Auf Distanz – und doch ganz nah

Stefan Greiber/Foto: Helene Frieden - Aurich, 21. Mai 2020

Seit 2015 ist der Ortsverband Aurich der Johanniter-Unfall-Hilfe in der Integrationsarbeit aktiv und hat sich auf Integrationskurse für Frauen mit Migrations– und Fluchtgeschichte spezialisiert. Einen besonderen Schwerpunkt legen die Johanniter dabei auf den Aspekt der Kinderbetreuung. Ausgebildete Pädagoginnen und freiwillige Helferinnen kümmern sich während der Unterrichtszeiten kostenlos um den Nachwuchs und ermöglichen damit auch Müttern die Teilnahme, die keine andere Möglichkeit haben, ihre Kinder unterzubringen. Aufgrund der Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mussten auch die Integrationskurse eingestellt werden. Auch nach der schrittweisen Öffnung der Schulen können die Kurse nicht stattfinden. „Kleinkinder halten sich leider nicht an Distanzregelungen und Schutzmaßnahmen“, erklärt Helene Frieden, Dienststellenleiterin des Johanniter-Ortsverbands Aurich. Deshalb haben die Johanniter ein Online-Angebot für geflüchtete Frauen und Frauen mit Migrationshintergrund gestartet.

„Wir möchten den Lernstand unserer Teilnehmerinnen aufrechterhalten, damit das bisher Erlernte nicht verloren geht“, sagt Helene Frieden. „Gleichzeitig ist für uns die soziale Komponente von tragender Bedeutung, um den Migrantinnen weiterhin auf ihrem Weg in die deutsche Gesellschaft zur Seite zu stehen, gerade in der jetzigen schwierigen Zeit.“ Die soziale Isolation von Menschen mit Fluchtgeschichte werde durch die Pandemie verstärkt und verhindere den so wichtigen Austausch mit der Aufnahmegesellschaft. In den Online-Tutorien können die Teilnehmerinnen der Frauenintegrationskurse eigenständig Übungen erarbeiten. „Wir als Lehrkräfte können diese korrigieren und individuell auf die einzelnen Bedarfe eingehen“, erklärt Karin Lübbers-Kopp, die diese Angebote bei den Johannitern in Aurich leitet und koordiniert. Gemeinsam mit Annegret Kilo führt sie die Online-Tutorien durch. „Neue Aufgaben können individuell auf die jeweiligen Lernstände angepasst werden. Darüber hinaus stehen wir im direkten Austausch und unterstützen unserer Teilnehmerinnen wo wir können, auch wenn es nicht um die deutsche Sprache geht. Der enge Kontakt zu unseren Teilnehmerinnen ist der Schlüssel zu unserem Erfolg seit Start unserer Sprachlernangebote im Jahr 2016.“

Für Helene Frieden ist das Angebot auch ein Test für zukünftige Aktivitäten: „Das ist erst der Anfang. Es ist beeindruckend, was Online und im Netz alles möglich ist. Das hätten wir uns vor sechs Monaten sicherlich so nicht vorstellen können. Wir befinden uns in einem kontinuierlichen Lernprozess und planen, unsere Onlineangebote auch für Teilnehmerinnen weiterer Kurse anzubieten, um ihnen in dieser schwierigen Zeit ein Alternativangebot zur Verfügung zu stellen und sie auch weiterhin begleiten zu können“, erklärt die Dienststellenleiterin. Die besondere Ausnahmesituation der Corona-Krise berge nicht nur Gefahren, sondern biete der Gesellschaft auch die Möglichkeit für grundlegende Veränderungen und stellt neue Herausforderungen an die Kreativität eines jeden einzelnen.