Pilotprojekt zur Einführung von AAL-Technologie gestartet:

Hannover/Sarstedt, 22. Juni 2012

Erster Spatenstich für Seniorenwohnanlage „Argentum“ in Sarstedt (Landkreis Hildesheim)

„Intelligentes Wohnen“ soll Mietern ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung durch Technikeinsatz und individuelles Betreuungsangebot erleichtern


Mit dem ersten Spatenstich ist am 21. Juni 2012 in Sarstedt (Landkreis Hildesheim) der Bau der Seniorenwohnanlage „Am Ried“ mit 25 Wohneinheiten durch die Kreiswohnbau Hildesheim gestartet. Das Wohnprojekt „Argentum“ wird von der Kreiswohnbau Hildesheim in Kooperation mit der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) auf Basis zahlreicher Forschungsergebnisse im Bereich des Ambient Assisted Living (AAL = selbstbestimmtes Leben durch innovative Technik) betrieben.

Hierbei handelt es sich um ein Pilotprojekt zur Entwicklung und Einführung eines marktgängigen Geschäftsmodells für AAL-Technik in Seniorenwohnungen, das anschließend auf weitere Wohnanlagen der Johanniter und der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen bzw. bundesweit übertragen werden soll. Durch Technikeinsatz und durch ein umfangreiches Betreuungsangebot wird ein selbstbestimmtes Leben der Mieterinnen und Mieter in der eigenen Wohnung erleichtert und unterstützt (Intelligentes Wohnen).

Matthias Kaufmann, Geschäftsführer der Kreiswohnbau Hildesheim sieht „Argentum“ als Antwort auf den demographischen Wandel: „Unser Wohnkonzept beinhaltet nicht nur selbstbestimmtes Wohnen bis ins hohe Alter, sondern berücksichtigt auch den Wunsch nach Sicherheit - technisch und gefühlsmäßig. Wir freuen uns darüber, dass das Interesse an unserem Wohnprojekt schon zu diesem Zeitpunkt sehr groß ist und wir zahlreiche Bewerbungen für Wohneinheiten erhalten haben.“

Die Kreiswohnbau bietet für ihre älteren Mieter Gemeinwesenarbeit und Beratung in mehreren Nachbarschaftstreffs an und berät Senioren über altersgerechten Wohnungsumbau. Die Johanniter haben sich seit 2009 an drei AAL-Forschungsprojekten beteiligt, die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurden. Darüber hinaus betreuen die Johanniter 35 Seniorenwohnanlagen und Quartiere in Niedersachsen und betreiben Pflegedienste, Tagespflegeeinrichtungen, Seniorenheime, Hausnotruf- und Menüdienste.

Das Projekt trägt dazu bei, Strategien zur Lösung der demografischen Herausforderungen in unserer Gesellschaft zu entwickeln. Die Anzahl älterer Menschen und der Hilfebedarf von Hochbetagten steigen spürbar an. Im Jahr 2030 wird jeder Dritte älter als 65 Jahre alt sein. Neben den finanziellen Auswirkungen und dem Fachkräftemangel in der Pflege und Betreuung steht der ausdrückliche Wunsch der Senioren, ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter zu führen.

Die Verbindung eines persönlichen Betreuungs- und Hilfeangebotes mit technischen Lösungen erhöht die Chancen älterer Menschen, trotz Hilfebedarf eigenständig in der eigenen Wohnung leben zu können. Auf diese Weise können Kommunikation, Sicherheit, Komfort und Service miteinander verbunden werden. Dabei hat die Selbstbestimmtheit auch beim Technikeinsatz höchste Priorität. Jeder Nutzer entscheidet frei, ob und in welchem Umfang die Technik in seiner Wohnung zum Einsatz kommt. Die Angehörigen, Ärzte, Therapeuten, Pflegedienste, Kirchen, Vereine und Verbände werden im Rahmen der Netzwerkarbeit in das Vorhaben eingebunden.

Die Johanniter entwickeln diese moderne Kommunikations- und Dienstleistungsplattform gemeinsam mit der Deutschen Telekom AG, die die Plattform technisch betreiben wird. Zentrales Medium ist ein Tablet-PC mit einer seniorengerechten Bedienungsoberfläche mit dem die Haustechnik zentral gesteuert werden kann. Die Johanniter unterstützen die Kreiswohnbau bei der Auswahl der technischen Wohnungsausstattung u. a. beim Thema Einbruchschutz, Überwachung mit Bewegungsmeldern, Brandschutz durch Rauchmelder, zentrale Abschaltung kritischer Elektrogeräte (Herd, Bügeleisen) an der Eingangstür. Der Tablet wird auch als Kommunikations- und Dienstleistungsplattform zur Kommunikation mit Nachbarn, Freunden und Servicekräften, zur Bestellung von Dienstleistungen und zum Abrufen lokaler und regionaler Informationen wie Veranstaltungen im Gemeinschaftsbereich eingesetzt. Die Betreuungskraft kann Kontakt mit einzelnen Bewohnern über diese Technik aufnehmen und sich nach dem Wohlbefinden erkundigen.

Alle Wohneinheiten sind mit dem Hausnotruf ausgerüstet. D. h., dass eine 24 Stunden besetzte Notrufzentrale jederzeit einsatzbereit ist und im Bedarfsfall die Einleitung und Koordinierung von bedarfsgerechten Notfallmaßnahmen einleitet.

Bei allen Fragen zu den technischen Anwendungen und zur Einstellung der intelligenten Haussteuerung stehen das Servicepersonal und die Hausnotrufzentrale der Johanniter zur Verfügung.

Eine allgemeine Service- und Beratungsstelle wird von den Johannitern mit einer qualifizierten Kraft besetzt. Sie steht Mietern und im Mietverhältnis einbezogenen Personen in dieser Zeit zur Verfügung. Dabei geht es darum, den Mietern Hilfestellung und Beratung bei pflegerischen Fragen und Behördenangelegenheiten zu geben. Weitere Aufgaben sind: Organisation ambulanter Dienstleistungen, z.B. Fahrdienst, Begleitdienst, Einkäufe, Menüservice, Fußpflege, mobile Friseurleistungen usw.

Es wird angestrebt, ein ehrenamtliches, nachbarschaftliches Hilfe- und Unterstützungsnetz aufzubauen. Des Weiteren sollen Gruppenangebote z. B. Kreativgruppen, Malkurse, Literaturkreise, Gedächtnistraining und Spielgruppen aufgebaut werden.

Argentum Am Ried - Miteinander das Leben genießen: Klaus Bruer (Aufsichtsratvorsitzender Kreiswohnbau Hildesheim), Bernd Meyer (vdw-Verbandsdirektor), Horst-Dieter Schelper (allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters), Matthias Kaufmann (Geschäftsführer der Kreiswohnbau Hildesheim) und Landrat Reiner Wegner (Landkreis Hildesheim) (v.l.n.r.)