Perspektiven von Anfang an

Janna Schielke - Hannover, 05. Februar 2019

Foto: Johanniter/Janna Schielke

Die ganze Familie in den Blick nehmen – das ist das Ziel des Pädagogen-Teams im neuen Johanniter-Familienzentrum Hainholzer Hafen. Seit Januar erhält die ehemalige Kindertagesstätte die Förderung als Familienzentrum durch die Stadt Hannover. Darüber hinaus unterstützt der Johanniter-Bundesverband die Einrichtung im Rahmen des  Programms „Leuchttürme der Integration“. So können die Angebote für Eltern und Familien beständig ausgebaut werden. Zusätzlich betreuen die Mitarbeiter weiterhin rund 80 Kinder im Kita- und Krippenbereich. „Wir wollen Kindern und ihren Eltern die Tür zur Welt aufschließen. Wir wollen zeigen, welche Möglichkeiten sie bietet und Perspektiven schaffen“, erklärt Leiterin Vanessa Baum die Intension der Einrichtung. „Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere bisherige Arbeit mit der Umwandlung in ein Familienzentrum anerkannt wird.“

Hannover-Hainholz gilt als ein Stadtteil mit besonderen Herausforderungen. In vielen Familien herrscht Erwerbslosigkeit – zum Teil seit mehreren Generationen. Viele Kinder haben einen Migrationshintergrund: 30 Nationen versammeln sich in der Tagesstätte. Das Team sieht diese Vielfalt als Chance und verfolgt einen inklusiven Ansatz.

Auch deshalb bildet die Arbeit mit Eltern seit langem einen Schwerpunkt ab – schon während des alleinigen Betriebs als Kindertagesstätte. Ein Elterncafé, Beratungsangebote und Kooperationen mit anderen Institutionen entstanden damals in Eigeninitiative des Teams. Ein Beispiel: „Ein Mädchen ist uns während ihrer Kita-Zeit als sehr intelligent aufgefallen. Als sie in die Schule kam, hatte sie aber bereits im ersten Halbjahr 60 Fehltage. Das war ein Schlüsselerlebnis für Vanessa Baum. Um die Kinder nachhaltig unterstützen zu können, müssen die Pädagogen die Eltern erreichen und ihnen die Bedeutung von Bildung sowie deren Nutzen für ihr Kind deutlich machen.

Dieses Engagement erzielte immer mehr Erfolge: Eltern holten Schulabschlüsse nach, fanden Jobs oder eröffneten ein eigenes Konto. Das Kita-Team beschloss, die Projekte auszubauen und zu verstetigen. Mit der Förderung der Stadt Hannover und des Johanniter-Bundesverbandes kann das jetzt noch besser gelingen. Zwei Koordinatorinnen beraten zukünftig die Eltern in Erziehungs- und Alltagsfragen, planen Seminare, Workshops, Kurse und Ausflüge und pflegen Kontakte zu einem breiten Netzwerk an Partnern.

 

Vanessa Baum und ihr Team wollen das Programm des Familienzentrums flexibel halten. „Unsere Angebote richten sich immer danach, was die Familien konkret brauchen. Wenn wir merken, dass ein Thema wichtig wird, schauen wir, wie wir den Eltern das notwendige Werkzeug an die Hand geben können. Damit sie selbstständig ihre individuellen Herausforderungen bewältigen können!“ Die Johanniter wollen sich dabei noch stärker als schon in der Vergangenheit mit anderen Stellen vernetzen – auch mit dem Familienzentrum der Landeshauptstadt Hannover im selben Stadtteil. Anders als andere Familienzentren kann die Einrichtung am Hainholzer Hafen bereits an viele bestehende Angebote anknüpfen und setzt auf die Unterstützung des gesamten Teams. „Wir haben das Konzept von Anfang an gemeinsam entwickelt und entschieden, dass wir ein Familienzentrum werden wollen. Die Koordinatorinnen und das Kita-Personal arbeiten bei uns nicht nebeneinander sondern Hand in Hand.“ So sollen auch MitarbeiterInnen, die hauptsächlich in der Kinderbetreuung tätig sind, Aktivitäten für Eltern und Familien durchführen. Darüber hinaus will das Familienzentrum in Hainholz mit anderen Einrichtungen der Johanniter zusammenarbeiten. So können Impulse aus anderen Feldern, wie der Integrationsarbeit, einfließen. „Wir wollen mit den Eltern und Kindern den Stadtteil verlassen“, ergänzt Vanessa Baum. „Es ist wichtig, dass sie sehen, dass die Welt groß ist. Die Kooperation mit anderen Johanniter-Einrichtungen bietet da viele Möglichkeiten.“

Die Kitas der Johanniter arbeiten nach dem Situationsansatz. Das bedeutet, dass sie die Neugier und Selbsttätigkeit der Kinder fördern. Es gilt das Motto „Bildung ist mehr als Wissen“. Kinder finden hier eine Forschungsstätte mit einer anregenden Umgebung und mit der Möglichkeit zu den unterschiedlichsten Aktivitäten in den Bereichen Bewegung, Natur, Sprache, Wertevermittlung, kulturelle Bildung und vielem mehr vor. Auch die Angebote für Erwachsene sollen diesem Konzept folgen. Wie alle Familienzentren in der Stadt Hannover ist  die pädagogische Arbeit außerdem dem Code von Early Excellence verpflichtet: Gegenseitige Wertschätzung, eine ganzheitliche Sicht auf die Familie und die Anerkennung der Eltern als Experten für ihre Kinder bilden hier zentrale Punkte.