DDR-Pakete

Mit der Gründung der JHG Wiesbaden 1959 begannen die zunächst 30 Mitglieder, selbst überwiegend Vertriebene oder Flüchtlinge, bedürftige Familien, Rentner und auch Johanniterschwestern in der damaligen sowjetischen Besatzungszone und in Ostpreußen und anderen ehemaligen deutschen Gebieten mit Paketsendungen zu unterstützen.
Zu den Empfängern bestanden vielfach persönliche Beziehungen aus der Heimat.

Es wurden Lebensmittel gehobenen Bedarfs, Kleidung und im von der Zensur erlaubten Rahmen auch Bücher verschickt, in der Regel zu Ostern und zu Weihnachten, oft auch drei Mal im Jahr.

Mit zunehmender Mitgliederzahl stieg auch die Anzahl der versandten Pakete auf jährlich rund 250 im Jahre 1965, hielt sich dann bei durchschnittlich 220 Paketen über zwei Jahrzehnte.

Trotz zunehmenden Lebensalters und Tod bei Empfängern und Versendern und sinkenden Leistungsvermögens von Mitgliedern wurden im Jahre 1987 immerhin noch 200 Pakete jährlich verschickt.

Alle Sendungen wurden von den östlichen Staatsorganen auf die Einhaltung der sehr restriktiven Einfuhrbestimmungen scharf kontrolliert und dazu oft geöffnet. Die Johanniter-Hilfsgemeinschaft durfte nicht als Absender auftreten oder identifizierbar sein. Alle Paketbetreuungen sind immer von persönlicher Korrespondenz begleitet worden. Briefe durften den Paketen nicht beigelegt werden. Wo immer möglich, wurden persönliche Wünsche erfüllt. Dabei spielte der Bohnenkaffee eine herausragende Rolle, war er doch im Osten für Rentner ebenso unerschwinglich wie etwa Schokolade.

Wo immer möglich, wurden auch persönliche Beziehungen durch Besuche in den Familien in der DDR und sogar z.B. in Ostpreußen oder Pommern gefestigt, sowohl vor als auch nach der Wende!

Die Paketbetreuung an Bedürftige in der DDR konnten wir 1990 nach brieflichen Ankündigungen und Vereinbarungen mit den Empfängern auslaufen lassen oder in besonderen Fällen auslaufend auf Geldüberweisungen umstellen.

An die deutschstämmigen Empfänger in den ehemals deutschen Gebieten Polens wurden die Hilfen, nun allerdings vorwiegend in Geld, noch einige Jahre fortgesetzt, zuweilen solange, bis das Leben von Empfängern und/oder des betreuenden JHG-Mitglieds ein Ende setzte.

Der Wert von rund 6000 versandten Paketen in 30 Jahren (1959 bis 1990) kann nur annäherungsweise mit mindestens ¼ Million DM geschätzt werden. Gleichwohl sind der persönliche Einsatz der Mitglieder und die in sozialer und auch vaterländischer Verantwortung geleisteten Hilfen für Bedürftige jenseits des damaligen Eisernen Vorhangs um ein Vielfaches höher zu bewerten.