstehen, was in einem vorgeht.“ Erika Baumann* empfindet es ähnlich. „Den Druck auf den Magen, den spüre ich immer noch“, beschreibt sie das Gefühl. Sie trauert ebenfalls um ihren Mann, nach 64 Jahren Partnerschaft. Die beiden Frauen treffen sich jeden vierten Sonntag im Monat im Johanniter-Ehrenamtszentrum in Hannover mit anderen Trauernden zum gemeinsamen Frühstück. Der Tisch im Tagungsraum ist dann mit frischen Brötchen gedeckt, es riecht nach Kaffee. Hier ist Platz für Gefühl, für Erinnerungen und auch für Tränen. „Es ist eine sehr schöne Einrichtung und ich bin dafür sehr dankbar, weil man hier mit Menschen zusammenkommt, die das gleiche Schicksal, die gleichen Empfindungen haben“, sagt Karin Schneider. „Sie glauben nicht, wie schön das ist, wenn man hier jemanden hat, wo man sich aussprechen kann, wo man auch mal weinen kann“, pflichtet ihr Erika Baumann bei. „Da draußen, da interessiert das keinen.“

Zuhören, konfrontieren, ernst nehmen, dabei helfen, Worte für die Gefühle zu finden – das sind die Aufgaben der Trauerbegleiterinnen der Johanniter, die die Frühstückstreffen organisieren. Susanne Schröder ist eine von ihnen. „Trauer ist nichts Krankhaftes“, sagt sie. „Wir bieten einen Schutzraum. Hier können sich die Teilnehmer in ihrer Trauer verstehen und akzeptieren lernen.“ Die Trauerbegleiterinnen sind besonders aufmerksam, wenn bestimmte Daten näher rücken, denn manche Tage sind für die Betroffenen besonders problematisch. Geburts- und Feiertage wie Weihnachten und der Todestag des Verstorbenen fordern viel Kraft. Das gilt manchmal sogar für den jeweiligen Tag im Monat oder den Wochentag, an dem der Angehörige verstorben ist. Für Erika Baumann ist das der 9. des Monats, für Karin Schneider der Mittwoch.

Auch die Wochenenden und vor allem Sonntage können belasten.  „Mir geht es, als ob mir jemand eine Hälfte abgeschnitten hätte“, beschreibt Erika Baumann ihre Empfindung. „Es ist wie eine Amputation“, sagt Karin Schneider. „Man ist ja ein Team gewesen. Man muss wahnsinnig viel lernen neben dem Kummer und der Einsamkeit, die man verspürt. Dann ist das Trauerfrühstück etwas sehr Schönes, weil man auch noch einmal weinen kann. Man versucht es sich ja sonst zu verkneifen, weil die Leute nicht mehr das Verständnis haben oder einfach nicht wissen, was sie tun sollen. Hier geniert man sich nicht.“ Bei den Treffen im Johanniter-Zentrum darf alles einmal und immer wieder herausgelassen werden. Die Gruppe geht dabei vertraulich miteinander um und bewertet nicht, was gesagt wird. Für Susanne Schröder steht im Mittelpunkt, die Hilfe zur Selbsthilfe und den Austausch der Teilnehmenden untereinander zu fördern. Das gelingt: Die Teilnehmer eines zwei Jahre zurückliegenden Gruppenangebots treffen sich immer noch selbstständig.

Erika Baumann und Karin Schneider wollen anderen Trauernden Mut machen, sich Hilfe zu suchen. „Es ist ein Rettungsanker“, sagt Karin Schneider. Die Treffen zum Frühstück stehen jedem unverbindlich offen. Feste Trauergruppen ergänzen das Angebot. Interessierte können sich bei Susanne Schröder melden, telefonisch unter 0511 6550570 oder per Mail unter susanne.schröder@johanniter.de.

 

 

*Name geändert