Kompetenz, Leistungsbereitschaft und Engagement für Menschen

Hildesheim, 29. November 2010

Die Arbeitsgemeinschaft Rettungsdienst stellte Politikern und weiteren geladenen Gästen das Potenzial ihrer ehrenamtlichen Bereiche vor. Es wurden ein Behandlungsplatz 25 (BHP 25) und Fahrzeuge vorgeführt, die beispielhaft den Umfang einer Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) abbilden.

Unter dem Motto „Wir leisten mehr!“ zeigten die vier mit dem Rettungsdienst beauftragten Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und Malteser Hilfsdienst (MHD) auf dem DRK-Gelände an der Louise-Cooper-Straße ihre „Mehrwertleistungen“, die sie zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger einbringen. Politiker wie Klaus-Peter Bachmann, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jutta Rübke, MDL und Mitglied der SPD im Rat der Stadt Hildesheim, Klaus Krumfuß, MdL und Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion und Ulrich Kumme, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat der Stadt ließen sich vom Leistungspotenzial beeindrucken.

Vor dem Hintergrund der unmittelbar anstehenden Rettungsdienstausschreibung verdeut-lichte die Hildesheimer Arbeitsgemeinschaft, dass es bei der dem Verfahren zugrunde liegenden Leistungsbeschreibung um mehr geht: den ehrenamtlichen Teil einer bestehenden Partnerschaft. Neben der Notfallrettung und dem Krankentransport für Stadt und Landkreis Hildesheim – der offiziell beauftragten Leistung – haben die Hilfsorganisationen umfang-reiche Strukturen geschaffen, um gleichzeitig für Großschadensereignisse, den Massenanfall an Verletzten, Sondereinsätze und auch für Sanitätsdienste gewappnet zu sein. Diese zusätzliche Leistung unter anderem auch an Personal- und Sachressourcen wird freiwillig und ohne zusätzliche Kosten für den Rettungsdienst erbracht.

Bei der heutigen Veranstaltung führten ASB, DRK, JUH und MHD praxisnah eine Leistungsschau vor, die insbesondere das SEG-Konzept beinhaltete. Auf dem Gelände waren zwölf Fahrzeuge und der „Behandlungsplatz 25“ mit vier Komponenten zu besichtigen: „Sichtungszelt“, „Behandlung Rot“, „Behandlung Gelb“, und „Behandlung Grün“.

„Je nach Alarmierungsgrad und Sachlage können innerhalb von einer Stunde 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bereitstehen und abrücken“, erklärte Steffen Bahr, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Rettungsdienst, bereits im Vorfeld. „Diese Ressourcen halten wir jederzeit für die Bürgerinnen und Bürger bereit. Somit bieten wir über den von Stadt und Landkreis Hildesheim refinanzierten Regelrettungsdienst hinaus ein Plus an Sicherheit für die Bevölkerung. Diese Leistung wird freiwillig und ohne zusätzliche Kosten für den Rettungsdienst erbracht. Wir tun dies aus innerer Überzeugung und mit der Leidenschaft all unserer Helferinnen und Helfer, die ihre freie Zeit einbringen!“ Dieses ehrenamtliche Engagement deckt ergänzend nicht nur den Katastrophen- bzw. Bevölkerungsschutz ab, sondern auch die Bewältigung von größeren Notfällen mit mehr als fünf Betroffenen.

Die vorgeführten Fahrzeuge stehen für die außergewöhnliche Bandbreite der Aufstellung. Ob Einsatzleitwagen (ELW), dem Rettungswagen (RTW), dem Krankentransportwagen (KTW),  dem KTW-Viertragewagen, einem Mannschaftstransportwagen (MTW), dem Behindertentransportwagen (BTW), einem Staumotorrad, dem Fahrzeug eines Rettungshundeteams und noch vieles mehr.

Neben Fahrzeugen wurde ein „Behandlungsplatz 25“ dargestellt. Gleichzeitig können hier bis zu 25 Personen behandelt werden. 49 Helferinnen und Helfer zeigten heute, wie reibungslos im Notfall alle Kräfte organisationsübergreifend zusammenarbeiten. Aufgebaut waren vier Komponenten: Den Auftakt machte das Sichtungszelt, in dem der Verletzungsgrad festgestellt wird und in dem Träger warten, um die Verletzten oder Erkrankten zum jeweiligen Weiterbehandlungszelt zu verbringen. Die „Behandlung Rot“ (Kategorie 1) nimmt die Schwerstverletzten auf, deren Vitalfunktionen akut bedroht sind. Hier werden zum Beispiel Intubationen durchgeführt. Bei der „Behandlung Gelb“ (Kategorie 2) werden die Patienten untergebracht und behandelt, die indirekt lebensbedroht sind bzw. eine latente Gefahr besteht, dass sich eine Lebensbedrohung entwickeln könnte. „Behandlung Grün“ (Kategorie 3) wird für die leichter verletzten Personen vorgehalten, die einer normalen Betreuung bedürfen.

Neben dem Engagement im Katastrophen- bzw. Bevölkerungsschutz und bei der Bewältigung von größeren Notfällen unterstützt das Ehrenamt auch zu besonderen Aufwuchszeiten den regulären Rettungsdienst - so zu Silvester. 435 Helferinnen und Helfer, 81 Fahrzeuge stehen Stadt und Landkreis Hildesheim zum Beispiel für Evakuierungen bei Bombenräumungen, Vermisstensuchen oder einem Busunfall auf der Autobahn zur Verfügung.

Nicht erst seit Duisburg ist den Verantwortlichen in Stadt und Land bekannt, wie immens wichtig die Anforderung von Sanitätsdiensten ist. Allein 654 dieser Einsätze wurden im Jahre 2009 in und um Hildesheim von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern geleistet. Ob bei M’era luna, Schützen- oder Stadtfesten, Sportveranstaltungen oder Großkonzerten – ohne Ehrenamt wären diese „Events“ nicht abzusichern. Dabei ist zu bedenken, dass diese Veranstaltungen ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor einer Großstadt und der umliegenden Gemeinden sind. Die Absicherung durch Sanitätsdienste ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern verhindert die Ausweitung von eingetretenen Schäden. Sie trägt letztendlich zum positiven Bild einer verlässlich geplanten Großveranstaltung und damit zum Image einer Kommune bei. Nicht nur die hauptamtlichen, auch diese Helferinnen und Helfer mit ihren Einsätzen in ihrer Freizeit werden regelmäßig aus- und fortgebildet, bekleidet, verfügen über medizinisches und technisches Material und über einen entsprechenden Fuhrpark. Und alles wird Jahr für Jahr von ASB, DRK, JUH und MHD vorgehalten, sei es bei 500 oder 1000 und mehr Veranstaltungen per anno.

Diese gewachsenen Strukturen mit qualitativ hochwertiger Erfahrung und Know-how, die die in Stadt und Landkreis Hildesheim tätigen Hilfsorganisationen anbieten können, sollten in den wirtschaftlichen Überlegungen bei der Rettungsdienstausschreibung Berücksichtigung finden.

„Es steht zu befürchten, dass – sollte das System unterbrochen werden – das ehrenamtliche Engagement weg bricht. Und damit wäre niemandem geholfen!“, unterstrichen Swen Bosse (ASB), Rainer Beutner (DRK), Stephan Topp (DRK), Björn Menkhaus (JUH) und Thomas Krause (MHD) bei der gut besuchten Veranstaltung ihr Engagement.